Durch Chemikalie umgekommen

08. November 2008 23:52; Akt: 09.11.2008 13:36 Print

20 Tote auf russischem Atom-U-Boot

Nach einer Havarie mit 20 Toten an Bord hat das atomar betriebene russische U-Boot «Nerpa» am Sonntag an seinem Stützpunkt in Primorje im äussersten Südosten des Landes festgemacht.

storybild

Die Vepr (Wildschwein), ein Schwesterschiff der verunglückten Nerpa (Seehund) der russischen Schtschuka-U-Boot-Klasse (Nato-Name: Akula). Die Aufnahme zeigt die Vepr vor dem Hafen der bretonischen Stadt Brest, 21. September 2004. (Bild: Keystone/AP)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das teilte die Marine nach Angaben der Agentur Interfax mit. Der Reaktor arbeite weiter normal, es gebe keine erhöhten Strahlenwerte, sagte der Marinesprecher. Nach ersten Ermittlungen war in einer Feuerlöschanlage die Chemikalie Freon ausgeströmt, die zum Tod der 20 Menschen führte, wie die Staatsanwaltschaft in Moskau mitteilte.

Bei Freon handelt es sich um einen Kunstnamen für Difluordichlormethan, eine Kohlenwasserstoff-Verbindung, die unter anderem auch als Kältemittel in Kühlschränken verwendet wird. Bei dem Unglück am späten Samstagabend waren im Japanischen Meer sechs Marineangehörige und 14 Zivilisten getötet sowie etwa 20 Menschen verletzt worden.

Das Atom-U-Boot war laut Marine noch in der Testphase und sollte Ende des Jahres in Dienst genommen werden. Insgesamt waren 208 Menschen an Bord gewesen, darunter 81 Marineangehörige. Das Unglück war das schwerste seit vor acht Jahren bei einer Explosion im Atom- U-Boot «Kursk» alle 118 Mann an Bord ums Leben gekommen waren.

Akula-II-Klasse von Kampf-U-Booten

Den genauen Ort des Unglücks und den Namen des Schiffs wollte Marinesprecher Digalo nicht nennen. Das U-Boot befand sich auf einer Testfahrt. Laut der Nachrichtenagentur RIA-Nowosti wurde das Schiff in der Amur-Werft gebaut und trägt den Namen «Nerpa». Es gehört zur Akula-II-Klasse von Kampf-U-Booten, mit seinem Bau wurde 1991 begonnen. Aus Geldmangel sei der Bau aber über mehrere Jahre unterbrochen worden. Der erste Tauchgang habe in der vergangenen Woche stattgefunden.

Ministerpräsident Dmitri Medwedew wurde nach Angaben des Kremls sofort über das Unglück informiert. Er ordnete eine gründliche Untersuchung an. Der Erste stellvertretende Verteidigungsminister Kolmakow und Marine-Oberkommandeur Admiral Wladimir Wisozky befanden sich auf dem Weg an die Pazifikküste.

Erinnerung an Kursk

Der Unfall ruft sofort Erinnerungen an die Katastrophe der «Kursk» am 12. August 2000 wach: Nach der Explosion eines Torpedos war das Atom-U-Boot in der Barentssee gesunken, alle 118 Seeleute an Bord starben.

Lange wurde die Öffentlichkeit über das Ausmass der Katastrophe im Dunkeln gelassen. Präsident Wladimir Putin setzte zunächst seine Ferien fort, und erst spät liessen die russische Behörden Hilfe aus dem Ausland zu. Das Verhalten der Behörden sorgte damals in Russland und im Ausland für scharfe Kritik.

Der TV-Player benötigt einen aktuellen Adobe Flash Player: Flash herunterladen

(Quelle: AP/SDA)