Luftangriff im Jemen

09. August 2018 11:04; Akt: 09.08.2018 16:29 Print

Mindestens 29 Kinder unter den Opfern

Ein Angriff auf einen Schulbus im Jemen forderte dutzende Tote und Verletzte, darunter viele Kinder.

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Ein leerer Highway im südlichen Jemen. (Archivbild Februar) (Bild: Keystone/AP/Nariman El-mofty)

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Bei einem verheerenden Luftangriff auf einen Schulbus im Jemen sind mindestens 43 Menschen getötet worden, darunter mindestens 29 Kinder. Laut Angaben des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sind die 29 Toten jünger als 15 Jahre. Bei dem Massaker wurden am Donnerstag zudem 48 weitere Menschen verletzt, darunter 30 Kinder.

Die Huthi-Rebellen, welche die betroffene Region Saada kontrollieren, hatten zuvor mitgeteilt, bei dem Angriff am Donnerstagmorgen in Dahjan seien 39 Menschen getötet und 51 verletzt worden, «die meisten davon Kinder». Die schiitischen Huthi-Rebellen machen das von Saudiarabien geführte Militärbündnis für den Angriff nördlich der Hauptstadt Sanaa verantwortlich. Die Allianz hat die Lufthoheit über dem Bürgerkriegsland und hat in der Vergangenheit bereits Hochzeiten und Trauerfeiern angegriffen.

Vergeltung für Raketenangriff

Das Militärbündnis übernahm die Verantwortung für den Luftangriff. In einer von der saudiarabischen Nachrichtenagentur SPA veröffentlichten Stellungnahme sprach es von einem «legitimen Militäreinsatz».

Es handle sich um die Vergeltung für einen Raketenangriff der jemenitischen Rebellen auf die saudiarabische Stadt Dschisan am Vortag, hiess es. Dabei seien ein Mensch getötet und weitere verletzt worden. Seit mehr als drei Jahren bombardiert die Koalition Stellungen der Huthi-Rebellen und tötete dabei Tausende Menschen, darunter viele Zivilisten.

Einer der schwersten Angriffe

Seit der Eskalation des Konfliktes 2015 sind insgesamt mehr als 10'000 Menschen getötet worden, darunter Tausende Zivilisten. Der Angriff am Donnerstag ist einer der schwersten auf unbeteiligte Menschen in dem Bürgerkrieg.

Anwohner berichteten, der Bus habe Kinder in eine Sommerschule nahe dem Ort Dahjan fahren sollen, als er getroffen wurde. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes sprach in einem Tweet von Dutzenden Toten sowie Verletzten, die in einem Krankenhaus behandelt würden.

Bilder, die im Internet kursierten, zeigten verkohlte und verstümmelten Kinderleichen in einem Krankenhaus; teilweise sind sie noch an den Tropf angeschlossen. Auf Videos sind herzzerreissende Schreie von Verletzten zu hören. Blutüberströmt und mit Staub in den Haaren wird ein kleiner Junge auf eine Liege gehoben. Seinen blauen Schulranzen trägt er noch auf dem Rücken. Die Bilder konnten zunächst nicht auf Echtheit überprüft werden.

Keinen Zugang zu Versorgung

Auch wegen der Luftangriffe bezeichnen die Vereinten Nationen den Konflikt als schwerste humanitäre Krise der Gegenwart. Infrastruktur und Versorgungseinrichtungen sind vielerorts zerstört. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO hat mehr als die Hälfte der 28 Millionen Jemeniten keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Mehr als 22 Millionen sind nach Uno-Angaben auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Der Ort des Angriffs, die Provinz Saada im Norden des Jemen, ist das Stammland der Huthi-Rebellen, die das Land 2014 zu weiten Teilen eroberten. Bis heute kontrollieren sie vor allem den Norden des Landes und die Hauptstadt Sanaa.

Weitere Luftangriffe

Erst vor einer Woche hatte der Uno-Sondergesandte für den Jemen, Martin Griffiths, die ersten Friedensgespräche seit zwei Jahren angekündigt. Er wolle die Konfliktparteien zum 6. September nach Genf einladen.

Doch tobt der Krieg weiter: Erst am Freitag hatte ein Bombardement nahe eines Spitals in der strategisch wichtigen Hafenstadt Hudaidah mehr als 50 Menschen getötet. Am Donnerstag gab es zudem mindestens fünf weitere Luftangriffe auf Sanaa.

(sda)