Nach 9/11

30. Juli 2014 18:43; Akt: 30.07.2014 18:43 Print

2518 Retter sind an Krebs erkrankt

Nach den Anschlägen auf das World Trade Center 2001 wird jetzt der hohe Preis klar, den Feuerwehrmänner, Polizisten und Rettungskräfte für ihren Einsatz zahlen müssen.

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37‘000 Polizisten, Feuerwehrmänner und andere Bergungs- und Rettungskräfte arbeiteten während Tagen, Wochen und Monaten nach der Terrorattacke auf Ground Zero.

Viele von ihnen sind heute schwer krank – Krebs. Denn diese Bergungsleute stapften Tag für Tag im Trümmerfeld der kollabierten World-Trade-Center-Türme herum, wo noch während Monaten unterirdische Feuer schmorten. Die Retter atmeten grosse Mengen von Staub und Rauch ein, die mit giftigen Substanzen gesättigt waren. Zu den krebserregenden Substanzen zählte das Quecksilber aus Zigtausenden pulverisierter Leuchtröhren. Rund 50'000 Computer und viele andere Gegenstände in den Büros der beiden Geschäftshäuser wurden zermalmt oder verbrannten. In der Luft und im Staub des 9/11-Trümmerfelds registrierten Mediziner über 2500 karzinogene Substanzen.

New York unterhält seit den Anschlägen vom 11. September 2001 zwei World-Trade-Center-Gesundheitsprogramme. Das sind Anlaufstellen für all jene, die wegen ihres Einsatzes erkrankten. Studien haben nachgewiesen, dass bei den auf Ground Zero Beschäftigten bestimmte Krebsarten häufiger vorkommen als in der allgemeinen Bevölkerung.

Neuste Zahlen aus diesen Programm zeigen: 2518 Personen, die Mehrheit davon Helfer, aber auch 17 Anwohner und fünf Touristen, sind mittlerweile an Krebs erkrankt – Lungenkrebs, Magen- oder Darmkrebs, Blutkrebs oder Prostatakrebs. Gemäss «New York Post» sind das fast doppelt so viele Fälle wie noch im vergangenen Jahr.

«Ich wusste, viele würden an diesem Tag krank werden»

Bislang wurden allerdings erst 115 Erkrankten insgesamt 50 Millionen Dollar ausgezahlt. Von der ihnen zugesprochenen Summe erhalten sie heute zehn Prozent, den Rest bekommen sie 2016. Diese Wartezeit ist für viele unverständlich. Auch für einen namentlich nicht genannten Feuerwehr-Kapitän, der in der «Post» seine Geschichte erzählt. Der 63-Jährige liess am Tag des Attentates die Brooklyn-Bridge sperren, damit er mit seinem Team zum World-Trade-Center durchkommen konnte. «Ich wusste, viele würden an diesem Tag krank werden», sagt er.

Sieben Jahre später, 2008, musste der Mann seinen Job als Feuerwehrmann an den Nagel hängen: Ein Lungenschaden liess ihn jedes Mal husten, wenn er in die Nähe von Rauch kam. Im letzten Jahr fanden Ärzte einen grossen Tumor im Bauch, der sich um seine Arterien geschlungen hatte. «Ich wäre sofort gestorben, hätte man ihn entfernt.»

Einst wog der Mann 118 Kilogramm, ein Brocken von einem Mann. Heute bringt er noch 72,5 Kilo auf die Waage. «Ich war einmal sehr aktiv. Heute freue ich mich an meinen Enkelkindern. Nur fehlt mir die Kraft, mit ihnen zu spielen.» Niemand weiss, ob der Mann noch am Leben sein wird, wenn der Grossteil seiner Entschädigungssumme ausbezahlt wird.

(gux)