Ägypten

12. Februar 2011 15:54; Akt: 12.02.2011 17:57 Print

Ägyptische Regierung bleibt vorerst im Amt

Einen Tag nach dem Rücktritt von Hosni Mubarak halten Ägyptens neue Herrscher an der bestehenden Regierung fest. Die Opposition hat derweil ein Ende der Proteste auf dem Tahrir-Platz angekündigt.

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19. März: Die Bürgerinnen und Bürger Ägyptens stimmen über Verfassungsänderungen ab, die Parlaments- und Präsidentenwahlen ermöglichen sollen. Die Abstimmung stösst nicht bei allen auf Zustimmung: Ein Jugendlicher protestiert dagegen auf dem Tahrir-Platz, 18. März 2011. 15. Februar: Ein Kommitee wird mit der Erarbeitung der neuen Verfassung beauftragt. Sie soll den Weg für Wahlen frei machen. 14. Februar 2011: Ein Vertreter des Obersten Militärrats ruft die Ägypter dazu auf, die Arbeit wieder aufzunehmen und zum Alltag zurückzukehren. 12. Februar 2011: Am Tag nach dem Rücktritt von Hosni Mubarak feiern die Demonstranten ihren Sieg. Auf den Strassen Kairos zelebrieren die Menschen die neue Ära. Demonstranten räumen den Tahrir-Platz in Kairo, wo sie während 18 Tagen für mehr Demokratie gekämpft hatten. An einem Stein legen die Demonstranten Blumen nieder – in Erinnerung an den Sieg der Strasse. Grenzenloser Jubel am 11. Februar 2011 auf dem Tahrir-Platz in Kairo. Die Demonstranten feiern Mubaraks Rücktritt nach zweieinhalb Wochen langen Protesten in Ägypten. Menschen brechen in Tränen aus. Wildfremde Menschen umarmen sich auf der Strasse in Kairo. Hupkonzerte auf den Strassen Kairos. Der Aufstand hat Wirkung gezeigt: Der verhasste Tyrann ist weg. Ein Kind küsst einen Soldaten: Offiziell hat jetzt ... ... die Armee die Macht über das Land. Tahrir-Platz am 11. Februar: Ein historischer Tag für Ägypten. Die Ägypter und Ägypterinnen im Freudentaumel. Auf dem zentralen Tahrir-Platz, seit Beginn der Proteste am 25. Januar das Herz des Volksaufstands, tanzten und hüpften hunderttausende Regimegegner unter ägyptischen Fahnen, wie Augenzeugen berichteten. Ausserhalb des Präsidentenpalasts in Kairo. Die Ägypter lassen ihrer freude freien Lauf.

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Diese führe die Geschäfte, bis ein neues Kabinett gebildet werde, sagte ein hochrangiger Militärvertreter am Samstag im Staatsfernsehen.

Die Generäle versprachen einen «friedlichen Übergang» zu einer neu «gewählten zivilen» Führung. Zudem erklärten sie, Ägypten werde seine Verpflichtungen aus internationalen Verträgen - darunter auch der Friedensvertrag mit Israel - einhalten.

Die sofortige Auflösung der Regierung war eine Kernforderung der Demonstranten, die auch nach der ersten Begeisterung über Mubaraks Abgang den Druck der Strassenproteste aufrecht erhalten und so den Umbruch vollenden wollen.

Das Militär begann am Nachmittag, die Barrikaden auf dem Tahrir- Platz in Kairo wegzuräumen. Soldaten luden die zu Sperrelementen umfunktionierten Bauzäune auf Lastwagen, berichteten Augenzeugen. Dabei kam es auch zu lautstarken Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Soldaten.

Die Barrikaden waren von den Demonstranten errichtet worden, um während der 18-tägigen Demonstrationen, die zum Sturz von Präsident Mubarak führten, Angriffe des Regimes abzuwehren.

Proteste gehen zu Ende

Die ägyptische Opposition hat einen Tag nach dem Rücktritt Hosni Mubaraks ein Ende der Proteste auf dem Tahrir-Platz in Kairo angekündigt. Sie würden aber zu wöchentlichen Demonstrationen aufrufen, sagten Vertreter der Koalition aus Jugend- und Oppositionsgruppen am Samstag auf einer Pressekonferenz. Damit wollten sie das regierende Militär weiter unter Druck setzen, die geforderten demokratischen Reformen umzusetzen.

Auf der Pressekonferenz machte die Koalition ihre Forderungen geltend, darunter die Aufhebung der Notstandsgesetze, die Auflösung des Parlaments und die Gründung eines Komitees, das mit der Änderung der Verfassung beauftragt werden solle.

Einige Demonstranten, die nicht mit der Koalition in Verbindung stehen, kündigten an, weiterhin auf dem Tahrir-Platz zu campieren. Es war unklar, wann die Gegend in der Innenstadt von Kairo geräumt würde.

(sda)