Quarantäne in Mazedonien

10. Oktober 2014 22:39; Akt: 10.10.2014 22:39 Print

20 Gäste müssen in Ebola-Hotel ausharren

In Mazedoniens Hauptstadt werden 24 Personen in einem Hotel festgehalten. Dort logierte auch der angeblich an Ebola erkrankte Brite Colin J. Er ist gestern gestorben.

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Ein ganzes Hotel steht in der mazedonischen Hauptstadt Skopje unter Quarantäne: 20 Gäste und vier Mitarbeiter stehen derzeit im Hotel «Super 8» unter ständiger ärztlicher Überwachung. Hier hatte auch der Brite Colin J.* logiert. Er war am Donnerstag gestorben. Zuvor war er unter Ebola-Verdacht mit Fieber, Erbrechen und inneren Blutungen ins staatliche Spital eingeliefert worden.

Zwei Epidemiologen, also Forscher für ansteckende Krankheiten, betreuen die 24 eingeschlossenen Personen. Die Gäste – Briten, Holländer, Albaner, Deutsche und Türken – sollen mindestens für drei Tage unter Quarantäne bleiben, während die Blutproben des verstorbenen Patienten in einem Labor in Deutschland untersucht werden.

Polizisten bewachten das Hotelgebäude, schreibt das mazedonische Blatt «MK». Alle Eingänge zum Hotel wurden in der Nacht auf Freitag abgeriegelt.

Beruhigungsmittel für die Gäste

Die Gäste zeigten bislang keine Ebola-Symptome, meldet das Portal «zdravstvo24.mk». Viele von ihnen seien verärgert, dass sie das Hotel nicht verlassen dürfen. Die Ärzte hätten ihnen darum Beruhigungsmittel verabreicht.

In Skopje wurden inzwischen weitere Sicherheitsmassnahmen getroffen. Die Ambulanz, die den Briten vom Hotel in das Spital transportiert hatte, darf solange nicht genutzt werden, bis nicht geklärt ist, woran der 58-jährige J. starb. Notfallärzte und Pfleger – rund zehn Personen – die den britischen Patienten behandelten, sind ebenfalls unter Quarantäne gestellt worden.

Patient litt an heftigen Magenschmerzen

Colin J. aus Cambridge war am 2. Oktober zusammen mit seinem Geschäftspartner Michael I.* in Skopje angekommen. Der Unternehmer habe zwei Tage lang an heftigen Magenschmerzen gelitten, erzählt I. der Zeitung «Daily». Sein Kollege habe anfänglich etwas Fieber und wenig Appetit gehabt, sagt I. «Er wollte aber nicht zum Arzt gehen.» Die beiden hatten vereinbart, sich am Donnerstagmittag in der Hotellobby zu treffen. «Colin kam nicht. Ich rief ihn an, und da sagte er mir, dass er hohes Fieber habe. Als ich ihn sah, zitterten seine Hände.»

I. glaubt nicht, dass sein Geschäftspartner an Ebola gestorben sei. Das letzte Mal, dass sich J. in Afrika aufgehalten habe, sei vor sechs Jahren gewesen. Der 72-jährige I. bestreitet jedoch Mutmassungen der britischen Presse, wonach J. an den Folgen seiner Alkoholsucht gestorben sei. J. sei zwar Alkoholiker gewesen. «Er hatte aber in den letzten Tagen nicht viel getrunken.»

I. befindet sich ebenfalls unter Beobachtung. Gegenüber mazedonischen Medien zeigte sich der Mann frustriert: «Ich hätte am Freitag zurück nach England reisen sollen.»


So sieht es im Inneren des Hotels Super 8 aus. (Video: YouTube/HOTEL PROMOTIONS)

* Name der Redaktion bekannt

(kle)