UN-Klimakonferenz

16. Dezember 2018 21:23; Akt: 16.12.2018 22:03 Print

15-Jährige rechnet mit Politikern ab

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hat an der UN-Klimakonferenz eine Rede gehalten. Mit klaren Worten richtet sie sich direkt an die Delegierten.

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg rechnet bei einer Rede in Katowice mit den Politikern und Erwachsenen ab. (Video: Youtube)
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Die 15-jährige Schwedin Greta Thunberg ist in den letzten Monaten durch ihren Einsatz für das Weltklima in die Medien geraten. Im August hatte sie beschlossen, die Schule zu schwänzen, bis ihr Land ihre Ziele für das Pariser Klimaabkommen erfüllt. Wochenlang demonstrierte Thunberg meistens Freitags vor dem schwedischen Parlament. Sitzend und mit einem Plakat auf dem stand «Schulstreik für das Klima».

Nun hat sich die 15-Jährige während des UN-Klimagipfels in der polnischen Stadt Katowice direkt an die Delegierten gerichtet. «Seit 25 Jahren haben unzählige Menschen in den Weltklimagipfeln die Führer unserer Staaten gebeten, die Emissionen zu stoppen. Das hat offensichtlich nichts gebracht.» Thunberg wird noch deutlicher: «Das einzig Vernünftige wäre, die Notbremse zu ziehen, doch ihr seid nicht einmal erwachsen genug, um die Wahrheit zu sagen», wirft sie den Politikern bei ihrer Rede in Polen auf dem Gipfel vor.

15-Jährige rechnet mit Politikern ab

Thunberg machts vor

Dem Beispiel der jungen Schwedin sind viele weitere Schüler gefolgt. Weltweit wird der Protest unterstützt. In Berlin etwa versammelten sich am Freitag etwa 60 bis 80 Schülerinnen und Schüler vor dem deutschen Bundestag unter dem Motto «Wir streiken, bis Ihr handelt!». Umweltverbände unterstützten die Aktionen.

Besonders viele Unterstützer finden sich in Australien, wo Tausende von Schülern auf die Strasse gingen. Dies weil Australien zu den Ländern mit der schlechtesten CO2-Bilanz der Welt gehört.


Uno-Gipfel billigt Regeln zum Klimaschutz

Der Weltklimagipfel hat nach zwei Wochen zäher Verhandlungen ein umfassendes Regelwerk zum Klimaschutz beschlossen. Es soll helfen, die Erderwärmung und ihre fatalen Folgen wie Dürren, Stürme, Starkregen und Überschwemmungen einzudämmen.

Das von 196 Staaten und der EU gebilligte Dokument legt fest, dass alle Länder regelmässig berichten müssen, wie viel Treibhausgase sie ausstossen und was sie dagegen tun.

Uno-Generalsekretär António Guterres sprach in der Nacht zum Sonntag von einem «soliden» Ergebnis, mahnte aber zu mehr Ehrgeiz beim Klimaschutz. Er lud für September zu einem grossen Uno-Treffen ein, bei dem die Staats- und Regierungschefs Farbe bekennen sollen.

«Das ist ein historischer Moment»

Als Konferenz-Präsident Michal Kurtyka am Samstagabend die Einigung mit einem Hammerschlag verkündete, gab es im Plenum Applaus und Jubelrufe. «Das ist ein historischer Moment», sagte Kurtyka. Die 24. Uno-Klimakonferenz in Kattowitz hätte eigentlich am Freitag enden sollen. Wegen fortbestehender Streitpunkte verzögerte sich der Abschluss aber mehrmals.

Das gut 130 Seiten starke Regelbuch setzt das als historisch eingestufte Pariser Klimaabkommen von 2015 praktisch um. Ziel ist, die Erderwärmung auf unter zwei Grad gegenüber der vorindustriellen Zeit zu begrenzen.

