Chronologie

27. November 2008 15:39; Akt: 28.11.2008 11:16 Print

Die Blutspur des Terrors in Indien

Seit Jahren verübten militante Islamisten regelmässig schwere Terroranschläge in Indien. In Mumbai ist eine Beteiligung von Al Kaida wahrscheinlich, doch das Problem ist in erster Linie hausgemacht.

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In konzertierten Angriffen der bisher unbekannten Gruppe «Deccan Mujahideen» werden an mindestens zehn Orten, darunter zwei Luxus-Hotels, mindestens 101 Menschen getötet und etwa 300 verletzt. Bei einer Serie von 18 Terroranschlägen werden in Assam etwa 60 Menschen getötet und Hunderte verletzt. Bei einem Bombenanschlag auf ein Ausbildungszentrum der Polizei werden im nordostindischen Unionsstaat Manipur 17 Menschen getötet und 14 weitere verwundet. Eine auf einem gemieteten Velo platzierte Bombe verletzt auf einem Marktplatz acht Menschen. Bei einem Bombenanschlag auf einem Marktplatz sterben fünf Menschen. Ein 15-jähriger Junge stirbt, als auf einem Markt in der Stadt Modasa ein Sprengsatz explodiert. Weitere 15 Menschen werden mit Verletzungen in Krankenhäuser gebracht. In Neu Delhi explodieren mindestens fünf Bomben in Einkaufszentren. 21 Menschen werden getötet, 100 weitere erleiden Verletzungen. Nach Polizeiangaben werden zeitgleich fünf Bomben an verschiedenen Stellen gezündet. Viele Menschen werden verletzt, nach offiziellen Angaben gibt es 26 Tote. 16 kleinere Sprengsätze detonieren in Ahmedabad und töten 57 Menschen. Eine Serie von Bombenanschlägen erschüttert die IT-Metropole Bangalore, Hauptstadt von Karnataka. Bei den acht Anschlägen gibt es ein Todesopfer zu beklagen. Sieben Bomben explodieren auf Märkten und vor Hindu-Tempeln in Jaipur. 68 Menschen werden getötet. Drei Explosionen in einem Park und einem Lebensmittelstand töten 42 Menschen. Zwei Bomben reissen einen Zug auf dem Weg von Indien nach Pakistan in Stücke. Feuer bricht aus, 66 Menschen kommen ums Leben. Bei einer Serie von Anschlägen im Westen Indiens kommen 40 Menschen ums Leben, darunter viele Muslime. Über 100 werden verletzt. Die Behörden verhängten ein Ausgehverbot. In Zügen und an Bahnhöfen explodieren acht Bomben, 209 Menschen werden getötet. Bei Anschlägen auf einen Bahnhof und einen Tempel in der Stadt Varanasi kommen 21 Menschen ums Leben. Drei Bomben explodieren auf Märkten in Neu Delhi am Vortag des hinduistischen Feiertags Diwali. 61 Menschen werden getötet. Beim «Gateway of India» explodieren fast zeitgleich zwei Autobomben, 46 Menschen sterben. Bewaffnete Männer verüben in einem Hindu-Tempel ein Massaker. 34 Menschen werden getötet und über 100 verletzt.

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Schon vor zwei Wochen kursierten in Indien gemäss «NZZ Online» Gerüchte über einen massiven Anschlag unter Beteiligung des Terrornetzwerks Al Kaida. In Mumbai wurden Amerikaner und Briten ins Visier genommen, was für eine solche Verbindung sprechen würde. Doch die Hintergründe des islamistischen Terrorismus in Indien sind komplex. Sie basieren auf den seit langer Zeit bestehenden Spannungen zwischen Hindus und Muslimen auf dem Subkontinent.

Im Zentrum steht die mehrheitlich von Muslimen bewohnte indische Provinz Kaschmir. Drei Kriege haben die beiden Erzfeinde Indien und Pakistan bislang um die Himalayaregion geführt. In letzter Zeit aber gab es Anzeichen für eine deutliche Entspannung. Im Oktober wurde eine seit Jahrzehnten geschlossene Handelsroute in Kaschmir geöffnet, und der neue pakistanische Präsident Asif Ali Zardari macht sich wie keiner seiner Vorgänger für eine Annäherung der beiden Staaten stark.

Beobachter wie CNN-Korrespondentin Christiane Amanpour glauben, dass der Terror von Mumbai in erster Linie diese Entwicklung torpedieren soll. Die Hintermänner werden denn auch bei der aus Pakistan operierenden Gruppe Lashkar-e-Toiba vermutet, und die Attentäter sollen ebenfalls aus Pakistan gekommen sein, berichtete die «Times of India» mit Berufung auf Behördenangaben.

Eine Chronologie der schwersten Anschläge der letzten Jahre in Indien:

30. Oktober 2008: Bei der bislang schwersten Bombenserie im Nordosten Indiens sterben im Bundesstaat Assam mehr als 80 Menschen. Sicherheitskräfte vermuten Separatisten und muslimische Extremistengruppen hinter dem Anschlag.

13. September 2008: In der Hauptstadt Neu Delhi explodieren sechs Bomben an verschiedenen Orten, 26 Menschen kommen ums Leben.

26. Juli 2008: 57 Menschen werden getötet und mehr als 150 verletzt, als in der westindischen Millionenmetropole Ahmedabad kurz hintereinander 20 Bomben explodieren.

13. Mai 2008: Bei einem Terrorangriff in der nordwestindischen Touristenmetropole Jaipur sterben 68 Menschen, 118 werden verletzt. Innerhalb weniger Minuten waren im Zentrum der Hauptstadt des Bundesstaates Rajasthan acht Bomben detoniert.

25. August 2007: In der südindischen Millionenstadt Hyderabad werden bei zwei Anschlägen 42 Menschen getötet und 50 weitere verletzt. In einem Strassenrestaurant und bei einer Lasershow in einem Stadtpark waren zwei Bomben explodiert.

19. Februar 2007: Einem Terroranschlag auf einen Schnellzug fallen 69 Menschen zum Opfer. 60 Passagiere werden bei der Explosion von zwei Brandbomben in dem auch «Friedenszug» genannten Express von Neu Delhi in die pakistanische Stadt Lahore verwundet.

8. September 2006: Bei zwei verheerenden Bombenanschlägen auf Teilnehmer eines muslimischen Festes sterben im westindischen Bundesstaat Maharashtra 40 Menschen. Mehr als 100 tragen teils schwere Verletzungen davon.

11. Juli 2006: In der westindischen Millionen-Metropole Mumbai explodieren in voll besetzten Vorortzügen und auf Bahnhöfen sieben Bomben. Bei der Anschlagsserie kommen 209 Menschen ums Leben. Mehr als 700 werden verletzt.

7. März 2006: 21 Todesopfer fordert die Explosion von drei Bomben in Varanasi, der heiligsten Stadt des Hinduismus. Ziel sind unter anderem ein Tempel und der Bahnhof.

29. Oktober 2005: Drei Tage vor dem populären Hindu-Lichterfest Diwali werden bei einer Bombenserie in der Hauptstadt Neu Delhi 61 Menschen getötet und mehr als 250 verletzt.

25. August 2003: Zwei Bombenexplosionen in Mumbai töten 46 Menschen. Einer der Sprengsätze explodiert beim Gateway of India, einem Wahrzeichen der Stadt.

24. September 2002: 34 Menschen sterben bei einem Massaker im Akshardham-Tempel in Gandhinagar, der Hauptstadt des Bundesstaats Gujarat, die nach Mahatma Gandhi benannt wurde.

(pbl/kle)