Nordkorea

18. März 2010 11:35; Akt: 18.03.2010 11:38 Print

Hinrichtung wegen Währungskrise

Nordkoreas Diktator Kim Jong Il hat einen Sündenbock für die missglückte Währungsreform gefunden: Ein hoher Parteifunktionär wurde exekutiert.

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Die neuen Won-Noten - ihre Einführung geriet zum Debakel. (Bild: Keystone/lee Jin-man)

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Der frühere Finanzchef der kommunistischen Partei in Nordkorea ist einem Medienbericht zufolge wegen der fehlgeschlagenen Währungsreform in dem Land hingerichtet worden. Der 77-jährige Pak Nam Gi sei in der vergangenen Woche von einem Erschiessungskommando getötet worden, meldete am Donnerstag die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf nicht näher genannte Informanten.

Die abgeschottete Diktatur hatte im November eine Währungsreform durchgeführt, um die Inflation und die Ansätze einer freien Marktwirtschaft unter Kontrolle zu bringen. Die Währung Won wurde drastisch abgewertet und die Bevölkerung gezwungen, ihre Ersparnisse im Verhältnis 1:100 umzutauschen, allerdings nur bis zu einem Maximalbetrag von 100 000 Won. Was darüber hinaus gespart worden war, wurde faktisch ausradiert.

Berichte über Unruhen

Die Folgen waren desaströs: die Massnahme verschlechterte die ohnehin prekäre Lebensmittelversorgung weiter, viele Bürger reagierten erzürnt. Im Februar gab es sogar Berichte über Unruhen. Pak leitete das Finanz- und Planungskomitee der Arbeiterpartei, das mit der Währungsreform betraut war. Nun bezahlte er dafür mit seinem Leben mit der Begründung, er habe «vorsätzlich die nationale Wirtschaft ruiniert», so Yonhap.

Beobachter sind überzeugt, dass Pak als Sündenbock über die Klinge springen musste. Die missratene Währungsreform habe den Machtwechsel vom kranken Diktator Kim Jong Il zu seinem jüngsten Sohn Kim Jong Un gefährdet. Es wäre nicht der erste Fall: In den 90er Jahren wurde ein hochrangiger Landwirtschafts-Beamter hingerichtet, als Sündenbock für die katastrophale Hungersnot, die rund zwei Millionen Menschenleben kostete.

(pbl/ap)