Binnenflüchtlinge

27. Juni 2011 21:52; Akt: 27.06.2011 22:18 Print

250 000 Afghanen sind auf der Flucht

von Deb Riechmann, AP - In Afghanistan sind wegen des Krieges in den vergangenen zwei Jahren mehr als eine Viertelmillion Menschen aus ihren Dörfern geflüchtet. Die wenigsten kehren wieder zurück.

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Afghanistan - eine Kriegsgeschichte.

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Die Gewalt in Afghanistan hat nach Angaben einer US-Flüchtlingsorganisation in den vergangenen zwei Jahren mehr als 250 000 Menschen in die Flucht getrieben. Die US-Regierung müsse diese Entwicklung entschärfen und sicherstellen, dass die Regierung in Kabul mehr Verantwortung für den Schutz von Flüchtlingen übernehme, heisst es in einem Bericht von Refugees International, der am (morgigen) Dienstag veröffentlicht werden sollte.

Bei den zunehmenden Militäreinsätzen gegen Aufständische gerieten afghanische Zivilpersonen ins Kreuzfeuer, kritisierte die in Washington ansässige Organisation. Seit Jahresbeginn sind demnach mehr als 91 000 Afghanen aus ihren Dörfern geflüchtet - im gleichen Zeitraum im vergangenen Jahr waren es nur 42 000.

Der verstärkte Einsatz von Luftangriffen der ISAF und afghanischer Einheiten sowie nächtliche Razzien amerikanischer Spezialkräfte «zerstören Häuser, Ernten und grundlegende Infrastruktur, traumatisieren Zivilisten und vertreiben zehntausende Menschen», heisst es in dem Bericht. Allein im Norden Afghanistans haben demnach fast 30 000 Menschen ihre Häuser verlassen, das sind mehr als siebenmal so viele wie im Vorjahr.

Sorge wegen bewaffneten Milizen

Bevor die Militärkampagne in Afghanistan intensiviert worden sei, seien die Einwohner vor der Gewalt geflüchtet und kurz darauf wieder heimgekehrt, erklärte Refugees International. «Jetzt sind die Menschen immer weniger bereit, nach Hause zurückzukehren, weil sie Angst haben, dass ihre Dörfer nicht mehr sicher sind», heisst es in dem Bericht weiter.

Ausserdem verstärkten Milizen vor allem im Norden Afghanistans die Unsicherheit der Bevölkerung. Solche bewaffnete Gruppen hätten sich Berichten zufolge Verbrechen wie Mord und Erpressung schuldig gemacht, erklärte Refugees International. Die Organisation zitierte zudem eine Studie der Vereinten Nationen vom März, in der unter anderem von Bedenken wegen der «schlechten Beaufsichtigung, Rekrutierung, Ausrüstung und Anweisungen» der örtlichen Polizei die Rede ist.

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