Blasphemie in Pakistan

20. August 2012 04:30; Akt: 20.11.2012 12:24 Print

11-Jährige wegen Gotteslästerung angeklagt

Die 11-jährige behinderte Rimsha aus Pakistan könnte mit dem Tode bestraft werden. Sie wird beschuldigt, den Koran verbrannt zu haben. Sogar Präsident Zardari nimmt sich jetzt des Falls an.

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Pakistan hat strenge Blasphemie-Gesetze. Sogar Kinder sind davon nicht geschützt. (Symbolbild)

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Rimsha ist 11 Jahre alt und leidet am Down-Syndrom. Dennoch hat die Polizei das Mädchen am vergangenen Donnerstag mit Verweis auf die umstrittenen Blasphemiegesetze Pakistans festgenommen. Das Kind gehöre der christlichen Minderheit an und stamme aus einem verarmten Vorort Islamabads, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Zeugen hätten angegeben, die 11-Jährige habe vor ihrem Haus Seiten des Koran verbrannt. Sie hätten das Mädchen zur Polizei gebracht, wo es festgenommen wurde.

Eine Untersuchung des Kindes - das Fragen nicht beantworten konnte - habe ergeben, dass es am Down-Syndrom erkrankt sei. Der Sprecher sagte, man untersuche, ob das Mädchen tatsächlich Seiten des Koran verbrannt habe und - falls sich das bewahrheiten sollte - ob das bewusst geschehen sei. Pakistans Präsident Asif Ali Zardari hat eine Untersuchung angeordnet und versprochen, Minderheiten zu schützen.

Aus Angst vor Racheakten von Muslimen sind etwa 900 Christen aus dem Slum Meherabadi geflohen, um an anderen Orten in der Hauptstadt Islamabad Schutz zu suchen. Unter den Geflohenen seien auch Rimshas Eltern. «Dawn» schreibt, dass sie ebenfalls verhaftet wurden. Einer der Ratsherren der muslimischen Gemeinde habe den Christen befohlen, all ihre Sachen bis 1. September zu packen und die Gegend für immer zu verlassen. «Ich glaube nicht, dass irgendjemand nach diesem Vorfall es wagt, hierher zurückzukehren», sagte der Christ Arif gegenüber dem britischen «Guardian». «Die Gegend ist für uns nicht mehr sicher.»

Demonstrationen gegen Christen

Im Slum Meherabadi leben rund 10 Prozent Christen. Die meisten pachten Land von muslimischen Landbesitzern. Die Mehrheit der Christen verrichten hier die schmutzige Arbeit. Seit Monaten ist die Beziehung zwischen den Christen und den Muslimen im Quartier sehr angespannt. Muslime haben sich wegen des Kirchenlärms beklagt, worauf die Predigten eingestellt werden mussten, wie der «Guardian» schreibt. Der Vorfall mit der angeblichen Koranverbrennung von Rimsha hat das Fass jetzt zum Überlaufen gebracht.

Ein Mob von 600 bis 1000 Muslimen demonstrierte spontan gegen Rimsha. Über den eigentlichen Vorfall herrscht Unklarheit. Die Augenzeugen sind sich uneinig, was genau Rimsha verbrannt haben soll. Viele Nachbarn bestreiten, dass das Mädchen am Down-Syndrom leide, wie dies die Medien berichten. Es sei völlig normal.

Harte Strafen möglich

Pakistans umstrittenes Blasphemie-Gesetz ist im Strafgesetzbuch des südasiatischen Landes verankert. Es verbietet die Beleidigung jeder Religion, wird aber in der Praxis bei angeblicher Herabsetzung des Islam angewandt. Die härtesten Strafen können bei der Schändung des Koran (lebenslange Haft) und des Namens des Propheten Mohammed (Todesstrafe) verhängt werden.

