Proteste

10. Juni 2019 02:14; Akt: 10.06.2019 08:37 Print

500 Festnahmen bei Wahlen in Kasachstan

Kassym-Schomart Tokajew hat die Präsidentenwahl in Kasachstan gewonnen. Die Wahl wurde von Protesten begleitet.

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Nicht genehmigte Kundgebungen währen der Wahl in Kasachstan: Polizisten nehmen einen Demonstranten fest. (9. Juni 2019) (Bild: AFP/Vyacheslav Oseledko)

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In der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik Kasachstan an der Grenze zu China hat Übergangspräsident Kassym-Schomart Tokajew die Wahl zum Staatsoberhaupt wie erwartet gewonnen. Die Wahlkommission sprach dem 66-Jährigen am Montag 70,76 Prozent der Stimmen zu.

Er hatte erst im März die Nachfolge von Langzeitherrscher Nursultan Nasarbajew angetreten. Er wollte sich offiziell ins Amt wählen lassen. Tokajew, der von März 2011 bis Oktober 2013 Generaldirektor des Uno-Sitzes in Genf war, gilt als Vertrauter Nasarbajews. Dieser hatte bei seiner letzten Wahl 2015 noch etwa 97 Prozent der Stimmen geholt.

Mit einem Wahlsieg Tokajews war gerechnet worden. Die Abstimmung in der autoritär regierten Ex-Sowjetrepublik wurde jedoch von Protesten begleitet.

Hunderte Festnahmen

Dabei sind Hunderte Menschen festgenommen worden. Das Innenministerium nannte der Staatsagentur zufolge die Zahl von etwa 500 Festgenommenen. Nicht genehmigte Kundgebungen habe es in der Hauptstadt Nur-Sultan (früher Astana) und in Almaty gegeben. Die Demonstranten hätten versucht, die Lage am Wahltag zu destabilisieren. Von mehreren Tausend Demonstranten war die Rede.

Im Kurznachrichtendienst Twitter wurden Bilder und Videos verbreitet, auf denen zu sehen war, wie die Polizei gegen Protestierende vorgeht. Zu sehen ist ein massives Polizeiaufgebot und wie sich Menschen gegen ihre Festnahme wehren. Bereits vor Wahl hatte es in dem ölreichen Staat vereinzelt Proteste gegeben.

Tokajew will den Kurs seines Vorgängers fortsetzen. Nasarbajew hatte erst im Februar die Regierung entlassen und sie für wirtschaftliche und soziale Probleme in dem zwischen Russland und China gelegenen Land verantwortlich gemacht. Er versprach Reformen, um die Lebensqualität der Menschen zu verbessern.

«Kaum eine Wahl»

Die fast zwölf Millionen Wähler konnten unter insgesamt sieben Bewerbern entscheiden. «Man kann das kaum eine Wahl nennen», sagte Asien-Experte Dijar Autal von der amerikanischen Eliteuniversität Harvard der Nachrichtenagentur DPA. Die wenigen Kandidaten stammten von politischen Parteien, die von der Regierung kontrolliert würden. «Unter Tokajew wird das Land wahrscheinlich genauso autoritär bleiben wie unter Nasarbajew.»

Viele hätten mit der Wahl die Hoffnung auf Veränderungen verbunden, sagte ein Rentner auf dem Weg zum Wahllokal in Almaty. «Echte Reformen wird es aber auch unter Tokajew nicht geben», sagte er der DPA. «Er ist wahrscheinlich nur ein Übergangspräsident, der einige Dinge in die Wege leiten wird.»

Besonders die jüngere Generation habe genug von System Nasarbajew, sagte ein 34 Jahre alter Taxifahrer. «Das jetzige System ist korrupt, und die Machtelite bereichert sich immer mehr.» Er hoffe, der neue Präsident nutzt die Chance und löse das Parlament auf, ändere die Verfassung und ziehe die bisherigen Politiker zur Verantwortung.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Wilhelm am 10.06.2019 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Freie Schweiz

    Es ist sehr sarkastisch und völlig daneben aus der wohlhabenden und demokratischen Schweiz in der wir in Sicherheit leben, zu schreiben dass die Demonstranten nichts anderes verdient haben und die sich nur an die gesetzte des Landes halten sollen. In Ländern zu leben in denen Diktatoren und despoten das sagen haben hat Meinungsfreiheit keine Chance!

