Wachsende Spannungen

23. April 2012 01:27; Akt: 23.04.2012 20:36 Print

Ägypten kündigt Gasabkommen mit Israel

Dem ägyptisch-israelischen Verhältnis droht ein weiterer Rückschlag. Ägyptische Versorger teilten am Sonntag mit, das Gas-Lieferabkommen mit dem Nachbarland aufzukündigen.

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Seit dem Umsturz in Ägypten kommt es immer wieder zu Anschlägen auf die Gas-Pipeline nach Israel. (Bild: Keystone)

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Dem ägyptisch-israelischen Verhältnis droht ein weiterer Rückschlag. Ägyptische Versorger teilten am Sonntag mit, das Gas-Lieferabkommen mit dem Nachbarland aufzukündigen. Der israelische Aussenminister Avigdor Lieberman äusserte sich besorgt über den Gas-Stopp.

«Die einseitige Aufkündigung des Gasabkommens ist kein gutes Zeichen», sagte Lieberman. «Wir hoffen, dass dieser Streit wie jeder andere wirtschaftliche Streit gelöst werden wird.» Lieberman sagte dem israelischen Radio am Montag, die Wahrung der Friedensvereinbarungen von 1979 seien im «nationalen Interesse» beider Länder.

In Ägypten wirft man den Israelis Vertragsbrüchigkeit vor. Der Vertrag mit der East Mediterranean Gas Company (EMG) sei beendet worden, weil vertragliche Vereinbarungen nicht eingehalten worden seien, teilte die nationale Gasgesellschaft im Kairo mit.

Israel sei vor der Kündigung des Liefervertrags fünf Mal darauf hingewiesen worden, dass es seine finanziellen Verpflichtungen nicht erfüllt habe, sagte die ägyptische Ministerin für internationale Zusammenarbeit, Faisa Abul Naga.

Aus dem ägyptischen Ölministerium verlautete indes, die Lieferungen seien auch wegen der häufigen Anschläge auf die Pipeline auf der Sinai-Halbinsel eingestellt worden. Die Gaspipeline von Ägypten nach Israel war seit dem Umsturz in Ägypten mehrfach das Ziel von Sabotageakten vermutlich islamistischer Gruppen.

Engpässe im Sommer befürchtet

Ägypten liefert bislang rund 40 Prozent des israelischen Gasbedarfs. Regierungsvertreter in Jerusalem haben bereits vor möglichen Engpässen bis hin zu Stromausfällen im Sommer gewarnt. Das Gaskonsortium EMG erklärte, es betrachte die Aufkündigung des Abkommens als illegal und verlange eine Rücknahme der Entscheids.

Gegen die Gaslieferungen nach Israel, die unter der Herrschaft des gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak vereinbart worden waren, hatte sich in Ägypten in den vergangenen Monaten zunehmend Widerstand geregt. Viele Ägypter lehnen die Lieferungen grundsätzlich ab, zudem wird der vereinbarte Preis als zu niedrig angesehen.

Friedensabkommen 1979

Das Verhältnis zwischen dem jüdischen Staat und Ägypten hat sich seit dem Sturz Mubaraks massiv verschlechtert. Vor einigen Monaten hatte ein wütender Mob die israelische Botschaft in Kairo gestürmt und eine ernste diplomatische Krise ausgelöst.

Ägypten war der erste arabische Nachbar, der 1979 ein Friedensabkommen mit Israel geschlossen hat. Islamisten in Ägypten haben auch dies schon mehrfach in Frage gestellt.

Das von Islamisten dominierte Parlament in Kairo begrüsste den Lieferstopp «in das zionistische Gebiet». Diese Massnahme spiegele den Volkswillen wider.

Der Stopp der Erdgaslieferungen nach Israel betrifft auch Jordanien, dessen Elektrizitätswerke zu 80 Prozent von ägyptischem Erdgas abhängen. Die Regierung in Amman zeigte sich denn auch besorgt über die instabilen Lieferungen.

(sda)