19. März 2008 10:28; Akt: 19.03.2008 23:48 Print

«Ein Teufel mit dem Gesicht eines Menschen»

Die Verbalattacken der chinesischen Führung auf den Dalai Lama nehmen an Schärfe zu. Man befinde sich jetzt «in einer heftigen Blut-und-Feuer-Schlacht» mit dem Oberhaupt der Tibeter.

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Chinesische Sicherheitskräfte haben Mitte April 2011 das Kloster Kirti in Südwestchina nach Zusammenstössen abgeriegelt. Augenzeugen berichteten von einem Truppeneinmarsch in der Provinz Sichuan. Mehr als 2000 buddhistische Mönche seien von der Aussenwelt abgeschnitten. Von der «Repressionswelle» seien auch umliegende Dörfer betroffen. Chinesische Sicherheitskräfte hätten am Dienstag versucht, in das Kloster einzudringen, um Mönche zwischen 18 und 40 Jahren zur «patriotischen Umerziehung» abzuholen... ...als sich die Bevölkerung dagegen wehrte, reagierte das chinesische Militär mit Gewalt. Chinesische Sicherheitskräfte haben am 12. April versucht, in das Kloster einzudringen, um Mönche zwischen 18 und 40 Jahren zur «patriotischen Umerziehung» abzuholen. Schon im März 2011 hatte es Zusammenstösse gegeben, als es nach der Selbstverbrennung eines Mönches aus Kirti am 16. März zu Unruhen gekommen war. Besonders heftig sind die Zusammenstösse zwischen Tibetern und Chinesen seit dem Frühling 2008. Ein Militärkonvoi in Lhasa am 16.3.08. Chinesische Truppen im Anmarsch am 16.3.08. Polizei in Nepal nimmt eine junge Tibeterin fest in Katmandu am 17.3.08. Nepalesische Polizei geht in Katmandu gegen Demonstranten vor. Lhasa brennt. (Bild: REUTERS/CCTV via REUTERS TV) Ein während der Proteste verwundeter Mann auf einer Strasse in Lhasa. Ein Bild der Verwüstung in Lhasa. (Bild: REUTERS/Xinhua/Yang Guang (CHINA)) Putzen in Lhasa am 16.3.08. (Bild: REUTERS/Xinhua/Soinam Norbu) Auch ausserhalb Tibets kommt es immer wieder zu Protesten: In Indien, wo die meisten Exil-Tibeter leben, stossen regelmässig Demonstranten mit Sicherheitskräften zusammen.Bild: Keystone

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Der tibetische KP-Chef Zhang Qingli sagte am Mittwoch über das geistliche Oberhaupt der Tibeter: «Der Dalai Lama ist ein Wolf in Mönchskutte, ein Teufel mit dem Gesicht eines Menschen, aber mit dem Herzen einer Bestie». Gleichwohl ist China nach Angaben des britischen Premierministers Gordon Brown zum Dialog mit dem Dalai Lama bereit.

Dies habe ihm der chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao versichert, erklärte Brown vor dem Londoner Unterhaus. Wen habe sich in einem Telefonat zu Gesprächen bereiterklärt, wenn der Dalai Lama nicht die Unabhängigkeit Tibets fordere und der Gewalt abschwöre. Beide Bedingungen habe der Dalai Lama bereits erfüllt. Noch am Dienstag hatte Wen die Gesprächsangebote des Geistlichen öffentlich zurückgewiesen. Brown wird den Dalai Lama während eines Besuchs in London im Mai treffen.

Die tibetische KP-Führung liess jedoch keinen Zweifel an ihrer harten Haltung. «Wir befinden uns jetzt in einer heftigen Blut-und-Feuer-Schlacht mit der Clique des Dalai Lamas, einem Kampf auf Leben und Tod zwischen uns und dem Feind», sagte Zhang laut einem Zeitungsbericht.

Der Dalai Lama selbst rief die Tibeter abermals dazu auf, gewaltfrei zu bleiben. Bei einem Zusammentreffen mit Aktivisten, die einen Marsch von Dharamsala nach Lhasa organisieren wollten, forderte er Zurückhaltung. Der Marsch soll aufgegeben werden, da Zusammenstösse mit chinesischen Soldaten nicht auszuschliessen seien, wie ein ranghoher Berater des Dalai Lamas erklärte.

Mehr als 100 Aktivisten sollen sich gestellt haben

Nach den Unruhen sollen sich nach chinesischer Darstellung 105 Aktivisten der Polizei ergeben haben. Diese hätten sich an gewaltsamen Ausschreitungen beteiligt, geplündert oder Gebäude in Brand gesetzt, hiess es in einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua.

Die Regierung hatte am Sonntag erklärt, dass alle Teilnehmer an den Protesten, die sich bis Montag freiwillig stellten, mit Milde rechnen könnten. Alle anderen würden hart bestraft. Bei den Unruhen am Freitag in der tibetischen Hauptstadt Lhasa wurden nach amtlichen Angaben 16 Menschen getötet, laut Exil-Tibetern etwa 80. In Lhasa herrschte am Mittwoch bei starker Militärpräsenz eine gespannte Ruhe.

Freie Berichterstattung aus Tibet nicht möglich

Ausländische Journalisten wurden weiter daran gehindert, über die Lage in Tibet zu berichten. Der Club der Auslandspresse in China (FCCC) teilte mit, er habe 30 Verhaftungen und Reiseverweigerungen registriert. Auch Fotografen der Nachrichtenagentur AP sowie ein Reporter und Kameramann des Fernsehnachrichtendienstes APTN wurden festgenommen.

Die chinesischen Streitkräfte und die Polizei verstärkten ihre massive Präsenz in Tibet und angrenzenden Provinzen, in denen mehr als die Hälfte der 5,4 Millionen Tibeter leben, weiter. Die tibetischen Gebiete in den Nachbarprovinzen, wurden für Ausländer gesperrt.

Das Parlament der tibetischen Exilregierung veranstalte unterdessen einen Protest in Neu-Delhi. Die 43 Abgeordneten verurteilten die «staatliche Gewaltanwendung» Chinas. Die Weltgemeinschaft solle Peking scharf rügen, forderten die Abgeordneten.

Die Organisatoren der Olympische Spiele in Peking betonten derweil, dass der geplante Staffellauf mit der olympischen Flamme zum Mount Everest quer durch Tibet wie geplant im Mai stattfinden werde. Die Staffel zum höchsten Gipfel der Welt werde einen Höhepunkt der Feierlichkeiten markieren.

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(ap)