Stürmisches Meer

05. Januar 2016 18:23; Akt: 05.01.2016 22:56 Print

Über 30 Flüchtlinge vor türkischer Küste ertrunken

Die Überfahrt nach Griechenland hat mindestens 36 Flüchtlinge das Leben gekostet, darunter auch Kinder. Die Migranten haben nicht funktionsfähige Rettungswesten getragen.

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Tödliches Ende: Türkische Polizeibeamte am Strand, wo mehrere tote Flüchtlinge angespült wurden (5. Januar 2015). (Bild: Keystone)

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Ein tödliches Ende hat für mindestens 36 Flüchtlinge die gefährliche Überfahrt von der Türkei nach Griechenland genommen. Türkische Polizisten fanden 29 Leichen an den Stränden der westlichen Region Balikesir gegenüber der griechischen Insel Lesbos. Weitere sieben Ertrunkene wurden aus der eisigen Ägäis geborgen. Unter den Opfern waren mehrere Kinder.

Das sagte ein Sprecher des Grenzschutzes der Nachrichtenagentur AFP. Wegen starker Winde war am Morgen ein in der Region Dikili gestartetes Boot mit 22 Flüchtlingen an Bord gekentert, wie die Nachrichtenagentur Dogan meldete. Trotz des Einsatzes der türkischen Grenzschützer seien die meisten Passagiere tot an einem Strand von Ayvalik gefunden worden.

Auf von Dogan verbreiteten Fotos und Videos waren am Strand liegende Kinderleichen zu sehen, die über ihrer Kleidung Rettungswesten trugen. Viele dieser Westen seien nicht funktionsfähig gewesen, hiess es.

Überladenes Schlauchboot

Mindestens ein weiteres Drama ereignete sich, als Wasser in ein mit 58 Flüchtlingen überladenes Schlauchboot vor dem Badeort Dikili eindrang. Laut Dogan wurden etwa ein Dutzend Tote, darunter Frauen und Kinder, an einem nahe gelegenen Strand gefunden. Dutzende Flüchtlinge konnten demnach gerettet werden, viele mussten mit Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht werden.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur Anadolu waren die Opfer irakische, algerische und syrische Staatsangehörige.

Mehr als zwei Millionen Flüchtlinge in der Türkei

Die Türkei hat nach eigenen Angaben 2,2 Millionen Flüchtlinge allein aus Syrien aufgenommen. Nach Angaben des UNO-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) kamen im vergangenen Jahr mehr als 800'000 Flüchtlinge auf dem Seeweg von der Türkei in das EU-Mitgliedsland Griechenland.

Ende November hatte die Europäische Union mit der Türkei vereinbart, die Grenzen besser zu kontrollieren, um damit die Flüchtlinge an der Weiterreise zu hindern. Nach wie vor wagen diese jedoch die gefährliche Überfahrt nach Griechenland.

Es gibt 25 Flüchtlingslager in der Türkei. Die Mehrzahl der Syrer lebt jedoch ausserhalb der Aufnahmezentren und ist auf sich alleine gestellt. Die schwierigen Lebensbedingungen in der Türkei geben viele Flüchtlinge als Hauptgrund für ihre Migration nach Europa an.

Tote auch an Griechenlands Küsten

Auch in Griechenland starben Flüchtlinge: Die Küstenwache entdeckte innerhalb von 48 Stunden in der Ägäis die Leichen von acht Menschen. Zwei Leichname seien nahe der Insel Ikaria und die anderen zwei vor den Inseln Fournoi und Tinos gefunden worden, teilte die Küstenwache am Dienstag mit.

Bereits am Vortag hatte die Küstenwache vier weitere Leichname nahe der Insel Fournoi entdeckt. Offiziere der Küstenwache glauben, dass die Menschen beim Versuch ertrunken sind, aus der Türkei nach Griechenland überzusetzen.

(kko/afp)