  • MadChengi am 10.06.2019 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Die goldenen Horden sind gleich nebenan

    Kasachstan ist ein wildes rauhes Land, so auch die Bevölkerung. Die goldene Horde kam einst aus der Region!Ein Wunder überhaupt, dass Naserbajew "freiwillig" abgetreten ist. China und Russland haben ein Interesse das geostrategisch wichtige Land das auch über reichhaltige Bodenschätze verfügt für ihre Interessen sagen wir mal gefügig zu machen.

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  • Marco am 12.06.2019 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht empfehlenswert

    Die Demonstranten vieler Laender wissen was ihnen blueht. Saudiarabien, Nordkorea, China, ...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Marco am 12.06.2019 22:07 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht empfehlenswert

    Die Demonstranten vieler Laender wissen was ihnen blueht. Saudiarabien, Nordkorea, China, ...

  • Stefan am 12.06.2019 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Almaty

    Ich bin momentan in Kasachstan (Almaty)! Hier haben viele Angst und gehen seid 3 Tagen demonstrieren und blockieren Strassen! Für heute 14 Uhr ist ein grosses Demo angekündigt! Mehrere Strassen werden gesperrt! Nach diesen Ankündigung wurde Internet gesperrt! Schauen wir mal was weiter hier passiert.

    • Bartli am 12.06.2019 16:29 Report Diesen Beitrag melden

      Viel Glück

      Sie bleiben dem hoffentlich fern, wäre ratsam

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  • MadChengi am 10.06.2019 12:25 Report Diesen Beitrag melden

    Die goldenen Horden sind gleich nebenan

    Kasachstan ist ein wildes rauhes Land, so auch die Bevölkerung. Die goldene Horde kam einst aus der Region!Ein Wunder überhaupt, dass Naserbajew "freiwillig" abgetreten ist. China und Russland haben ein Interesse das geostrategisch wichtige Land das auch über reichhaltige Bodenschätze verfügt für ihre Interessen sagen wir mal gefügig zu machen.

    • Geld kauft alles am 10.06.2019 20:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MadChengi

      Und die Alternative? War vor vier Jahren in Kasachstan. Die Saudis sind massiv am Moscheen bauen und nehmen zunehmend Einfluss. Wenn man könnte würde ich Fotos anhängen.

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  • Wilhelm am 10.06.2019 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Freie Schweiz

    Es ist sehr sarkastisch und völlig daneben aus der wohlhabenden und demokratischen Schweiz in der wir in Sicherheit leben, zu schreiben dass die Demonstranten nichts anderes verdient haben und die sich nur an die gesetzte des Landes halten sollen. In Ländern zu leben in denen Diktatoren und despoten das sagen haben hat Meinungsfreiheit keine Chance!

  • Geissenpeter am 10.06.2019 09:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    500 Festnahmen

    und wieso? Weil es eine illegale Demo war! Respekt. So geht man mit Leuten um die aufs Gesetz pfeiffen. Nicht wie bei uns. Walten lassen in der Hoffnung sie ändern sich. Einem Kind, das man nicht die Grenzen aufzeigt wird nie lernen was es darf und was nicht. In unserer Gesellschaft gilt das auch für Erwachsene.

    • Marco am 10.06.2019 10:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Geissenpeter

      Tolle Aussage! Sie sollten Kasachstan mal besuchen und mit den Leuten reden. Die haben allen Grund um gegen die Elite zu demonstrieren. Nur wird das halt verboten weils dem Präsidenten nicht passt. Die Armen haben da nichts zu sagen. Die sind der Regierung einfach unangenehm. Ich habe mal eine Zeit lang dort gearbeitet und bin froh wieder in der Schweiz sein zu dürfen.

    • Albi am 10.06.2019 10:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Geissenpeter

      Aber leider sind diese demonstranten keine kinder, die nicht wissen was abläuft,nein, diese demonstranten sind erwachsene menschen die genau wissen was da oben abgeht, und die nicht tatenlos zusehen wollen. Vergleichen sie nicht ein kasachstan mit der schweiz, den der schweiz und ihren bürgern geht es gut, was man von kasachstans bevölkerung nicht behaupten kann, obwohl Kasachstan ein sehr reiches land ist.

    • Sitze hier in meiner Jurte ;OD am 10.06.2019 12:31 Report Diesen Beitrag melden

      @Geissenpeter

      Das sagt einer der auf einem Butter- und Käseberg hockt und real noch nie weiter als über den nächsten Hügel geblickt hat, ausser wenn er hoch hinauf auf den Misthaufen klettert und auf den Zehenspitzen steht. Dann sieht er hinunter bis ins Tal zu seinem Stammtisch von wo der Stumpenrauch aufsteigt.

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