Havarie bei Malta

11. Oktober 2013 19:26; Akt: 14.10.2013 09:45 Print

34 Tote bei erneutem Flüchtlingsdrama

Ein Flüchtlingsboot ist im Hoheitsgebiet von Malta gekentert. 34 Leichen sind bislang geborgen worden. Rund 140 Überlebende sind unterdessen in Malta eingetroffen.

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Nach dem neuerlichen Bootsunglück im Mittelmeer sind 143 Überlebende in Malta eingetroffen. Auch die Leichen von vier Flüchtlingen - eine Frau, zwei Kinder und ein Säugling - wurden auf die Insel gebracht.

Einige der Schiffbrüchigen, die zu schwach für die etwa zehnstündige Bootsfahrt waren, wurden mit dem Helikopter nach Lampedusa geflogen, wie die Nachrichtenagentur AFP meldete. Die italienische Marine konnte ihrerseits 56 Menschen retten. Diese waren am Samstag auf dem Weg nach Porto Empedocle auf Sizilien.

Einer maltesischen Armeequelle zufolge wurden 33 Tote aus dem Meer geborgen, diese Angaben wurden aber nicht offiziell bestätigt. Die italienische Nachrichtenagentur Ansa meldete, bis Samstagmorgen seien 34 Leichen geborgen worden, die meisten Frauen und Kinder. Die italienische Küstenwache habe 22 von ihnen nach Lampedusa gebracht.

Notruf per Satellitentelefon

Das Boot war am Freitagabend mit rund 230 illegalen Einwanderern an Bord südlich von Malta und Lampedusa gekentert. Nach Angaben der maltesischen Marine ging es in stürmischer See unter, als sich die Flüchtlinge auf einer Seite des Bootes versammelten, um ein Militärflugzeug auf sich aufmerksam zu machen.

Per Satellitentelefon konnten sie einen Notruf absetzen. Die nächtlichen Rettungsarbeiten wurden jedoch durch starke Winde erschwert, wie ein Marinesprecher erklärte.

Erst am Donnerstag vergangener Woche waren bei einem Flüchtlingsdrama vor Lampedusa mehr als 300 Asylsuchende aus Afrika ums Leben gekommen. Nur 155 der geschätzt rund 500 Bootsinsassen konnten gerettet werden. Seit dem Unglück wird in der EU heftig über die europäische Flüchtlingspolitik diskutiert.

EU-Innenkommissarin besorgt

Italiens Premierminister Enrico Letta zeigte sich über die neue Flüchtlingstragödie bestürzt. Diese bestätige, dass Europa dringend Massnahmen zur Bekämpfung der illegalen Flüchtlingsströme im Mittelmeerraum ergreifen müsse.

EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström dankte beiden Mittelmeerländern für ihr rasches Eingreifen. Sie verfolge die Ereignisse «mit Trauer und Sorge». «Diese neuen Schreckensereignisse geschehen, während wir noch die schockierenden Bilder der Tragödie von Lampedusa in unseren Köpfen haben.»

Sie appellierte erneut an die EU-Staaten, schnell mehr Ressourcen für die europäische Grenzschutzagentur Frontex zur Verfügung zu stellen. Diese seien nötig, um im Mittelmeer in Seenot geratenen Booten Hilfe zu leisten.

UNHCR: Problem an Wurzel bekämpfen

Das UNO-Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) in Genf erklärte am Freitag, Flüchtlingsdramen wie jenes in Lampedusa würden sich wiederholen, wenn nicht eine international abgestimmte, globale Strategie erarbeitet werde.

Man begrüsse die von der EU angekündigten Massnahmen für eine grössere Sicherheit auf dem Meer und eine bessere Überwachung der Boote, sagte UNHCR-Sprecher Adrian Edwards. «Aber es braucht auch alle verfügbaren Mittel, um gegen die Ursachen des Exodus' in den Herkunftsländern der Flüchtlinge zu kämpfen. Man muss das Problem an der Wurzel bekämpfen.» (Video: Reuters)

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto am 11.10.2013 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ich verstehe nicht ganz...

    ...wieso man diese Menschen dann trotzdem nach erfolgter Rettung nach Europa bringt. Damit haben sie doch ihr Ziel erreicht und stellen ein leuchtendes Beispiel für weitere Flüchtlinge dar, die sich dann in dieselbe Gefahr begeben. Es wäre ein besseres Zeichen diese Menschen auf hoher See in ein Marineschiff zu laden, sie zu versorgen und zurück nach Afrika zu bringen. Ich für meinen Teil, würde mich nicht in Lebensgefahr begeben wenn ich fast mein Leben verliere und trotzdem zurück komme. Mit dem Ziel vor Augen sieht das schon ganz anders aus...

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  • Claudia Bucher am 11.10.2013 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon komisch

    Auf den Bildern sieht man immer nur junge Männer... Keine Frauen keine Kinder....

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  • chkoh am 11.10.2013 20:19 Report Diesen Beitrag melden

    Wie sieht das in der Zukunft wohl aus?

