Khashoggi-Mord

25. März 2020 15:54; Akt: 25.03.2020 15:54 Print

20 Verdächtige in Istanbul angeklagt

Istanbuls Staatsanwaltschaft klagt 20 Personen an, die an der Ermordung des saudischen Regimekritikers beteiligt gewesen sein sollen.

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Am 2. Oktober 2018 wurde der Journalist Jamal Khashoggi in Istanbul umgebracht. Nun hat die türkische Staatsanwaltschaft Anklage gegen 20 Verdächtige erhoben. Ein saudisches Sonderkommando hatte Khashoggi am 2. Oktober 2018 im saudiarabischen Konsulat in Istanbul abgefangen, getötet und den Leichnam anschliessend zerstückelt. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman übernahm die Verantwortung für die Tat, bestritt aber, die Tötung angeordnet zu haben. Die Uno-Sonderberichterstatterin Agnès Callamard war jedoch zu dem Schluss gekommen, dass es glaubwürdige Hinweise auf eine mögliche persönliche Verantwortung des Kronprinzen gebe. Einer der Hauptverdächtigen ist Saud bin Abdullah al-Kahtani. Er war zuständig für Medienangelegenheiten am saudischen Königshof und wurde in der Nacht entlassen, in der Riad den Tod Khashoggis eingeräumt hatte. Al-Kahtani gilt als enger Vertrauter des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. In Saudiarabien wurden bereits Gerichtsfälle wegen der Ermordung des Regimekritikers geführt. Diese wurden aber kritisiert. Der Aussenminister Saudiarabiens, Adel al-Dschubai, hat am Sonntag, 09. Dezember 2018, bekannt gegeben, dass man zwei verdächtige hohe Beamte nicht an die Türkei ausliefern werde. Hat Saudiarabien Richtung USA verlassen: Der Sohn des ermordeten Jamal Khashoggi schüttelt bei einem Treffen im saudischen Köngishaus in Riad die Hand des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman. Bundesrat Ignazio Cassis spricht von einer «Verletzung von Menschenrechten und von Rechtsstaatlichkeit». Der US-Aussenminister Mike Pompeo kündete an, den Saudi-Arabern, die in der Tat verwickelt seien, das Visum zu entziehen. Mohammed bin Salman und sein Vater König Salman sprachen Khashoggis Familie dabei ihr Beileid aus. Am Sonntag veröffentlichte der türkische Nachrichtensender TRT World neue Fotos der Überwachungskamera vor dem saudischen Konsulat in Istanbul. (21. Oktober 2018) Diese sollen Jamal Khashoggi zeigen, wie er eine Strassensperre auf seinem Weg ins saudische Konsulat passieren darf. Seine Verlobte Hatice Cengiz mit Kopftuch soll auf diesem Bild teilweise zu seiner Rechten zu sehen sein. Hier läuft Jamal Khashoggi in seinen Tod. In diesem Wald suchten türkische Ermittler nun nach Jamal Khashoggis Überresten. Dies, nachdem die Beamten zwei Fahrzeuge des saudischen Konsulats an zwei Orten ausserhalb des Stadtzentrums lokalisiert haben. Ein Fahrzeug besuchte den Belgrader Wald (Bild), ein grosses Erholungswaldgebiet am Stadtrand von Istanbul... ...während das andere Fahrzeug in die Stadt Yalova fuhr, etwa eine Stunde vom Stadtzentrum entfernt. Saudiarabien bestätigt den Tod des Journalisten Jamal Khashoggi. (3. Oktober 2018) Demokraten warnen vor möglicher Interessenkonflikte des US-Präsidenten im Fall Khashoggi: Trump bei einer Willkommenszeremonie im Murabba-Palast in Riad. (20. Mai 2017) Pompeo soll den Schaden im Fall Khashoggi für die politischen Beziehungen zwischen den USA und Saudiarabien begrenzen. (16. Oktober 2018) Mike Pompeo trifft auf dem Flughafen in Riad ein. (16. Oktober 2018) Nach einem Telefongespräch mit König Salman sagte US-Präsident Donald Trump, es habe danach geklungen, als ob ein «boshafter Killer» den Journalisten getötet haben soll: Kronprinz Muhammad bin Salman bei seinem Besuch im Weissen Haus. (20. März 2018) Türkische Ermittler hatten zuvor bereits vermutet, dass der im US-Exil lebende Regierungskritiker im saudiarabischen Konsulat von Agenten seines Heimatlandes ermordet worden war. Türkische Ermittler durchsuchten acht Stunden lang das Gebäude in Istanbul. Dort war der Journalist Khashoggi zuletzt gesehen worden. Der Fall sorgte weltweit für Schlagzeilen und setzte die Führung in Riad unter Druck: Ein Security-Mitarbeiter des saudiarabischen Konsulats in Istanbul. (14. Oktober 2018) Drohte mit einer harten Strafe: US-Präsident Donald Trump wird am Flughafen in Ohio zum Fall Khashoggi befragt. (12. Oktober 2018) Der Screenshot einer Überwachungskamera soll Jamal Khashoggi zeigen, wie er das Konsulat am 2. Oktober betritt. Washington werde der Sache auf den Grund gehen, sagte Trump. Luftaufnahme des saudischen Konsulats in Istanbul. Saudiarabien ist für die USA ein strategisch wichtiger Partner und ein wichtiger Absatzmarkt für US-Rüstungsgüter. Protest vor dem saudischen Konsulat in Istanbul. (9. Oktober 2018) Wurde hier Khashoggi ermordet? Mitarbeiter betreten das Konsulat von Saudiarabien in Istanbul. (9. Oktober 2018) Mitglieder einer türkischen Menschenrechtsorganisation demonstrieren in Istanbul. (9. Oktober 2018)

