UNESCO-Bericht

10. Juli 2009 12:41; Akt: 10.07.2009 12:41 Print

Soldaten zerstörten Teile von Babylon

Amerikanische und polnische Soldaten haben in der antiken Ruinenstadt Babylon im Irak Kulturschätze vernichtet. Zu diesem Ergebnis kommen internationale Forscher in einem Bericht für die UNESCO.

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Die Besatzungstruppen hätten zwischen 2003 und 2004 auf dem neun Quadratkilometer grossen Gelände unter anderem Hügel abgetragen, in denen sich noch nicht ausgegrabene Teile der Stadt aus der Perserzeit befanden. Zudem wurden die Drachen des berühmten Ischtar-Tors beschädigt.

«Vermutlich haben die Soldaten auf der Suche nach Souvenirs versucht, Steine herauszubrechen», sagte John Curtis, Konservator des Britischen Museums am Donnerstag in Paris. Auch schwere Militärfahrzeuge richteten erhebliche Schäden an - unter anderem an dem Belag der 2600 Jahre alten Prozessionsroute durch das Ischtartor.

Die Residenz des sagenumwobenen Königs Nebukadnezar II. (etwa 604 bis 562 vor Christus) war von April 2003 bis Dezember 2004 von einem Stützpunkt der Besatzungstruppen umgeben. Ursprünglich richteten ihn die Soldaten ein, um Babylon vor Räubern und Vandalen zu schützen.

Unter Saddam verschandelt

Die UNESCO räumte ein, dass die Schäden in Babylon nicht erst zu Zeiten des Irak-Kriegs entstanden. Grosse Teile des Ischtar-Tores und anderer Bauwerke wurden schon im 19. Jahrhundert in westliche Museen verfrachtet - so auch ins Berliner Pergamon-Museum. Unter dem gestürzten Staatschef Saddam Hussein wurde die antike Stätte durch unsachgemässe Restauration nach UNESCO-Angaben dermassen verschandelt, dass sie vorerst nicht auf die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen werden konnte.

Dies aber bleibt das Ziel für die Zukunft, wie die UNO-Kulturorganisation betonte. Für Archäologen ist Babylon eine der bedeutendsten Städte der Welt. Neben dem 2600 Jahre alten Ischtar-Tor ist sie auch berühmt für die Hängenden Gärten der Semiramis. Diese gehörten zu den Sieben Weltwundern der Antike, sind aber nicht mehr zu lokalisieren. Berühmt ist ferner der biblische Turmbau zu Babel. Dabei handelte es sich nach neueren Forschungen um die Zikkurat der Tempelanlage - ein gewaltiger pyramidenartiger Stufenbau.

(pbl/sda/ap)