CIA-Mitarbeiter redet

09. Juni 2013 21:58; Akt: 27.06.2013 15:03 Print

In Genf entdeckte er den Spionage-Skandal

Als Techniker sah Edward Snowden, wie der Geheimdienst NSA US-Bürger ausspionierte – und wollte nicht mehr schweigen. Die Idee, an die Öffentlichkeit zu gehen, wurde in der Schweiz geboren.

Der 29-jährige im Gespräch mit dem «Guardian».
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Ein 29-jähriger Techniker ist die Quelle der jüngsten Enthüllungen über die massive Daten-Sammlung des US-Geheimdienstes bei amerikanischen Internet-Diensten. Er trat am Sonntagabend mit einem Interview mit der britischen Zeitung «Guardian» aus dem Schatten.

Der junge Mann namens Edward Snowden war nach eigenen Angaben die vergangenen vier Jahre als Mitarbeiter externer NSA-Unternehmen tätig. «Sie haben keine Ahnung, was alles möglich ist», sagte er über die Spionage-Möglichkeiten der NSA-Systeme.

Nach den von Snowden enthüllten Dokumenten sammelt der US-Geheimdienst in grossem Stil Daten bei Internet-Diensten wie Google, Facebook, Microsoft, Apple und Yahoo. «Ich will nicht in einer Gesellschaft leben, die so etwas macht», sagte Snowden dem «Guardian». «Ich will nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich mache und sage, aufgenommen wird.»

Dementi von der US-Regierung

Die US-Regierung hatte erst wenige Stunden zuvor die Informationen über eine ausufernde Sammlung von Daten im Internet durch ein System mit dem Namen PRISM zurückgewiesen. PRISM ist kein geheimes Programm zum Sammeln oder Aufsaugen von Daten», erklärte US-Geheimdienstkoordinator James Clapper am Samstag. «Es ist ein internes Computersystem der Regierung.»

Es diene dazu, das gesetzlich erlaubte Sammeln elektronischer Informationen bei der Auslandsaufklärung zu unterstützen. Die Regierung erhalte Informationen von Servern amerikanischer Internet-Unternehmen nur auf Gerichtsbeschluss.

Allmächtige Infrastruktur

Snowden beschrieb im «Guardian» dagegen sogar noch eine grössere Dimension der Datensammlung, als die von ihm enthüllten Dokumente andeuten: «Die NSA hat eine Infrastruktur aufgebaut, die ihr erlaubt, fast alles abzufangen.»

Damit werde der Grossteil der menschlichen Kommunikation automatisch aufgesaugt. «Wenn ich in ihre E-Mails oder in das Telefon ihrer Frau hineinsehen wollte, müsste ich nur die abgefangenen Daten aufrufen. Ich kann ihre E-Mails, Passwörter, Gesprächsdaten, Kreditkarteninformationen bekommen.»

Snowden war mit den Dokumenten von Hawaii nach Hongkong geflohen und sprach dort mit dem «Guardian». Er gehe davon aus, dass er nie wieder mit seiner Familie oder seinen Freunden Kontakt aufnehmen könne. Seine Hoffnung sei, dass ihn Hongkong nicht ausliefern werde, auch wenn ihm das Risiko einer Gefängnisstrafe von Anfang an klar gewesen sei. «Ich glaube nicht, dass ich mein Zuhause jemals wiedersehen werde.»

Weitere Enthüllungen

Die Zeitungen «Washington Post» und «Guardian» hatten berichtet, dass sich der Geheimdienst NSA mit dem PRISM-System direkten Zugang zu Daten von Nutzern bei grossen Internet-Konzernen verschaffen könne.

Der «Guardian» setzte am Wochenende seine Enthüllungsserie fort und berichtete von einem System der NSA, das einen Überblick über die weltweit gesammelten elektronischen Informationen gebe. Es heisse «Boundless Informant» (etwa: grenzenloser Informant) und zeige unter anderem an, wie sich die Daten auf einzelne Länder verteilen.

Allein im März habe die NSA laut dem System 97 Milliarden Daten-Einheiten aus Computer-Netzwerken in aller Welt gesammelt. Davon entfielen 14 Milliarden auf den Iran und 13,5 Milliarden auf Pakistan, wie der «Guardian» berichtete.

