Zehn Jahre danach

11. September 2011 22:28; Akt: 12.09.2011 04:51 Print

Bewegendes Gedenken am Jahrestag

Zehn Jahre nach den Anschlägen vom 11. September 2001 haben die USA in mehreren emotionalen Zeremonien am Ground Zero in New York, in Washington und Shanksville an die fast 3000 Getöteten erinnert.

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Das Gedenken an die Opfer der Terroranschläge vom 11. September 2001 hat am Sonntag Menschen auf der ganzen Welt für einen Moment innehalten lassen. Vor zehn Jahren wurden fast 3000 Menschen aus mehr als 90 Ländern getötet, als Terroristen Passagierflugzeuge entführten und in die beiden Türme des World Trade Centers in New York und in das Pentagon in Washington steuerten. Ein viertes entführtes Flugzeug wurde von den Passagieren in der Nähe von Shanksville in Pennsylvania zum Absturz gebracht, bevor es sein Ziel erreichen konnte.

Bei der Gedenkfeier am Ground Zero in New York verharrten US-Präsident Barack Obama und sein Vorgänger George W. Bush schweigend, als zwei Mal eine Glocke zu der Uhrzeit erklang, als vor zehn Jahren das erste Flugzeug in das World Trade Center (WTC) in Manhattan einschlug. Obama las einen Psalm und Bush las aus einem Brief aus der Zeit des Bürgerkriegs von Präsident Abraham Lincoln an eine Mutter, die alle ihre fünf Söhne verlor.

Zu getragenen Cello-Klängen von Yo Yo Mo kamen dann Angehörige der Opfer auf die neu gestaltete Memorial Plaza auf dem früheren Gelände des WTC. Auch die Sänger James Taylor und Paul Simon trugen mit «You Can Close Your Eyes» und «The Sound of Silence» zu der Feier bei. Im Mittelpunkt stand in New York aber die Verlesung der Namen der Opfer, die bei den Terroranschlägen auf das WTC ums Leben kamen.

Obamas Kranz für die Gefallenen

1600 Menschen, darunter 1200 Angehörige der 125 Opfer im Pentagon, nahmen an der Trauerfeier in Washington teil. Auch US-Vizepräsident Joe Biden, Verteidigungsminister Leon Panetta und Generalstabschef Admiral Mike Mullen waren anwesend. Zum Zeitpunkt des Einschlags des Flugzeugs um 09.37 Uhr (15.37 Uhr MESZ) sang nach einer Schweigeminute ein Marinechor «Amazing Grace».

Fast 5000 Menschen wohnten der Verlesung der Namen der 40 Passagiere und Crewmitglieder bei, die an Bord des entführten Flugs 93 auf einem Acker nahe der Stadt Shanksville in US-Staat Pennsylvania den Tod fanden. US-Präsident Obama legte einen Kranz nieder und besuchte die aus 40 Marmorblöcken bestehende Gedenkstätte. Auf jedem der Marmorblöcke ist ein Name eines der Opfer eingelassen. Von Shanksville kehrten Obama und seine Frau Michelle nach Washington zurück, um an einer Gedenkstätte am Pentagon einen Kranz niederzulegen.

Bereits am frühen Sonntagmorgen (MESZ) gab es erste Gedenkfeiern im Pazifikraum. Politiker und Angehörige der Toten versammelten sich in New Plymouth in Neuseeland zu einem Gottesdienst. Auch in Malaysia und Australien gedachten Familien ihrer Angehörigen, die bei den Anschlägen getötet wurden. In Tokio verharrten Trauernde vor einem Stück Stahl von Ground Zero in Erinnerung an 23 Bankangestellte, die bei den Anschlägen ihr Leben verloren. Papst Benedikt XVI. betete am Sonntag zum Abschluss eines Gottesdienstes in Ancona für die Opfer der Terroranschläge und ihre Angehörigen.

Verschwörungstheorien leben weiter

Zum zehnten Jahrestag der Terroranschläge lebten aber auch Verschwörungstheorien wieder auf. Der malaysische Ministerpräsident Mahathir Mohammed schrieb in seinem Blog, arabische Muslime könnten solche Anschläge gar nicht planen.

In Pakistan protestierten radikale Muslime gegen das Gedenken an die Anschläge. In Afghanistan erklärten die radikalislamischen Taliban, sie hätten mit den Anschlägen nichts zu tun gehabt. Der US-Kolonialismus habe aber zehntausende arme und unschuldige Afghanen das Leben gekostet.

Terrorwarnung sehr ernst genommen

Auch wegen solcher Stimmungen nimmt die US-Regierung jüngste Terrorwarnung im Zusammenhang mit dem zehnten Jahrestag der Anschläge sehr ernst. Die letzten Informationen über eine Verschwörung der Terrorgruppe Al-Kaida seien sehr genau und stammten aus einer glaubwürdigen Quelle, sagte der Berater von Präsident Obama für die Terrorabwehr, John Brennan. Hinweise darauf, dass Personen mit Verbindungen zur Al-Kaida tatsächlich in die USA gelangt sind, gibt es aber offenbar nicht.

(sda/ap)