Papst Benedikt

17. Januar 2014 21:31; Akt: 18.01.2014 13:30 Print

400 Priester entlassen – wegen Kindesmissbrauch

Neue Enthüllungen aus dem Vatikan: Papst Benedikt XVI. hat Hunderte Priester wegen sexueller Verfehlungen verstossen. Das zeigt eine Statistik.

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Benedikt verstiess 400 Priester wegen Kindesmissbrauchs. (Bild: Keystone)

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Anfang des vergangenen Jahrzehnts überrollten Vorwürfe des Kindesmissbrauchs durch ihre Geistlichen die katholische Kirche. Unter Benedikt XVI. stieg die Zahl der Amtsenthebungen von Priestern schliesslich an. «2012 waren es etwa 100, 2011 etwa 300», sagte Vatikansprecher Federico Lombardi am Samstag. Die Veröffentlichung der Zahlen ist unüblich. Hintergrund ist, dass eine Vatikan-Delegation in dieser Woche erstmals vor dem UNO-Kinderrechtsausschuss in Genf zum Missbrauch Minderjähriger in der katholischen Kirche aussagen musste.

Seit 2001 versucht die katholische Kirche, Tausende von Vorwürfen des Kindesmissbrauchs durch ihre Priester in aller Welt in den Griff zu bekommen. Eine zentrale Rolle dabei nahm der inzwischen emeritierte Papst Benedikt XVI. ein - zunächst als Kardinal und Präfekt der Glaubenskongregation, dann als Kirchenoberhaupt ab 2005. Eine Statistik des Vatikans zeigt nun, wie im Laufe der Zeit das Vorgehen gegen Priester, denen sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde, verschärft wurde.

So wurden 2011 und 2012 fast 400 Priester wegen Kindesmissbrauchs des Amtes enthoben. Es ist die aktuellste Zahl der Priester, die wegen sexueller Verfehlungen verstossen wurden. Das war eine erhebliche Zunahme gegenüber 2008 und 2009, als 170 Priester verstossen wurden.

Dokument wurde für den vatikanischen Botschafter in Genf

Damals gab der Vatikan erstmals die Zahl der Priester bekannt, die wegen diverser Sexskandale rund um die Welt ihres Amts enthoben wurden.

Das Dokument wurde für den vatikanischen Botschafter in Genf, Erzbischof Silvano Tomasi, vorbereitet, der diese Woche zu den Missbrauchsvorwürfen vor dem Menschenrechtskomitee der Vereinten Nationen Rede und Antwort stehen musste. Die AP erhielt das Dokument am Freitag.

Als Präfekt der Glaubenskongregation entschied Joseph Ratzinger 2001, dass Bischöfe in vielen Ländern nicht mit dem Kirchenrecht gegen Priester vorgingen, denen sexueller Missbrauch vorgeworfen wurde. Der Vatikan wies die Bischöfe damals an, alle einschlägigen Fälle an die Glaubenskongregation zu übermitteln. Die von Ratzinger eingeleiteten Reformen gaben den Bischöfen in jedem von der Kongregation geprüften Fall vor, wie sie vorzugehen hatten.

Erst 2005 wurden die Fälle kommuniziert

Erst 2005 - als Ratzinger Papst Benedikt XVI. wurde - begann die Kongregation, die Zahl der Fälle mitzuteilen, die ihr übermittelt wurden. In diesem Jahr waren es 21 kirchenrechtliche Verfahren. Über die dabei gefällten Urteile wurden keine Angaben gemacht.

2006 verdoppelte sich die Zahl der Verfahren auf 43 und acht Berufungsverfahren. Gemeldet wurden der Kongregation 362 Fälle.

2007 wurden 365 Fälle verzeichnet, aber wieder wurde nicht ausdrücklich gesagt, wie viele davon mit sexuellem Missbrauch zu tun hatten. Vatikankreisen zufolge waren es seit Bekanntwerden der Sexskandale in der katholischen Kirche in den USA 2002 300 bis 400 Fälle im Jahr. 2007 wurden 23 Fälle an die Diözesen mit der Anweisung zurückgeschickt, ein Verfahren zu eröffnen.

Benedikt war beschämt über Ausmass

2008 änderte sich der Umgang des Vatikans mit den Vorwürfen völlig. Benedikt reiste in die USA und erklärte, er sei beschämt über das Ausmass des Missbrauchs. Er könne es nicht fassen, wie Priester auf derart versagen könnten.

Erstmals stellte der Vatikan in jenem Jahr klar, dass Opfer sexuellen Missbrauchs durch Kirchenverfahren nicht daran gehindert würden, sich an die Polizei zu wenden. Und erstmals veröffentlichte der Vatikan 2008 die Zahl der Priester, die wegen solcher Vorwürfe verstossen wurden: 68. 191 neue Fälle wurden gemeldet.

2009 stieg die Zahl der verstossenen Priester auf 103, 223 neue Fälle wurden gemeldet - die grosse Mehrheit in Verbindung mit sexuellem Missbrauch.