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Rund anderthalb Jahre nach dem Mord an dem saudischen Regimekritiker und Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul ist in der Türkei Anklage gegen 20 Verdächtige erhoben worden. Ein Prozesstermin wurde zunächst nicht bekanntgegeben.

Die Istanbuler Staatsanwaltschaft teilte am Mittwoch mit, 18 Angeklagten werde vorsätzlicher Mord unter Folter vorgeworfen. Zwei weitere Verdächtige würden beschuldigt, sie dazu angestiftet zu haben.

Ein saudisches Sonderkommando hatte Khashoggi am 2. Oktober 2018 im saudiarabischen Konsulat in Istanbul abgefangen, getötet und den Leichnam anschliessend zerstückelt. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman übernahm die Verantwortung für die Tat, bestritt aber, die Tötung angeordnet zu haben.

Persönliche Verantwortung des saudischen Kronprinzen

Die Uno-Sonderberichterstatterin Agnès Callamard war jedoch zu dem Schluss gekommen, dass es glaubwürdige Hinweise auf eine mögliche persönliche Verantwortung des Kronprinzen gebe.

Einer der Hauptverdächtigen, der die Tat geplant haben soll, ist Saud bin Abdullah al-Kahtani. Er war zuständig für Medienangelegenheiten am saudischen Königshof und wurde in der Nacht entlassen, in der Riad den Tod Khashoggis eingeräumt hatte. Al-Kahtani gilt als enger Vertrauter des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman.

Saudische Rechtsprechung kritisiert

Ein Gericht in Saudi-Arabien hatte im Dezember fünf Männer im Fall Khashoggi zum Tode verurteilt. Drei weitere Angeklagte wurden wegen «Verschleierung des Verbrechens» zu Haftstrafen von insgesamt 24 Jahren verurteilt.

Al-Kahtani wurde nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Saudi-Arabien befragt, mangels Beweisen für seine mögliche Verwicklung aber dort nicht angeklagt. Die Türkei, die EU und die Vereinten Nationen hatten die Todesurteile scharf kritisiert.

(obr/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Valentino in Bahia am 27.03.2020 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wo ist der Prinz

    Der wahre Täter dürfte in Saudi-Arabien sitzen

  • Art. am 27.03.2020 01:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopfkino

    Ich möchte den Tag erleben, an dem das Erdöl ausgeht.

  • B. Kerzenmacher am 25.03.2020 16:20 Report Diesen Beitrag melden

    Prozess

    Wenn das KSA bis 2022 keine belastbaren Ergebnisse zum Fall J. Khashoggi geliefert hat, dann erwartet der "Westen" bis spätestens 2028 Aufklärung. Wenn nicht, wird der "Westen" ab 2050 kein Öl mehr von KSA kaufen aber nur, weil es dann keines mehr gibt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Valentino in Bahia am 27.03.2020 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wo ist der Prinz

    Der wahre Täter dürfte in Saudi-Arabien sitzen

  • Art. am 27.03.2020 01:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopfkino

    Ich möchte den Tag erleben, an dem das Erdöl ausgeht.

  • R.Z. am 26.03.2020 13:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mord an Kashoggi

    Ob tatsächlich jemand verurteilt wird, fraglich. Schon gar nicht der Kronprinz...Aber Todesurteile - bitte nicht! Und: die Frauen in diesem Land tun mir leid...

  • Erdogan am 26.03.2020 06:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hopp

    Super gemacht Türkei!

  • Ahmed am 25.03.2020 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ka Schoggi

    Ist das immer noch aktuell?