    Wir wir vergangene Woche erfahren haben, wird sich die Bevölkerungszahl Afrikas in den nächsten 40 Jahren mehr als verdoppeln. Wie wird es mit der Migration dann wohl aussehen? Verschiedene europäische Staaten haben Mühe, aus eigener Kraft über die Runden zu kommen (Griechenland, Spanien, Irland, ....) - die EU kann nie und nimmer die grossen Menschenmengen verkraften, welche hier ein "besseres Leben" suchen. Und wie viele von ihnen finden es wirklich? Nähern wir uns dem Ende der Menschheit????

Die neusten Leser-Kommentare

  • Claudia Bucher am 11.10.2013 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schon komisch

    Auf den Bildern sieht man immer nur junge Männer... Keine Frauen keine Kinder....

    • klaro am 11.10.2013 23:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      So ist es

      Genau, so sehe ich das auch!!

    • M.75 am 11.10.2013 23:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      An Claudia

      Aus den Ländern wo diese Flüchtlinge herkommen, ist"leider"eine Frau, Mädchen weniger wert.So wirt oft der Sohn mitt dem Ersparten geschickt.Für Frauen, Kinder ist die Flucht viel gefährlicher. Vergewaltigung, ausbeutung, misshandlungen usw. Und überleg mal, wenns auf einem Flüchtlingsboot um Leben und Tod geht.Wer den kürzeren zieht unter all den Männer.

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  • GRUETZNER am 11.10.2013 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Völkerwanderung @Europa

    R.I.P an alle die gehn mußten und noch gehen!!!!!!!! Und es hat erst begonnen!!! Leider!!!!!!

  • tobi am 11.10.2013 21:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rip

    unglaublich! die nächste tragodie! wie ist es möglich das die boote immer vor lampedusa kenntern?

    • Claudio am 11.10.2013 22:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Lesen bitte.

      Bitte Lesen, Das Boot ist vor der Küste Maltas gekentert.

    • rita am 11.10.2013 23:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Komisch?

      ....und das letzte Boot vor Lampedusa hat gebrannt und ist nicht gekentert!

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  • Reto am 11.10.2013 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    Ich verstehe nicht ganz...

    ...wieso man diese Menschen dann trotzdem nach erfolgter Rettung nach Europa bringt. Damit haben sie doch ihr Ziel erreicht und stellen ein leuchtendes Beispiel für weitere Flüchtlinge dar, die sich dann in dieselbe Gefahr begeben. Es wäre ein besseres Zeichen diese Menschen auf hoher See in ein Marineschiff zu laden, sie zu versorgen und zurück nach Afrika zu bringen. Ich für meinen Teil, würde mich nicht in Lebensgefahr begeben wenn ich fast mein Leben verliere und trotzdem zurück komme. Mit dem Ziel vor Augen sieht das schon ganz anders aus...

    • Till Sitter am 11.10.2013 22:37 Report Diesen Beitrag melden

      Verstehen

      Na dann denken Sie doch einmal nach wie verzweifelt diese Menschen sein müssen um diese Lebensgefahr auf sich zu nehmen. Sie sind nicht in derer Lage, und können nicht wissen , was Sie tun würden, wenn Sie in der gleichen Notlage wären.

    • Afrikaner am 11.10.2013 22:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Hast recht Till

      Hast recht Till

    • M.75 am 11.10.2013 23:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      An Reto !

      Wen man das Herkunpftsland des Flüchtlings nicht kennt, wo will man Ihn hin schicken. Die geben Ihre Identität nicht preis, haben keine Papiere dabei. Dein Vorschlag mit dem abfangen auf hoher See, na ja ! Mit ein wenig Essen und Kleidung geben ist es nicht gemacht. Oder kan die Marine, den Flüchtlingen ein neues Leben geben ?

    • Kriti Scher am 11.10.2013 23:26 Report Diesen Beitrag melden

      Ausnützen

      @Till Sitter: wieso sind diese Menschen denn sooo verzweifelt? Was für eine Notlage? Was ist passiert? Bitte mal recherchieren!

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  • Sommer Renato am 11.10.2013 20:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Menschen und Italien in Not

    ..EU- und CH-Politiker.lasst Bitte Italien nicht allein-das geht Alle an. ...und helft den Migranten - sie haben nur noch das nackte Leben das sie ihr eigen nennen können. Nur Menschen in Not gehen solche Risiko ein

    • Feau am 11.10.2013 22:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      nicht die ärmsten!

      aber immerhin sind sie nicht die ärmsten...woher das viele Geld für die Überfahrt? Die wirklich Armen können sich das nicht leisten!

    • Andrea S. am 11.10.2013 23:32 Report Diesen Beitrag melden

      2000 Dollar pro Person!

      Eine Überfahrt kostet gem. Quelle im Internet (ich glaube, es war der Beobachter, Thema über die Schlepper), so um die 2000 Dollar pro Person! 2000 Dollar für eine Aussicht ins "Paradies"...

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