Mubarak-Rücktritt

14. Februar 2011 12:54; Akt: 14.02.2011 13:38 Print

Ägypten, wie weiter?

Nach 30 Jahren Herrschaft zwang das ägyptische Volk seinen Despoten Mubarak zum Rücktritt. Doch welche Kräfte vermochten den raschen Machtumbruch letztendlich herbeizuführen?

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Während 30 Jahren hat Hosni Mubarak ein autoritäres Regime in Ägypten angeführt. Am 11. Februar 2011 trat er angesichts der Massenproteste gegen sein Regime im Zuge des Arabischen Frühlings zurück. Am 2. Juni 2012 ist der Ex-Präsident, der gesundheitlich angeschlagen ist, wegen seiner Rolle bei der blutigen Niederschlagung der Proteste zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Am 29. November 2014 wurde er in einem Berufungsprozess freigesprochen. Mubarak (links) (rechts), der am 6. Oktober 1981 ermordet wurde. Das Bild zeigt die beiden kurz vor dem tödlichen Anschlag. Am 14. Oktober 1981 wurde Hosni Mubarak im ägyptischen Parlament in Kairo Mubarak war ein der USA (Präsident Bill Clinton im Zentrum) und Israels (Jitzhak Rabin, links) für den Frieden im Nahen Osten. Mubarak (rechts) schüttelt die Hand von Palästinenserführer Yassir Arafat nach der Unterzeichnung eines Abkommens im Weissen Haus in Washington, 28. September 1995. Gleichzeitig reparierte er die nach dem Camp-David-Friedensvertrag schwer gestörten hier bei einem Treffen mit dem libyschen Revolutionsführer Muammar al Gaddafi im Oktober 1989. Treffen mit dem irakischen Diktator Mubarak hat viele gesehen. Im Bild mit Ronald Reagan beim Weissen Haus am 4. Februar 1982. Mubarak zu Besuch bei George H. W. Bush am 4. April 1989. US-Präsident George W. Bush zu Besuch bei Mubarak in Scharm el Scheich am 3. Juni 2003. Treffen mit Barack Obama am 1. September 2010. Mubarak mit Ehefrau Suzanne und den Söhnen Gamal (r.) und Alaa sowie dessen Ehefrau Heidi al Sakher. Besonders verhasst ist Gamal Mubarak, den der Präsident angeblich als Nachfolger installieren wollte.

Hosni Mubarak: Das Volk hat ihn in die Knie gezwungen.

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30 Jahre lang wurde Ägypten von Hosni Mubarak und seiner Armee regiert und besetzt. Dann folgten 18 Tage Besetzung durch das Volk. In dieser kurzen Zeit hat das Volk den Machthabenden in die Knie gezwungen. Mubarak floh vor dem Plebiszit der Millionen in seine Villa am Roten Meer. Es gab Tote und Verletzte, doch verglichen mit anderen Volksaufständen war der Blutzoll in Ägypten erstaunlich gering. Was bleibt ist die Frage, welche Kräfte am Werk waren, um diesen schnellen Machtumbruch durchzusetzen?

Ägypten 2.0

Entscheidend zum Erfolg der beinahe friedlichen Revolution hat die junge Generation beigetragen, die mit Handy und Computer die Manifestationen organisierte und innert kürzester Frist hunderttausende Menschen auf die Strassen und Plätze dirigierte. Die jungen Menschen suchen nach neuen Perspektiven jenseits von Misswirtschaft, Korruption und Machtmissbrauch.

Aber auch die Muslimbruderschaft, seit Jahrzehnten offiziell verboten und halb im Untergrund operierend, hat als stärkste Opposition im Land den Aufstand mit voller Kraft vorangetrieben. Für die Muslimbrüder ist offenbar die Stunde gekommen, da sie eine gewichtige Rolle bei der Gestaltung des künftigen Ägypten übernehmen können.

Portrait einer Ausnahmesituation

Ein französisches Kamerateam hat in diesen schicksalsreichen Tagen die Menschen auf der Strasse begleitet – eine junge Frau, einen Cyber-Strategen, einen vermögenden Architekten, einen Propagandisten der Muslimbrüder – und hat ihre Erlebnisse in dieser Ausnahmesituation dokumentiert. Erich Gysling, mit allen Facetten des Nahen Ostens vertraut, kommentiert diese Revolution im Rahmen einer TV-Dokumentation (siehe TV-Tipp).

(rre)