Polizei-Pressekonferenz

01. Dezember 2011 12:25; Akt: 01.12.2011 15:23 Print

420 Ermittler jagen braune Terrorhelfer

von N. Demuth und S. Lange, dapd - Das Bundeskriminalamt will den Fahndungsdruck erhöhen und bei der Terrorbekämpfung die Bevölkerung zur Hilfe aufrufen. Zusätzliche Beamte sollen Hinweisen nachgehen.

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Die Jagd nach den Tätern der Neonazi-Mordserie geht in eine neue Phase. Die Deutsche Bundesanwaltschaft und das Bundeskriminalamt veröffentlichten am 1. Dezember in Karlsruhe Fahndungsplakate und riefen die Bevölkerung zur Hilfe auf. «Jeder Hinweis ist uns wichtig», sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke. Bislang seien nur etwa 240 Tipps aus der Bevölkerung eingegangen. Der BKA-Chef will ausserdem die Zahl der Ermittler weiter aufstocken.

Das Fahndungsplakat zeigt Fotos der mutmasslichen Terroristen Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe. Mit dem Aufruf wollen die Ermittler auch weitere Hintergründe rund um die rechtsextreme Terrorzelle «Nationalsozialistischer Untergrund» (NSU) aufdecken. Sie fragen, wer die Personen wo gesehen hat. Dadurch erhoffen sie sich Hinweise auf weitere Unterstützer oder Kontaktpersonen des Trios. Abgebildet ist auch das Modell eines Wohnmobils, das von den mutmasslichen Tätern genutzt worden sein soll. Auf einer Pressekonferenz in Karlsruhe präsentierten die Ermittler zahlreiche Waffen, die bei den Terrortaten zum Einsatz gekommen sein sollen.

Generalbundesanwalt Harald Range erklärte, die Ermittler versprächen sich «von dieser Massnahme wertvolle Hinweise aus der Bevölkerung». Die Öffentlichkeitsfahndung sei ein wirkungsvolles Instrument bei der Ermittlung der Hintergründe. Durch die Fahndung könnten Spuren ans Licht kommen, «die uns ansonsten verborgen bleiben könnten». Auf das Konto des Trios und seiner Unterstützer gingen auch mehrere Banküberfälle, mit denen sie ihre Verbrechen finanzierten, wie Range erklärte. Die mutmasslichen Täter hätten nach bisherigen Kenntnissen aus rechtsradikalen Motiven Menschen ermordet und schwer verletzt.

Gruppe ging ganz gezielt vor

Ziercke sprach erneut von einer Terrorzelle, die bundesweit gemordet habe. Um die Hintergründe ermitteln zu können, «benötigen wir die Unterstützung der Öffentlichkeit.» Das Trio habe unterschiedliche Namen, falsche Pässe und Bahncards benutzt. Die drei hätten zudem mehrere Wohnungen angemietet. «Dafür hatten sie Helfer und Unterstützer», sagte Ziercke. Man wisse derzeit von drei Wohnungen im Raum Zwickau. Es gebe aber noch zeitliche Lücken. Die mutmasslichen Täter hätten nicht nur im Verborgenen gelebt, sondern auch «am normalen Leben teilgenommen». So hätten sie sich auf Campingplätzen an der Ostsee aufgehalten, mehrere Fahrzeuge und auch Fahrräder angemietet.

Ziercke erklärte, derzeit würden mehr als 2500 Beweismittel ausgewertet, 420 Polizisten seien mit den Ermittlungen befasst. «Ich habe die Länder um weitere Unterstützung gebeten», sagte der BKA-Chef. Er habe 50 weitere Beamte aus den Ländern angefordert und werde «erneut um weitere 50 Beamte bitten müssen». Aus den bisherigen Ermittlungen schliesse man, «dass die Terrorzelle eigentlich nichts dem Zufall überlassen wollte». Ein weiterer mutmasslicher Terrorhelfer ist laut «Bild» bereits im Visier der Ermittler, doch es fehlten noch Beweise für eine Festnahme.

Die Bundesanwaltschaft ermittelt seit dem 11. November gegen mutmassliche Mitglieder und Unterstützer der terroristischen Vereinigung «Nationalsozialistischer Untergrund». Die Gruppierung soll bundesweit für neun Morde an Kleinunternehmern türkischer und griechischer Herkunft in den Jahren 2000 bis 2006, den Mordanschlag auf zwei Polizisten in Heilbronn im April 2007 und zwei Bombenanschläge in Köln 2001 und 2004 verantwortlich sein. Derzeit befinden sich vier Beschuldigte in Untersuchungshaft.