Mohammed-Film

27. September 2012 05:14; Akt: 27.09.2012 17:43 Print

Ägypten schlägt mit Karikatur zurück

Nicht nur Frankreich und Deutschland schalten sich mit Karikaturen in die weltweiten Proteste um den Mohammed-Schmähfilm ein. Jetzt legt eine ägyptische Zeitung nach und nimmt die USA aufs Korn.

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Retourkutsche mit spitzer Feder: Die Zeitung «Al Watan» zeigt, wie verzerrt der Blickwinkel der USA ist.

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Die ägyptische Zeitung «Al Watan» hat mit eigenen Karikaturen auf die Veröffentlichung von Mohammed-Spottzeichnungen durch die französische Satirezeitschrift «Charlie Hebdo» reagiert. Inmitten der gewalttätigen Proteste in der muslimischen Welt gegen den umstrittenen Mohammed-Schmähfilm solle damit eine «zivilisierte» Antwort gegeben werden, hiess es. «Brandschatzen und morden» sei nicht die richtige Antwort auf Beleidigungen des Islams, sagte am Mittwoch der Redakteur Mohammed El Barguti.

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«Nichts knackt Cartoons besser als Cartoons», sind die zwei Seiten mit den Bildern überschrieben. Auf einem ist unter dem Titel «Westliche Brillen für die islamische Welt» das brennende World Trade Center durch die Gläser einer Brille zu sehen. Ein anderes Motiv zeigt eine Taschenlampe, eingehüllt in die US-Flagge, deren Lichtkegel nur auf einen verärgerten Mann mit Turban und Dolch gerichtet ist - und einen friedlichen Muslim ignoriert.

Proteste in Thailand

Mehrere tausend Muslime demonstrierten am Donnerstag in der ostindischen Metropole Kolkata (früher Kalkutta) gegen den Schmäh- Film «Die Unschuld der Muslime». Ein Polizist sei bei Steinwürfen verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher.

Sicherheitskräfte hätten die Menge davon abgehalten, zum US- Konsulat zu marschieren. Rund 15 000 Menschen hätten an dem Protest teilgenommen. Das US-Konsulat und das amerikanische Kulturinstitut seien wegen des Protests geschlossen geblieben.

In Thailand demonstrierten am Donnerstag etwa 300 Menschen gegen den in den USA produzierten Film. «Richtet die Leute hin, die sich über den Islam lustig machen», skandierten viele der vor der US- Botschaft und der Niederlassung des US-Internetkonzerns Google versammelten Demonstranten. Die Kundgebungen verliefen weitgehend friedlich.

Der in den USA produzierte Film, der den Propheten Mohammed beleidigt und Muslime verunglimpft, hatte vor rund zwei Wochen in der muslimischen Welt zu tagelangen teils gewaltsamen Protesten vor US- und anderen westlichen Einrichtungen geführt.

Bei Ausschreitungen in Libyen, Tunesien, dem Sudan und Pakistan wurden dutzende Menschen getötet. Ausschnitte des Films sind auf Googles Videoplattform Youtube zu sehen.

Google verteidigt sich

Google-Chef Eric Schmidt verteidigte am Donnerstag die Veröffentlichung. Das Video erfülle die Kriterien von Youtube und könne daher verfügbar bleiben, sagte Schmidt in Südkoreas Hauptstadt Seoul. Google sei überzeugt, dass die Antwort auf «schlechte Äusserungen mehr Äusserungen» und nicht Verbote seien.

Angesichts gewaltsamer Proteste gegen den Film hatte Google allerdings auf Antrag von Staaten, in denen das Video gegen Landesgesetze verstösst, den Zugang zum Video blockiert. Unter anderem veranlassten Ägypten, Indien und Saudi-Arabien eine Sperre des Films durch Google. Weitere Länder wie der Sudan und Pakistan blockierten selbst den Zugang.

(sda/ap)