Familie trauert um toten Chauffeur

22. Dezember 2016 09:57; Akt: 22.12.2016 15:22 Print

«Wir sind stolz auf ihn»

Der getötete polnische Lastwagen-Fahrer kämpfte im LKW gegen den Attentäter von Berlin. Die Familie des 37-Jährigen sieht ihn als Helden.

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In der Nähe der Siegessäule: Die Polizei nahm zuerst einen 23-jährigen Flüchtling aus Pakistan fest und verdächtigte ihn des Anschlags (20. Dezember 2016). Screenshot: Welt Später richtete sich der Verdacht dann gegen den Tunesier Anis Amri, von dem mittlerweile ein IS-Video aufgetaucht ist: Italienische Forensiker untersuchen den Ort in Mailand, wo Amri erschossen wurde. Amri war in der Nacht von einer Polizeistreife angehalten worden und hatte sich eine Schiesserei mit den Beamten geliefert. Zur Schiesserei sei es gekommen, weil sich Anis Amri geweigert habe, seine Papiere zu zeigen. Bei der Schiesserei wurde ein Polizist in die Schulter getroffen, er war nicht in Lebensgefahr. Sicherheitskräfte sperren den Tatort ab. Es bestehe «nicht der Schatten eines Zweifels» an der Identität des Getöteten, sagte der italienische Innenminister Marco Minniti am Freitag. Berichten zufolge soll der Tatverdächtige Anis Amri in Mailand erschossen worden sein. Keine grelle Beleuchtung, keine Partymusik: Der Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz ist wieder geöffnet. Sie will keine Anzeichen der Radikalisierung gesehen haben: Nur al-Huda Hassani, die Mutter des Terrorverdächtigen, posiert in ihrem Zuhause in Tunesien mit einem Bild ihres Sohnes. (22. Dezember 2016) Die Sicherheit auf dem Markt wurde mit grossen Betonsperren verstärkt. Hier war Anis Amri offenbar gemeldet: Sicherheitskräfte durchsuchen ein Flüchtlingsheim in Emmerich, Nordrhein-Westfalen. (22. Dezember 2016) Trauerfeier in der Gedächtniskirche in Berlin: Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière schreibt ins Kondolenzbuch. (20. Dezember 2016) Der gesuchte Tunesier soll in Italien vier Jahre im Gefängnis gesessen haben: Fahndungsplakat des BKA. Der Tunesier habe Kontakte zu salafistischen Kreisen unterhalten und sei als «Gefährder» eingestuft worden, also als eine Gefahr für die öffentliche Ordnung. Die Behörden fahnden jetzt offiziell nach dem Tatverdächtigen Tunesier Anis A. Sie haben ein Kopfgeld von 100'000 Euro ausgesetzt. Gegen den Verdächtigen sei in Berlin wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Straftat ermittelt worden: Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger informiert in Düsseldorf über den gesuchten Tatverdächtigen Anis A. (21. Dezember 2016) Der getötete polnische LKW-Fahrer Lukasz U. hat durch sein Eingreifen gegen den Terroristen im Führersitz Schlimmeres verhindert. Die Polizei fahndet nach dem verdächtigen Tunesier, der hätte abgeschoben werden sollen. Im Fussraum der Fahrerkabine sollen die Ermittler ein offizielles Ausweisdokument des Verdächtigen gefunden haben: Mitarbeiter eines Abschleppunternehmens am Breitscheidplatz. Die Jihadistenmiliz IS beansprucht den Anschlag über sein Sprachrohr Amaq für sich. Der Attentäter sei ein «Soldat des Islamischen Staats». Der Lastwagen krachte durch die Gasse zwischen den Buden des Marktes und kam erst rund nach 60 bis 80 Metern zum Stehen. (20. Dezember 2016) Ariel Zurawski, Besitzer des Transportunternehmens, trauert um seinen Cousin Lukasz U. Der 37-jährige Pole wurde wohl vom Täter in der Fahrerkabine des LKW erschossen. Der Lastwagen fuhr an der Ecke Kantstrasse/Budapester Strasse in den Weihnachtsmarkt, krachte durch die Gasse zwischen den Buden, durchbrach nach 60 bis 80 Metern die linke Reihe der Buden und kam halb auf der Budapester Strasse zum Stehen. Ein Dutzend Menschen starben, bis zu 50 Menschen