Ein Skandal nach dem anderen

2010 explodierte die Zahl der Vorwürfe mit Skandalen in Europa nd anderen Teilen der Welt in die Tausende. 527 Fälle wurden der Kongregation gemeldet. Wie viele Priester des Amtes enthoben wurden, wurde nicht mitgeteilt. Das Verfahren für die Amtsenthebung wurde in diesem Jahr aber gestrafft.

2011 stieg die Zahl der verstossenen Priester auf 260, 404 neue Fälle wurden gemeldet. Gegen 419 Priester wurden in Missbrauchsverfahren Strafen unterhalb der Amtsenthebung ausgesprochen.

2012 wurden 124 Priester verstossen und 418 neue Fälle gemeldet.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Koka Kola am 17.01.2014 23:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Immerhin

    Erstmal Respekt! Man muss auch beachten, dass da eine grosse Verantwortung auf unseren "Ex"-Papst lastete, da stellten sich sicher viele Köpfe dagegen. Aber hier steht lediglich nur, dass sie entlassen wurden aber wo bleibt die wirkliche bestrafung?

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  • Mike Meier am 17.01.2014 23:46 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Kinder mehr als Ministranten

    Ich frage mich, wieso die Kirche eigentlich Kinder als Ministranten braucht. Das ist doch eine Einladung für jeden pädophil veranlagten Priester.

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  • pasrafari am 17.01.2014 23:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo!

    Bravo Benedikt. Das hätte ich der Kirche nicht zugetraut. Ein Hoffnungsschimmer.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Pizzajola am 19.01.2014 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Vierhundert?

    Vierhundert? Ich glaube, da fehlt eine Null!

  • Tommy am 18.01.2014 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Doppelstandard

    Stellt euch mal vor irgendeine andere Organisation würde erwischt, wenn ihre Angestellten einen Kindersexring in diesem Ausmass betreiben und dann würde auch noch festgestellt, dass die Organisation schon lange davon wusste und das ganze gedeckt hat. Jede Firma der Welt wäre danach als kriminelle Vereinigung dicht gemacht worden und die Täter sowie die Vertuscher, wären ein paar Jahrzehnte im Knast gelandet! Dass der Kirche das nicht passiert ist, zeigt nur wie professionell sie im manupulieren ist. Kein Wunder bei 2000 Jahren Erfahrung...

    • Christ am 18.01.2014 17:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Jajaaaaa!

      Und wieder Tommy, der AntiKirchenMissionar! Gehts dir jetzt besser? Deine Kommentare hier sind absolut pauschalisierend und populistisch!!

    • Leser am 18.01.2014 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Quatsch!!

      Die Kirche ist keine Firma...Punkt!

    • Tommy am 18.01.2014 23:19 Report Diesen Beitrag melden

      @Christ und Leser

      @Christ Ich finde Religion einfach ein interessantes und vor allem wichtiges Thema und diskutiere deshalb gern darüber. Aber natürlich erhoffe ich mir auch, dass der eine oder andere dank meinen Kommentaren realisiert, dass die Aussagen aller Religionen falsch und blinder Glaube ohne Beweise nichts Gutes sind. Da die katholische Kirche eine einzige zusammenhängende Organisation ist, kann man die ja nicht pauschalisieren, es gibt ja nur eine. @Leser: Firmen vermarkten meist reale Produkte und sind meist nicht ganz so gut im Marketing. Ansonsten besteht kein Unterschied.

    • hausi am 18.01.2014 23:43 Report Diesen Beitrag melden

      Lustig

      Das tönt lustig! Gaube ohne Beweis! Wenn etwas bewiesen ist braucht man es nicht mehr zu glauben. Oder??

    • Tommy am 19.01.2014 00:00 Report Diesen Beitrag melden

      @Hausi

      Werte, politische Ideen etc. sind auch nicht einfach richtig oder falsch, also muss man an das eine oder andere "glauben". Aber andere Dinge wie z.b. die Evolution sind einfach bewiesene Fakten! Und wer etwas anderes glaubt macht sich nur lächerlich! Was die Existenz Gottes angeht, so kann sie nicht widerlegt werden, aber sie ist trotzdem unglaublich unwahrscheinlich. Genau wie die Frage nach der Existenz von Kobolden, Feen oder Santa Claus.

    • Hausi am 19.01.2014 09:15 Report Diesen Beitrag melden

      Risiko

      Nein! Die Evolution ist eine Theorie. Man nennt sie sogar so. Und bewiesen ist da also gar Nichts. Es wird ja auch nicht von der Mathematiktheorie gesprochen. Und ich halte die Existenz Gottes für sehr, sehr wahrscheinlich. Und was machen sie am Ende ihrer Tage wenn sich herausstellt dass doch alles wahr ist. Dass dieses "Restrisiko" besteht haben sie ja soeben eingeräumt. Das könnte ganz schön blöd ausgehen. Nicht?