Dafür muss der Ausstoss von Treibhausgasen etwa aus der Verbrennung von Kohle und Öl in den kommenden Jahren drastisch reduziert werden. Schon jetzt hat sich Erde nach Befunden des Weltklimarats IPCC um etwa ein Grad erwärmt.

Vergleichbarkeit und Transparenz

Vergleichbarkeit und Transparenz sind wichtig, da das Pariser Abkommen auf gegenseitigem Vertrauen beruht. Es gibt keine Sanktionen, wenn Länder nicht vorankommen. Vor allem der Gruppendruck soll alle auf Kurs halten.

Umweltverbände zeigten sich in der Nacht zum Sonntag unzufrieden und forderten mehr Klimaschutz und Solidarität mit armen Ländern. Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan wies darauf hin, dass etwa ganzen Nationen das Versinken im Meer und damit die «Auslöschung» drohe. «Ein Jahr voller Klima-Katastrophen und eindringliche Warnungen der besten Wissenschaftler weltweit hätten zu viel mehr führen sollen.»

Aus Sicht der Schweiz ausreichend

Insgesamt wurden 20 Beschlüsse und Richtlinien verabschiedet, welche die Umsetzung des Klimaschutzabkommens von Paris präzisieren. Nach Einschätzung der Schweizer Delegation ist das Regelwerk ausreichend, um die für eine wirksame Umsetzung des Pariser Klima-Abkommens notwendige Transparenz sicher zu stellen, teilte das Bundesamt für Umwelt (Bafu) am Samstagabend mit.

Die Schweizer Delegation ist mit den Beschlüssen insgesamt zufrieden aber nicht euphorisch, wie Delegationsleiter und Botschafter Franz Perrez auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA erklärte.

Perrez begrüsste ausdrücklich, dass für die Klärung der Emissionsreduktionen für alle Länder rechtlich verbindliche Regeln hätten verabschiedet werden können, an die sich sowohl die grossen Wirtschaftsnationen wie auch die Schwellenländer halten müssten. «Das ist ein grosser Erfolg». Zudem seien in Bezug auf die technische Überprüfung äusserst praktikable Regeln gefunden worden.

Keine Einigung beim Emissionshandel

Nicht einigen konnten sich die Staaten hingegen bei dem für die Schweiz wichtigen Thema der Emissionsverminderungen im Ausland. Hierfür wurden keine Regeln verabschiedet, da Brasilien einem Ausschluss der Doppelzählung von Emissionsminderungen nicht zustimmte und sich damit einem zentralen Grundsatz des Pariser Abkommens widersetzte.

«Aus unserer Sicht ist es aber gut, dass hierzu letztlich kein statt ein schlechter Beschluss gefällt wurde, da die Regeln Jahrzehnte in Kraft bleiben», sagte Perrez.

Mit dem Ergebnis der Konferenz in Kattowitz lässt sich nach Meinung des WWF gut arbeiten. Ausgerechnet das Kapitel zum umstrittenen Handel mit Klimazertifikaten bleibe jedoch offen, teilte die Umweltorganisation mit. Die Schweiz setze als eines von wenigen Ländern sehr stark auf diese Zertifikate, statt den Erdöl- und Erdgasverbrauch im eigenen Land zu reduzieren.

Die Zeit drängt

Die Jahre 2015 bis 2018 waren nach Analysen der Weltwetterorganisation in Genf die vier wärmsten seit Beginn der Aufzeichnungen im 19. Jahrhundert. Und die 20 wärmsten lagen in den vergangenen 22 Jahren. Geht es weiter wie bisher, leben wir Ende dieses Jahrhunderts wohl in einer gut drei Grad wärmeren Welt.

Strittig waren in Kattowitz auch Fragen rund um Finanzhilfen der reicheren Länder für die ärmeren. Beschlossen wurde nun: Die Geberländer müssen künftig zwar allgemein angeben, welche Hilfen sie geben wollen.

Der nächste Uno-Klimagipfel tagt in Chile, und zwar nach Angaben des dortigen Umweltministeriums entweder im Dezember 2019 oder im Januar 2020.

(kat/sda/afp)