Razzia in Paris

09. September 2016 20:05; Akt: 09.09.2016 20:36 Print

19-Jährige war mit zwei IS-Attentätern verlobt

Eine der Frauen, die nach dem Gasflaschenfund in Paris verhaftet wurden, war sowohl mit dem Attentäter von Magnanville, als auch mit dem von Saint-Etienne verlobt.

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Anschlag vereitelt: Dieses Auto entdeckte die Polizei in der Nähe der Kathedrale Notre-Dame. (4. September 2016) (Bild: AFP)

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Nach dem Fund verdächtiger Gasflaschen in Paris haben die Behörden bei den festgenommenen Frauen Hinweise zur Terror-Miliz Islamischer Staat gefunden. Die 19-Jährige habe den islamistischen Extremisten in einem Dokument in Besitz der Behörden die Treue geschworen, sagte ein Sicherheitsbeamter. Die Verdächtigen seien von IS-Kommandeuren in Syrien angeleitet worden, sagte der Pariser Staatsanwalt François Molins am Freitag.

Die 19-Jährige und zwei weitere Frauen waren nach einer Konfrontation mit der Polizei am Donnerstagabend in Boussy-Saint-Antoine südlich von Paris festgenommen worden, die 19-Jährige wurde dabei am Bein verletzt.

Verhaftete war mit zwei Extremisten verlobt

Eine der festgenommenen Frauen war separat mit zwei französischen Extremisten verlobt, die in diesem Jahr tödliche Anschläge verübten, so Molins. Die Verdächtige sei unter anderem mit Larossi Abballa verlobt gewesen, der im Juni in Magnanville zwei Polizeibeamte tötete und anschliessend bei einer Polizeirazzia ums Leben kam. Ausserdem sollte die Frau demnach Adel Kermiche heiraten, der im Juli einen französischen Priester ermordete. Der derzeitige Verlobte der Frau sei am Donnerstag festgenommen worden, sagt der Staatsanwalt.

Die Sicherheitsvorkehrungen in Bahnhöfen rund um Paris waren heute sichtbar höher, während die Behörden die Ermittlungen nach dem Fund vom Sonntag ausweiteten. Die vollen Kanister waren in einem Auto ohne Kennzeichen nahe der Kathedrale Notre-Dame entdeckt worden. Seitdem nahm die Polizei sieben Menschen in Gewahrsam, fünf Frauen und zwei Männer.

«Wettlauf gegen die Zeit»

Bei der Festnahme der drei Frauen am Donnerstagabend hatte eine von ihnen ein Messer gezückt und auf einen Geheimdienstbeamten eingestochen. Der Mann wurde mit einer Wunde an der Schulter in ein Krankenhaus gebracht. Die verdächtigen Frauen seien 39, 23 und 19 Jahre alt.

Mit dem Zugriff in Boussy-Saint-Antoine vereitelte die Polizei offenbar einen erneuten Anschlag in Paris. Die drei Frauen seien in einem «wahren Wettlauf gegen die Zeit» gefasst worden, sagte Innenminister Bernard Cazeneuve vor Reportern. Das «radikalisierte, fanatische» Trio habe vermutlich Gewaltakte geplant, die unmittelbar bevorgestanden hätten, sagte er.

Der Vater ging zur Polizei

Zwei Beamte teilten später mit, bei der 19-Jährigen handele es sich um die Tochter des Besitzers des nahe Notre-Dame zurückgelassenen Autos. Dieser sei zur Polizei gegangen und habe erklärt, dass seine Tochter sich radikalisiert habe und vermisst werde. Der Vater wurde vorübergehend festgenommen und dann wieder freigelassen.

Ein Auto ohne Nummernschilder war am Sonntagmorgen in der Nähe der Kathedrale entdeckt worden. Die Polizei fand fünf volle Gasflaschen im Kofferraum sowie eine leere auf einem der Sitze. Zudem wurden drei Dieselbehälter und Dokumente mit arabischer Schrift in dem Fahrzeug entdeckt. Die Staatsanwaltschaft leitete Terror-Ermittlungen ein.

Vier weitere Personen in Verbindung zu Islamisten

Erst am Mittwoch war in der Region Loiret südlich von Paris ein Paar – ein 27-jähriger Mann und eine 26-jährige Frau – im Rahmen der Ermittlungen zum Gasflaschenfund festgenommen worden, wie die Staatsanwaltschaft von Paris am Donnerstag mitteilte. Ein zweites Paar – ein 34 Jahre alter Mann und eine 29 Jahre alte Frau – war bereits am Dienstag in dem Fall festgenommen worden. Die vier Personen stünden unter dem Verdacht, Verbindungen zum «radikalen Islamismus» zu haben, teilte das Büro der Staatsanwaltschaft mit.

Bei den beiden Männern soll es sich um Brüder handeln. Sie und die zwei Frauen wurden den Angaben zufolge für ein Verhör nach Paris verlegt. Die beiden Paare hatten zuletzt in der Region Loiret in der Gegend um die Stadt Montargis gewohnt.

Laut Hollande wurde eine Gruppe zerschlagen

Im Zusammenhang mit dem Gasflaschenfund in Paris ist nach Angaben von Präsident François Hollande ein Anschlag vereitelt worden. Hollande sagte in Athen nach der Bekanntgabe weiterer Festnahmen, eine Gruppe sei zerschlagen worden.

In Frankreich gilt nach einer Serie von Terroranschlägen mit islamistischem Hintergrund der Ausnahmezustand. Die Massnahme erlaubt es den Behörden, Terrorverdächtige für bis zu vier Tage ohne Anklage festzuhalten.

Erst am 13. Juni wurden bei einem Terroranschlag in Magnanville im französischen Département Yvelines zwei Polizeiangehörige ermordet. Der Attentäter Larossi Abballa wurde ebenfalls getötet. Am 26. Juli 2016 wurde in der Stadt Saint-Étienne-du-Rouvray in der Normandie ein Priester während der Messe von zwei IS-Attentätern ermordet.

(pat/mch/afp)