Firmen dementieren

Die Chefs von Google und Facebook wiesen mit Nachdruck den Vorwurf zurück, dem US-Geheimdienst uneingeschränkten Zugang zu Nutzer-Daten zu gewähren. Die Internet-Konzerne - genannt wurden in den Zeitungsberichten neben Google und Facebook unter anderem auch Apple, Microsoft und Yahoo - bestätigten zugleich, dass sie den Behörden Informationen auf Gerichtsbeschluss zur Verfügung stellen.

Die «New York Times» berichtete am Samstag von Systemen für diese Datenübergabe. So sei zumindest mit Google und Facebook über «separate, sichere Portale» dafür verhandelt worden, zum Teil auf Servern der Unternehmen. Der Bericht liess offen, ob diese Ideen umgesetzt wurden.

(bro/rey/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mr MIT am 09.06.2013 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry aber

    2005 haben wir bereits an Vorlesungen am MIT genau dieses bereits gehört. Auch die Entwicklung der Cloud wurde damals schon als gigantischer Pool für Geheimdienste dargestellt, lange bevor dieser Begriff in aller Leute Munde war. Jeder der nur halbwegs eine Ahnung hat, wie das Internet strukturiert ist, weiss. was mit den Datenströmen passiert. Aber wüsste jeder auch wie Finanzmärkte laufen würden morgen alle ihr Geld abheben.

  • Kaohami am 09.06.2013 22:17 Report Diesen Beitrag melden

    Grosses Respekt

    Solche Leute braucht die Welt wie ihn oder Manning, die solche Geheimnisse aufdecken. Sie setzen ihren Leben auf dem Spiel. Ich an seiner Stelle hätte vermutlich gar nicht getraut oder Mut gehabt solche Dinge durchzuziehen (keine Familie bzw. Freunden kontakt) etc.

  • Pedro Remullat am 09.06.2013 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch U.S.A

    .... und genau dieser Staat will unseren Banken an den Kragen. Einfach nur unglaublich. Zum Glück muss ich nie mehr in da hin.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Eid Genosse am 10.06.2013 10:27 Report Diesen Beitrag melden

    und ?!?

    wir haben in der Schweiz auch nen Geheimdienst...mein Kollege war bei dehnen. Wenn ihr wüsstet was die alles abhören...mit Zufallsgenerator, Handygespräche abhören....aber hallo, kriege in nun auch nen Nobel-Preis??? Ihr wisst nicht was hier abgeht...punkt

  • Hans am 10.06.2013 08:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Asyl!!

    Ich verlange Asyl für diesen Helden!!!

  • Andrea Primus am 10.06.2013 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    wer soll die Daten auswerten

    ob es stimmt oder nicht kann ich nicht abschätzen. Falls es so ist, ist es ungeheuerlich. Aber wer soll die Milliarden-Daten auswerten und lesen? Bis die etwas von mir rausgefunden haben - das dauert.

  • Alexander Eberle am 10.06.2013 08:15 Report Diesen Beitrag melden

    Change Now

    So das reicht! Ich schliesse mich der globalen "We Are Change" Bewegung an. Bisher dachte ich, diese seien nur obskure Verschwörungstheoretiker. Die Realität hat aber gezeigt, dass viele Punkte, welche von den we are change Leute propagiert werden, ganz einfach Tatsachen sind. Empfehle jedem das gleiche, der möchte, dass seine Kinder in einer freieren Welt aufwachsen.

    • Stephan am 10.06.2013 08:54 Report Diesen Beitrag melden

      aber ganz schnell..

      Gute und wichtige Erkenntnis! Viele Infos sammeln. Auf Youtube finden sich gute Videos zum Thema Neue Weltordnung und was damit zusammenhängt. Nicht erschrecken, wenn Du die Wahrheit erkennst..

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  • Onix Weiss am 10.06.2013 07:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Burka tragen

    Als ich letzthin ohne meine Burka auf die Strasse ging, war mein Gesicht unverschlüsselt und einer fotografierte mich! Was jetzt?