wurden teils schwer verletzt. (20. Dezember 2016) Tote, Verletzte und zerstörte Buden: Blick auf die Spur der Zerstörung des Lastwagens. (20. Dezember 2016) Trauer um die Opfer: Kanzlerin Angela Merkel legt Blumen nieder. (20. Dezember 2016) Junge Frauen auf dem Weihnachtsmarkt am Berliner Kudamm. Auch auf Weihnachtsmärkten in Frankreich werden die Sicherheitsmassnahmen erhöht: Polizisten in Paris. (20. Dezember 2016) Beton-Absperrungen werden errichtet. Sie sollen öffentliche Orte und Veranstaltungen besser schützen. «In uns lebt ihr weiter»: Die Menschen in Berlin trauern und zünden Kerzen für die Opfer an. (20. Dezember 2016) «Ich bin Berlin»: Zahlreiche Menschen wollen ihrer Trauer öffentlich Ausdruck verleihen. Sie zünden Kerzen an ... ... oder legen Blumen nieder. Auch in der Gedächtniskirche versammeln sich Menschen, um der Opfer zu gedenken. Das Attentat hatte in direkter Nähe stattgefunden. Am Tatort nahe der Gedächtniskirche: Die Ermittler bei Tagesanbruch. (20. Dezember 2016) Die Einsatzkräfte vor Ort am Breitscheidplatz (20. Dezember 2016) Die Führerkabine des LKW ist völlig zerstört. (20. Dezember 2016) Der Sattelschlepper wird von den Behörden abgeschleppt. (20. Dezember 2016) Der Tatort aus einiger Distanz: Weisse Absperrungen auf der Strasse verdecken die Sicht auf den Lastwagen und die Zerstörung, die er angerichtet hat. Ermittler sichern die Spuren beim Lastwagen, der in den Weihnachtsmarkt bei der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Trauer in Berlin: Der deutsche Sänger Frank Zander umarmt nach Bekanntwerden der Tat einen Fan an einer Wohltätigkeitsveranstaltung. Ein Bild des Schreckens: Der Breitscheidplatz in Berlin, wo ein LkW in den Weinnachtsmarkt gesteuert wurde. (20. Dezember, 2016) Nach neusten Angaben der Polizei gab es zwölf Tote: Polizisten vor dem LKW am Breitscheidplatz in der Nähe des Kurfürstendamms. (19. Dezember 2016) Der schwarze LKW ist in einen Weihnachtsmarkt gerast. (19. Dezember 2016) Ein Weihnachtsbaum mit dem der Lkw kollidierte, liegt auf dem Boden. In der Gedächtniskirche Kaiser Wilhelm findet um 18 Uhr ein Trauergottesdienst statt. Berlins Bürgermeister Michael Müller (l.) gibt vor Ort den Medien Auskunft. Nach Angaben der Feuerwehr wurden mindestens 50 Menschen teils lebensgefährlich verletzt. Rettungskräfte kümmern sich um einen Verletzten. Die Polizei prüft, ob es sich um einen Anschlag handelt. «Ich habe gesehen, wie der LKW in die Menschen gefahren ist», sagt ein junger Mann dem Fernsehsender N24. Der Fahrer sei maskiert gewesen. Nach Informationen der «Welt» gab es seit mehreren Tagen Hinweise auf einen möglichen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt in Berlin. Der Lastwagen war über das Trottoir am Breitscheidplatz bei der Gedächtniskirche gefahren. Dabei wurden mehrere Buden zerstört. Der LKW fuhr nach Polizeiangaben auf einer Strecke von 50 bis 80 Metern über den Markt zwischen den Ständen durch. Dann kam er auf der Budapester Strasse zu stehen. Der Sattelschlepper war vorne stark demoliert und nach dem Anschlag vor dem Hochhaus des Waldorf-Astoria-Hotels abgestellt, wie ein dpa-Fotograf berichtete. Der Weihnachtsmarkt liegt in der Nähe der Gedächtniskirche. Die Polizei hat die Bewohner der Hauptstadt zur Ruhe aufgefordert. Dutzende Rettungswagen und viele Polizeiwagen waren vor Ort. Der Fahrer flüchtete zunächst Richtung Zoo. Später konnte er nach Polizeiangaben festgenommen werden. Die Berliner Polizei bittet die Anwohner, vorerst zu Hause zu bleiben. «Bleiben Sie zu Hause und verbreiten Sie keine Gerüchte», schrieb die Polizei am Montagabend auf dem Kurzbotschaftendienst Twitter. Zahlreiche Rettungskräfte kümmern sich um die Verletzten. Polizisten vor dem Truck mit polnischem Kennzeichen.