    • Steve am 19.01.2014 14:29 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig, falsch...Tolleranz?

      @Tommy!Im gegensatz zu ihnen versuche ich niemandem meine Meinung aufzuzwingen. Aber ihre Aussagen sind total paradox. Sie wissen aber, dass man erst glauben muss um etwas zu wissen? Denn ihre faktisch-bewiesen Evolutionstheorie hat viele Lücken. Diese Evolutionstheorie ist nur eine Theorie, die nach dem Materialistischen Weltbild aufgestellt wurde. Da ist gar nichts bewiesen, das ist eine Behauptung=pseudowissenschaft. Versuchen sie mal richtig logisch zu denken und nicht einfachso wies zu ihrem Weltbild passt. Mit Worten kann man je nach interpretation, alles verdrehen und zurechtbiegen ;)

    • Pit Rorschach am 19.01.2014 16:00 Report Diesen Beitrag melden

      @Alle:

      Religion ist Opium fürs Volk.

    • Isabel am 19.01.2014 19:42 Report Diesen Beitrag melden

      Wissenschaft ist nicht komplett bewiesen

      Lieber Tommy Auch die Evolution ist nicht vollständig bewiesen, auch diese These ist rein hypothetisch...Warum heisst es wohl Evolutionstheorie? Ebenfalls ist das Atommodel nicht bewiesen, rein hypothetisch, allerdings geht das Model ziemlich genau auf... Wissenschaft und Glaube sind zudem sehr wohl vereinbar. Ohne Glaube, dass eine Idee funktionieren könnte, wären wir niemals so weit gekommen, wo wir jetzt sind. Zudem waren praktisch alle vergangenen Wissenschaftler sehr gottesfürchtige Menschen.

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  • Ralph Barilla am 18.01.2014 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Wundert sich...

    eigentlich jetzt noch jemand, warum Benedikt XVI. aus dem Amt gemobbt wurde?

  • Peter S. am 18.01.2014 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Pädophil? Nein! Kunderschänder!

    Wieso reden hier alle von "Pädophilen"?! Pädophil beduetet auf griechisch soviel wie "Kinderliebend/Kinderfreundschaft" und impliziert in keinster Weise eine Straftat! Nennen wir darum diese Schwerstverbrecher beim Namen: Kinderschänder! "Pädophil" wirkt und tönt verharmlosend, ja geradezu "süss"! Das darf nicht sein!

  • Hans Willi am 18.01.2014 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Relationen

    In der Schweiz werden jedes Jahr, laut Kriminalstatistik, 1200 bis 1300 Fälle von Kindsmissbrauch registriert. Ohne jetzt von der Taten der Prieter ablenken zu wollen: Es würde mich schon mal interessieren welchen "Vereinen" alle diese Täter angehören. Die Katholische Kirche können es wohl kaum mehr sein. Davon hätte man bestimmt sofort gehört oder gelesen.

    • Timon am 18.01.2014 14:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Stimmt!

      90% der Übergriffe geschehen durch Eltern, Verwandte oder Bekannte des Kindes und werden häufig nicht aufgedeckt auch weil der Mythos des Fremdtäters die Wahrnehmung prägt - oder bestraft, und die Opfer erhalten keine Betreuung (Bericht Kindesmisshandlung in der Schweiz). Gemäss Schätzungen gehen 84% der Fälle von Inzest durch Familienmitglieder auf Übergriffe von Vätern an Töchtern zurück. (Ziegler, 2005)

    • Tommy am 18.01.2014 14:54 Report Diesen Beitrag melden

      Moral der Kirche

      Meist sind die Missbraucher Vertrauenspersonen der Opfer, also Verwandte, Bekannte, Lehrer oder eben Priester. Wobei es meiner Meinung nach schon einen Unterschied macht, ob man 2 Stunden bevor man einen kleinen Jungen missbraucht noch gegen ausserehelichen Sex und Homosexualität predigt. Was natürlich nicht heissen soll, dass Kindsmissbrauch sonst nicht schlimm ist. Aber andere Pädos spielen sich wenigstens nicht als moralische Instanz auf und werden auch nicht von einer der grössten und reichsten Organisationen der Welt gedeckt.

    • Franz K. am 18.01.2014 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tommy Falsch!

      Es sind eben in den meisten Fällen NICHT Priester oder Lehrer! Du behauptest Blödsinn!!

    • Tommy am 18.01.2014 23:14 Report Diesen Beitrag melden

      @Franz K.

      Eben in den meisten Fällen sind es Verwandte oder Bekannte der Familie, sicher viel öfter als Priester und Lehrer. Ich behaupte ja gar nichts anderes. Ich habe gesagt es seien meist Vertrauenspersonen, die das Kind kennt. Nur um zu zeigen, dass die verbreitete Vorstellung vom fremden Mann mit den Süssigkeiten und dem fensterlosen Van nicht stimmt.

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