Zentralafrikanische Republik

05. Mai 2014 15:17; Akt: 05.05.2014 16:38 Print

Ärzte ohne Grenzen helfen nur noch Notfall-Patienten

Mitarbeiter von Ärzte ohne Grenzen werden in Zentralafrika immer wieder angegriffen. Nach einer Attacke mit 16 Toten reduziert die NGO jetzt die Hilfe vor Ort.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) schränkt die medizinische Hilfe in der Zentralafrikanischen Republik ein: In der kommenden Woche würden die Teams ausschliesslich Notfälle behandeln, teilte MSF am Montag mit. Diese Reduktion betreffe alle 13 Projekte im Land sowie die Hilfe für die Flüchtlinge in den Nachbarstaaten Tschad, Kamerun und Kongo.

Auslöser für diese Massnahmen war ein schwerer Angriff auf ein MSF-Spital: Bei dem Massaker in der Stadt Boguila waren am 26. April 16 Zivilisten im Spital getötet worden, darunter drei Mitarbeiter von MSF.

Milizen sollen Übergriffe öffentlich verurteilen

«Wir fordern alle bewaffneten Gruppen und die Übergangsregierung der Zentralafrikanischen Republik dringend auf, diesen entsetzlichen Angriff sofort öffentlich zu verurteilen», sagte Arjan Hehenkamp, Geschäftsführer der niederländischen Sektion von MSF, am Montag an einer Pressekonferenz in Bangui.

«Wir fühlen uns der Bevölkerung weiterhin verpflichtet, aber auch die Konfliktparteien müssen ihrer Verantwortung gerecht werden», fügte er hinzu. Bislang hätten weder Vertreter der bewaffneten Milizen noch die Übergangsregierung der Zentralafrikanischen Republik das Massaker in Boguila deutlich verurteilt, ebenso wenig andere Gewaltakte zuvor.

In den vergangenen 18 Monaten seien Mitarbeiter von MSF wiederholt Opfer von gewalttätigen Angriffen geworden, mehrheitlich in der Präfektur Ouham, in der die Stadt Boguila liegt, klagte MSF. Auch auf Personal der staatlichen Gesundheitseinrichtungen sowie Mitarbeiter anderer humanitärer Organisationen seien gezielt Angriffe verübt worden.

Tausende Tote nach Putsch

In der Zentralafrikanischen Republik hatte das mehrheitlich muslimische Rebellenbündnis Séléka im März 2013 Staatschef François Bozizé gestürzt. Der Putsch riss das Land in eine Spirale der Gewalt zwischen muslimischen und christlichen Milizen, in deren Verlauf bereits tausende Menschen getötet wurden.

Fast eine Million Menschen sind auf der Flucht. Für eine mögliche Annäherung zwischen den verfeindeten Gruppen gibt es bislang keinerlei Anzeichen.

(sda)