Zwar ist in Pakistan nie ein Todesurteil wegen Blasphemie vollstreckt worden, mehrere Angeklagte wurden aber nach ihrer Freilassung gelyncht. Islamisten laufen Sturm gegen Änderungen des Gesetzes, das sie für von Gott gemacht halten. In seiner jetzigen Form wurde es 1986 von Militärdiktator Muhammad Zia ul-Haq eingeführt. Religiöse Minderheiten und liberale Muslime fordern einen besseren Schutz vor Missbrauch des Gesetzes. Minderheiten wie etwa Christen werden überproportional oft angeklagt.

Kritiker ermordet

Im vergangenen Jahr waren der Minister für Minderheiten - der einzige Christ in der Regierung - und der Gouverneur der Provinz Punjab ermordet worden. Beide hatten das Gesetz kritisiert, das oft missbraucht wird, um persönliche Gegner anzuschwärzen.

Für internationale Schlagzeilen sorgte auch der Fall der Christin Asia Bibi. Ihr wird vorgeworfen, sich nach einem Streit abfällig über den Propheten Mohammed geäussert zu haben. Die Landarbeiterin wurde im November 2010 zum Tode verurteilt und sitzt in Haft.

Viele pakistanische Christen sind der Ansicht, der Koran-Vorfall mit Ramsha sei ein Komplott. Wie auch immer; dass die religiösen Spannungen auf dem Buckel eines 11-jährigen Mädchens ausgetragen werden, dass das Mädchen als Sündenbock herhalten muss, sagt vieles über den momentanen Zustand Pakistans.

(kub)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jan am 20.08.2012 07:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mittelalter

    Die ganze Sache ist traurig. Und erinnert mich stark an die Hexen und Kezer jagt von den Christen im Mittelalter. Schuldig bis man seine Unschuld beweisst...

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  • Beobachter am 20.08.2012 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Untergang

    Im Mittelalter wurden bei uns auch Hexen (auch Kinder) verfolgt und ermordet. Aber eben im Mittelalter! Der Islam hat keine Zukunft, er wird seine Anhänger in den Krieg und in den Untergang treiben.

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  • Atheistin am 20.08.2012 06:23 Report Diesen Beitrag melden

    Es ist nunmal so...

    Wo der Islam Staatsreligion und die Sharia das Gesetz ist, haben Andersgläubige (von Muslimen so nett «Ungläubige» genannt) oder Atheisten nichts mehr zu lachen. Frauen und Homosexuelle sowieso nicht. Meldungen wie diese zeigen es immer wieder.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 20.08.2012 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    Der blanke Horror

    Soviel mal zum Thema intoleranz gegenüber Minderheiten und anderen Religionen. Was in solchen Regionen geschieht, ist schon nicht mehr finsteres Mittelalter, sondern Steinzeit. Solange es ein verzerrtes religiöses Denken in solchen Ländern herrscht, wird weder Frieden noch demokratische Züge, Wohlstand , Toleranz u Freiheit ein Wunschkonzert bleiben. Es wird, wenn je überhaupt, noch derart viele Generationen brauchen, bis auch dort menschenwürdigere Zustände einkehren. Mit solchen Verhalten wird nicht Religion gelehrt, sondern im Namen der Religion die Macht missbraucht.

  • Marc am 20.08.2012 17:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vergleich

    Schön das immer die christen als beispiel benutzt werden, welche solche dinge vor jahre mal machten.

  • Christoph am 20.08.2012 17:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gegen jedes Menschenrecht

    Da kann man wieder sehen wie sie anders denkende behandeln... Daran sollten wir denken wenn wieder Forderungen solcher Menschenrechtsverachter hier laut werden!

  • d.h. am 20.08.2012 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    glube ? käuflich !

    würde es allah oder jesus oder wie diese geschichtsfiguren heissen, tatsächlich geben, so hätte dieses mädchen auch diese krankheit nicht. oder ?

  • Hans Müller am 20.08.2012 14:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Religion = Untergang

    Die Religion ist ist das größte Problem überhaupt. Nur Einfluss, Manipulation, Macht, Geld etc. Interessiert die Kirchen. Religionen gehören abgeschafft! Keine Religionen = viel weniger Probleme, weniger Zwischenmenschliche Konflikte, so gut wie kein Krieg mehr.