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Nach dem Attentat auf dem Berliner Weihnachtsmarkt am Montagabend, bei dem zwölf Menschen starben und 48 Personen zum Teil schwer verletzt worden waren, wurde auf dem Beifahrersitz des Lastwagens ein toter Mann gefunden. Es handelte sich um den polnischen Chauffeur des Lastwagens, der gemäss Obduktion bis zum Anschlag gelebt haben muss. Offenbar versuchte Lukasz U. Schlimmeres zu verhindern, als der Lastwagen über den Weihnachtsmarkt fuhr. «Die Ermittler gehen davon aus, dass er mit dem Terroristen kämpfte und im entscheidenden Moment das Steuer des LKW herumriss», schreibt Bild.de. Entsprechende Verletzungen weisen auf das mutige Eingreifen des Chauffeurs hin.

Das deutsche Boulevardblatt hat die Familie von Lukasz U. in Polen besucht. Der Chef und Cousin des getöteten Lastwagen-Fahrers, Ariel Zurawski, erklärte, dass mit Sicherheit zu sehen gewesen sei, dass er im Führersitz gekämpft habe. Davon gehen auch die Ermittler in Deutschland aus. Deshalb sei vermutlich auch der noch flüchtige Täter verletzt.

Hilfsbereit und freundlich

Zurawski beschreibt seinen getöteten Angestellten als sehr verlässlich. Er sei immer pünktlich zur Arbeit gekommen und sei sehr genau gewesen. Die Arbeitskollegen hätten ihn deshalb «den Inspektor» genannt. Aus diesem Grund hätten alle geahnt, dass etwas passiert sein musste, als sich Lukasz U. am Montagnachmittag nicht mehr gemeldet habe. «Das war mehr als untypisch für ihn», sagt Zurawski. Das letzte Lebenszeichen hat der Chef von seinem Angestellten um 15 Uhr erhalten. Bei Thyssen-Krupp am Friedrich-Krause-Ufer in Berlin-Wedding habe der Chauffeur noch warten müssen. Er sei darob genervt gewesen, erinnert sich Zurawski. Der Fahrer wollte unbedingt an Weihnachten wieder zu Hause sein. «Er hatte vor, seiner Frau noch ein Geschenk zu kaufen.»

Nachbarn beschreiben den Chauffeur als hilfsbereit und freundlich. «Er war ein ganz lieber Mensch. Natürlich sind wir stolz, dass er so viele Menschen gerettet hat. Aber vor allem sind wir traurig», sagte die Schwägerin des getöteten Fahrers der deutschen Zeitung.

Lukasz U., der ein grosser und kräftiger Mann war, hinterlässt neben seiner Frau einen 17-jährigen Sohn. Der Vater des Lastwagenfahrers sei unter Schock ins Krankenhaus gekommen, schreibt Bild.de. Der Vater hat vor wenigen Jahren bereits einen Sohn verloren.

(fal)