Selbstmordattentate

23. Dezember 2011 23:40; Akt: 24.12.2011 00:21 Print

40 Menschen sterben bei Anschlägen

Die ersten Bombenanschläge seit Beginn des Aufstands gegen den syrischen Präsidenten Baschar Assad hat in Damaskus ein Feld der Verwüstung hinterlassen. Die Regierung macht Terroristen für die Attentate verantwortlich.

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Syrische Sicherheitskräfte inspizieren den Ort der Verwüstung. Zwei Selbstmoranschläge haben in der syrischen Hauptstadt Damaskus ein Blutbad angerichtet. (Bild: Keystone)

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Bei zwei Selbstmordanschlägen sind am Freitag in der syrischen Hauptstadt Damaskus Behördenangaben zufolge mindestens 40 Menschen getötet worden. Mehr als 100 weitere wurden verletzt, wie aus Militärkreisen verlautete. Die in Autos platzierten Sprengsätze explodierten vor den Gebäuden von zwei Geheimdiensten. Es waren die ersten Bombenanschläge in Damaskus seit Beginn des Aufstands gegen die Herrschaft von Präsident Baschar Assad in Syrien im März. Erst tags zuvor war eine Vorausgruppe einer Beobachterdelegation der Arabischen Liga in Syrien eingetroffen, die bei dem Konflikt vermitteln will.

Die Bomben detonierten innerhalb einer Minute im Stadtbezirk Kfar Susa. «Die Explosionen haben das Haus erschüttert, es war schrecklich», sagte Nidal Hamidi, der in Kfar Sousa wohnt. Im Umkreis von 200 Metern seien die Fensterscheiben zu Bruch gegangen. Unmittelbar nach der Detonation habe er Schüsse gehört, berichtete Hamidi.

Die Regierung von Staatspräsident Assad erklärte, die Anschläge bestätigten, dass es sich bei den Unruhen im Land nicht um einen Volksaufstand, sondern um das Werk von Terroristen handele. «Wir haben es von Anfang an gesagt, das ist Terrorismus. Sie töten Soldaten und Zivilisten», erklärte der stellvertretende Aussenminister Fajsal Mekdad vor dem Gebäude des Geheimdienstes GIA. Die Geheimdienste spielten bei der Niederschlagung der Proteste gegen Assad eine entscheidende Rolle.

Behörden machen Al-Kaida für Anschläge verantwortlich

Nach ersten Ermittlungen sei das Terrornetzwerk Al-Kaida an den Anschlägen beteiligt gewesen, hiess es im Staatsfernsehen. Die meisten Opfer seien Zivilpersonen, es befänden sich jedoch auch Angehörige der Sicherheitskräfte unter den Toten. Der Leiter des Militärgeheimdienst sagte, der Anschlag sei der Beweis, dass ausländische Kräfte Syrien schaden wollten. «Wir werden dieses Projekt bis zum letzten Blutstropfen bekämpfen», sagte Generalmajor Rustom Ghasaleh.

Der staatliche Fernsehsender zeigte Bilder vom Anschlagsort mit verstümmelten Leichen auf dem mit Trümmern übersäten Boden. Helfer trugen Verletzte in Krankenwagen. Mit Mekdad war auch der Leiter der Vorausgruppe der Beobachter der Arabischen Liga, Samir Seif el Jasal, vor der GIA-Zentrale. «Wir wollen uns die Fakten ansehen», erklärte Jasal. «Was wir hier heute sehen, ist sehr bedauerlich. Es ist wichtig, dass sich die Dinge beruhigen.»

Aus Kreisen der Opposition wurden Zweifel an der Version der Behörden zu dem Anschlag laut. Ein Mitglied des Syrischen Nationalrats, Omar Idilbi, sagte, die Explosionen seien mysteriös. Das ganze Gebiet werde schwer bewacht, es sei sehr schwierig, dort mit Fahrzeugen hineinzugelangen. Die Regierung versuche jetzt offenbar, die Anwesenheit der Beobachter für ihre Sache auszunutzen.

Konflikt hat sich in vergangenen Wochen deutlich verschärft

Nach UN-Schätzungen sind seit Beginn der Proteste im März mehr als 5000 Menschen ums Leben gekommen. Die syrische Regierung erklärte am Donnerstag in einem Brief an den Weltsicherheitsrat, dass rund 2000 Angehörige von Sicherheitskräften getötet worden seien. In den vergangenen Wochen hatte sich der Konflikt deutlich verschärft. Abtrünnige Soldaten schlossen sich der Opposition an und liefern sich immer wieder schwere Gefechte mit den Regierungstruppen.

Die Beobachtermission der Arabischen Liga soll überprüfen, ob die syrische Regierung wie zugesagt ihre Truppen zurückzieht und das brutale Vorgehen gegen Oppositionelle einstellt. Der Zeitpunkt der Anschläge «wird von der Opposition sicherlich mit Argwohn gesehen», sagte der Analyst David Hartwell vom Informationsdienst Jane's. Dass die Anschläge mit dem Besuch der Beobachter zusammen fielen, sei in den Augen der Regierungskritiker «mehr als nur ein bisschen zufällig».

Angesichts der andauernden Gewalt verschärfte Kanada seine Sanktionen gegen Syrien. Vermögenswerte der Regierung in Damaskus würden eingefroren und der Handel mit Syrien weitgehend verboten, sagte Aussenminister John Baird am Freitag. Die «widerliche» Welle der Gewalt müsse enden. In diesem Monat hatte Kanada seine Staatsbürger bereits aufgefordert, Syrien zu verlassen.

(ap)

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