Attentat in Tunesien

20. März 2015 16:55; Akt: 21.03.2015 14:21 Print

«Wir trauten uns nicht, den Raum zu verlassen»

Als die ersten Schüsse im tunesischen Nationalmuseum fallen, versteckt sich ein spanisches Paar in einem Putzraum – und harrt dort einen ganzen Tag lang aus.

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Die Spanier Juan Carlos Sánchez und Cristina Rubio haben den Überfall auf das tunesische Nationalmuseum überlebt. 21 Menschen wurden am Mittwoch beim Anschlag getötet, zu dem sich inzwischen die Terrororganisation Islamischer Staat (IS) bekannt hat. Als die ersten Schüsse fielen, versteckte sich das Paar in einem kleinen Kabuff des Museums. Erst 23 Stunden später fand die tunesische Polizei die beiden – zusammengekauert in einer Ecke.

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Der Besuch der tunesischen Hauptstadt war der letzte Stopp ihrer Reise mit einem Kreuzfahrtschiff durch das Mittelmeer gewesen. Die beiden Krankenpfleger aus Sueca, einem Vorort Valencias, hätten erst kürzlich geheiratet und sich diese Reise als Hochzeitsgeschenk gewünscht, erzählt der Vater der 27-jährigen Cristina Rubio der spanischen Zeitung «El Mundo». Seine Tochter ist im vierten Monat schwanger.

23 Stunden ohne Wasser und Essen

Der Nachrichtenagentur AP schildert der 33-jährige Sánchez jetzt die dramatischen Stunden im Museum. «Wir liefen gerade durch einen Gang, als wir plötzlich Schüsse und eine Explosion hörten. Wir sahen, wie ein Mann an uns vorbeirannte und erschossen wurde.» In dem Moment habe er begriffen, dass er seine schwangere Cristina in Sicherheit bringen müsse.

«Ich entdeckte den Putzraum. Da blieben wir, bis uns die Polizei am nächsten Tag sah», erzählt Sánchez mit ruhiger Stimme weiter. In seinen Augen steht immer noch der Schrecken geschrieben, als er seine unfreiwillige Nachtwache im Bardo-Museum beschreibt. «Wir brachten die ganze Nacht dort zu und getrauten uns nicht, den Raum zu verlassen.»

Er habe nur gehört, wie die Männer im Gang miteinander arabisch geredet hätten. «Ich wusste nicht, ob sie Terroristen oder Polizisten waren», erinnert sich Sánchez. Später stellte sich heraus, dass es Mitglieder eines Rettungsteams waren, die verzweifelt nach den beiden Spaniern suchten.

Baby wohlauf

Als das Paar im Morgengrauen schliesslich entdeckt wird, bringen Sanitäter die Frau in eine Geburtsklinik. Die Schwangere steht unter Schock. Vor Schreck kann sie zuerst nichts essen. Weil sie sich wegen der Schwangerschaft weigert, Medikamente einzunehmen, wird ein Psychologenteam geholt, um die Frau zu beruhigen.

Als Tunesiens Gesundheitsminister Said sie am Donnerstag im Spital besucht, ordnet dieser jede Menge Untersuchungen an. Kurz danach die erleichternde Nachricht: Dem Baby – einem Mädchen – geht es gut. Am Freitag durfte das frischvermählte Paar dann nach Spanien zurückreisen.

(kle)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kamal , kanar am 20.03.2015 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schrecklich

    das ist wirklich unfassbar! man ist nirgendwo mehr sicher!

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  • Chris@ am 20.03.2015 18:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bedauernd

    Ich warte immer noch auf Worte des Bedauerns seitens islamischer Gesellschaften weltweit.

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  • R.G. am 20.03.2015 21:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kreta

    ich Fliege im Juni nach Kreta auch dort könnte was passieren aber soll man sich von diesen Attentäter alles vermiesen lassen ist es nicht das ,das sie wollen .?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • F.B. am 21.03.2015 18:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tunesien ist toll

    Solche Attentate gab es bereits mehrere in Tunesien, das ändert trotzdem nichts an den Plänen, eines Tages dort zu leben. Ich liebe meine zweiten Heimat 3

    • Tunesierin am 21.03.2015 18:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Erfeut

      Das finde ich toll von dir zu hören und gibt mir als Tunesierin die Kraft die Hoffnung nicht zu verlieren das es mit unserem Land bergauf geht ! Dachte niemals das es Leute aus der Schweiz gibt welche sich vorstellen könnten dort zu leben, macht mich soo glücklich :) Wünschte mir schon immer unten in Tunesien einen Schweizer als Nachbar und nicht als Tourist :)

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  • marigona hysenaj am 21.03.2015 16:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wir trauten uns nicht 'den raum zu verlassen

    hatten sie nichst zu essen . wer hat sie gefunden

  • Lilifee am 21.03.2015 10:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kreuzfahrt

    War schon zweimal mit dem Kreufahrtschiff in Tunis im Herbst ist die dritte Reise dahin schon gebucht, aber ganz ehrlich dahin will ich nicht mehr, mir ist das zu riskannt. Dazu muss ich noch sagen dass Tunis die Destination ist worauf ich mich am meisten gefreut habe. Hoffe die Schiffahrtsgesellschaften ändern die Route.

    • F.B. am 21.03.2015 18:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Wieso nicht mach Tunis?

      Solche Attentate gab es mehrere in den letzten Jahren in Tunesien, die haben sie ja auch nicht davon abgehalten, eine Reise nach Tunis zu buchen...

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  • Eine Mutter am 21.03.2015 07:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist schlimm

    was momentan passiert auf der Welt. Vor allem macht es mich sehr nachdenklich und verrückt, was die Leute der IS glauben zu sein. Meinen ihr Denken und Handeln sei das Einzige was auf der Welt gelebt werden müsse. Seien wir mal ehrlich, wenn wir auch so denken würden, müssten wir mit allen IS -Leuten das selbe tun. Denn für unser Leben, Denken, Handeln, hat es keinen Platz für Menschen, wie diese der IS. Hoffen wir, dass das nicht geschehen wird Gleiches mit Gleichem zu vergelten.

  • Christian am 21.03.2015 07:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Proteste in Tunesien

    zumindest in Tunesien gingen die Leute auf die Straße um gegen das Attentat und gegen die Radikalisierung zu protestieren. Die restliche musl. Welt (aber sicher nicht alle) hat sich an solche Taten gewöhnt und solange es "Ungläubige" trifft, spielt es für sie eine untergeordnete Roll