Libyen

23. Mai 2011 18:12; Akt: 23.05.2011 22:07 Print

Kampfhelikopter - und bald Bodentruppen?

Frankreich und England wollen beim internationalen Militäreinsatz gegen das Gaddafi-Regime in Libyen auch Kampfhelikopter einsetzen. Das könnte der Auftakt für den Einsatz von Bodentruppen sein.

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Kampfhelikopter «Tigre», der in Libyen zum Einsatz kommen soll. (Bild: AFP)

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Der Helikopterträger «Tonnerre» sei bereits am vergangenen Dienstag aus dem südfranzösischen Toulon in Richtung libysche Küste in See gestochen, schrieb die Zeitung «Figaro» im Internet.

Der französische Aussenminister Alain Juppé bestätigte, dass man Helikopter vom Typ «Tigre» und «Gazelle» schicke. Über die Zahl schwieg er sich aus. Der Einsatz sei von der UNO-Resolution zum Schutz von Zivilpersonen gedeckt, sagte Juppé am Montag in Brüssel.

Die Helikopter sollen laut «Figaro» bereits in den kommenden Tagen in Libyen zum Einsatz kommen. Laut Juppé sollen die Helikopter «präzisere» Angriffe in Städten erlauben. Dort können die Kampf-Jets der NATO kaum operieren.

Nach französischen Angaben will auch Grossbritannien beim NATO- Militäreinsatz gegen Libyen Kampfhelikopter einsetzen. Der NATO stehen für Luftangriffe 200 Flugzeuge zur Verfügung. Kampfhubschrauber hat das Militärbündnis seit dem Beginn der Angriffe am 19. März noch nicht eingesetzt.

Strategische Wende

Es handele sich um einen grossen strategischen Schritt im seit Mitte März dauernden Einsatz, berichtete die Zeitung. Bislang waren bei der Militäraktion, deren Führung die NATO Anfang April übernommen hatte, über libyschen Gebiet nur Kampfflugzeuge und Marschflugkörper eingesetzt worden.

Mit dem von einem UNO-Mandat gedeckten Einsatz soll die libysche Bevölkerung vor Angriffen des Regimes von Machthaber Muammar al-Gaddafi geschützt werden. Militärexperten hatten jedoch gewarnt, dass Gaddafis Truppen, die häufig auch zivile Fahrzeuge nutzen und in kleineren Einheiten operieren, mit reinen Luftschlägen kaum zu bekämpfen seien.

Bald Bodentruppen?

«Der Einsatz der Helikopter von der «Tonnerre» ist der Weg, um den Boden zu erreichen», zitierte «Le Figaro» aus informierten Kreisen. Nach Angaben von Militärexperten sei der Einsatz der Hubschrauber nur in einem Bodenkampf sinnvoll und könnte den Druck auf Machthaber Muammar al Gaddafi erhöhen. Dadurch würden die Chancen erhöht, den Aufständischen den entscheidenden militärischen Vorteil gegen die Truppen des Regimes zu verschaffen.

Ziel sei es, den Einsatz bis Ende Juli zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen, noch bevor der Fastenmonat Ramadan beginne und hohe Temperaturen die militärischen Operationen in dem nordafrikanischen Land weiter erschweren würden.

Libysche Opposition strikt gegen Bodeneinsatz

Allerdings will die libysche Opposition nach eigenen Angaben «niemals» einen Bodeneinsatz der NATO in dem nordafrikanischen Land zulassen. Die Luftangriffe der Allianz gegen Stellungen der Truppen von Machthaber Gaddafi seien aber richtig, sagte der Oppositionsvertreter und frühere Aussenminister Abdul Rahman Schalkam am Montag bei einem Besuch in Moskau nach Angaben der Agentur Interfax.

Eine Waffenruhe mit Gaddafi schloss Schalkam nach monatelangen schweren Kämpfen weiter aus. «Wir bekämpfen nicht unser Volk, es ist Gaddafi, der unser Volk tötet», sagte der Gesandte des nationalen Übergangsrats. «Deshalb sollte Gaddafi das Feuer einstellen und abtreten.»

(ast/sda/ap)