«Naksa-Tag»

05. Juni 2011 11:27; Akt: 05.06.2011 20:00 Print

20 Tote auf den Golanhöhen

Palästinensische Demonstranten haben die syrischen Grenze zum israelisch besetzten Golan gestürmt. Es wurden blutige Proteste, mindestens 20 Demonstranten sind von israelischen Soldaten getötet worden.

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Demonstranten schwenken Fahnen an der Grenze zu Golan. (Bild: AFP)

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Israelische Soldaten haben nach Berichten des syrischen Fernsehens auf den Golanhöhen 20 Demonstranten getötet. 325 weitere Menschen seien verletzt worden, als diese versuchten eine Sperranlage zu stürmen, hiess es am Sonntag.

Fernsehbilder zeigten hunderte vorwiegend junge Menschen, die sich an der Grenze nahe der Stadt Madsch al- Schams versammelten und palästinensische sowie syrische Fahnen schwenkten.

Sie versuchten, einen Sperrzaun zur Abriegelung eines Minenfelds entlang der Grenze zu überwinden. Nach israelischen Angaben bewarfen die Demonstranten die Soldaten auch mit Steinen.

Video der Demonstrationen auf den Golanhöhen (englisch):


(Video: YouTube.com/realnewsreviews)

Israel: Syrien will von Protesten ablenken

Ein israelischer Militärsprecher sagte, die Soldaten hätten «keine andere Wahl gehabt, als das Feuer zu eröffnen». Die Demonstranten wurden demnach zuerst über Lautsprecher gewarnt. Zudem hätten die Soldaten zuerst Warnschüsse in die Luft abgegeben.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte, Extremisten versuchten, die Grenzen zu durchbrechen und bedrohten israelische Gemeinden und Bürger. Die Sicherheitskräfte seien zu «maximaler Zurückhaltung» aufgefordert worden. Israel beschuldigte Syrien, die Unruhen angestachelt zu haben, um von den Protesten im eigenen Land abzulenken.

Bei den jüngsten Zwischenfällen handelt es sich um die schwersten an der israelisch-syrischen Grenze seit dem Jom-Kippur-Krieg im Jahr 1973.

«Nakba» und «Naksa»

Erst Mitte Mai kamen bei einer Kundgebung auf den Golanhöhen gegen die Staatsgründung Israels im Jahr 1948 vier Menschen durch israelisches Feuer ums Leben. Die Palästinenser bezeichnen die Staatsgründung, bei der über 760 000 Palästinenser flohen oder vertrieben wurden, als «Nakba» (Katastrophe).

Der neuerliche Protest fand zum 44. Jahrestag der «Naksa» (Rückschlag) statt. So bezeichnen die Palästinenser die Niederlage im Sechstagekrieg im Juni 1967, als Israel die Golanhöhen von Syrien, das Westjordanland samt Ostjerusalem von Jordanien und den Gazastreifen sowie die Sinai-Halbinsel von Ägypten eroberte. Den Sinai hat Israel zurückgegeben, aus dem Gazastreifen hat es sich zurückgezogen.

Ostjerusalem und die Golanhöhen wurden dagegen Anfang der 1980er Jahre von Israel annektiert. Besetzung wie Annektion all dieser Gebiete und die israelischen Siedlungen dort sind völkerrechtswidrig und werden von der UNO nicht anerkannt. Israel selbst unterscheidet zwischen legalen (von den Behörden bewilligten) Siedlungen und illegalen.

Proteste im Westjordanland, Libanon und Gaza

Auch an anderen Orten gab es Proteste zum «Naksa»-Tage. In Libanon riefen palästinensische Flüchtlinge einen «Tag der Trauer» aus. Im Westjordanland kam es an einer Militärsperre zwischen Ramallah und Ostjerusalem zu Zusammenstössen zwischen hunderten Palästinensern und israelischen Soldaten.

Junge Demonstranten warfen gemäss Augenzeugen Steine und zündeten Reifen an. Die Soldaten setzten nach palästinensischen Angaben Tränengas und Gummigeschosse ein. Dabei seien mindestens 40 Menschen verletzt worden.

Im Gazastreifen verhinderte die Polizei der dort regierenden radikalislamischen Hamas ein Vordringen hunderter Demonstranten zu israelischen Grenzanlagen. Am Samstag hatten Dutzende Palästinenser aus dem Gazastreifen den erst vor einer Woche geöffneten Grenzübergang Rafah zu Ägypten gestürmt.

Auslöser der Proteste war eine unangekündigte Schliessung des Grenzübergangs durch Ägypten wegen Renovierungsarbeiten. Die Hamas hielt am Sonntag ihre Seite der Grenze geschlossen, um nach eigenen Angaben gegen das ägyptische Vorgehen zu protestieren.

Friedensdemonstration in Tel Aviv

In Tel Aviv demonstrierten am Samstagabend Tausende Israelis für eine Zwei-Staaten-Lösung. Etwa 5000 Menschen - nach Angaben der Organisatoren 10 000 - nahmen teil. Sie forderten ihre Regierung auf, auf einen Vorschlag von US-Präsident Barack Obamas einzugehen, wonach Friedensverhandlungen auf den Grenzen von vor 1967 aufbauen sollen.

Einige Teilnehmer trugen Schilder, auf denen stand: «Ein palästinensischer Staat ist in Israels Interesse». Im Westjordanland wiederum veranstalteten Christen eine Friedenskundgebung, bei der dieselben Forderungen gestellt wurden.

(sda/ap)