Insider im New Yorker Knast

11. August 2019 20:46; Akt: 11.08.2019 22:48 Print

6 Gründe, die gegen Epsteins Suizid sprechen

Als ein ehemaliger Insasse des Manhattan Correctional Center vom mutmasslichen Selbstmord des Financier Jeffrey Epstein hörte, war seine erste Reaktion: «Keinesfalls!»

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Die Autopsie des Leichnams des US-Multimillionärs Jeffrey Epstein hat am 16. August 2019 bestätigt, dass der 66-Jährige Suizid begangen hat. Der angeklagte Epstein habe sich laut dem offiziellen Obduktionsbericht erhängt. Der US-Milliardär Jeffrey Epstein soll Dutzende Minderjährige sexuell missbraucht und zur Prostitution angestiftet haben. Er sass in New York im Gefängnis. In der Nacht auf Samstag, 10. August 2019, wurde der Unternehmer tot in seiner Zelle aufgefunden. Bereits zwei Wochen zuvor wurde Epstein in seiner Gefängniszelle in New York verletzt vorgefunden. Gemäss US-Medien entdeckten Wächter Epstein fast bewusstlos mit Blutergüssen am Nacken. Kurz vor seinem Tod soll er einen ersten Selbstmordversuch unternommen haben und daraufhin unter «Selbstmordwache» gestellt und in einen anderen Trakt verlegt worden sein. Trotzdem stand Epstein zum Zeitpunkt seines Todes nicht unter besonderer Beobachtung. Dies, weil das Sondersetting kurz zuvor aufgehoben wurde. US-Justizminister William Barr sprach von «schweren Unregelmässigkeiten» in der Haftanstalt. Michelle Licata (rechts) und Courtney Wild sind zwei seiner Opfer. Epstein soll die beiden sexuell missbraucht haben, als sie noch minderjährig waren. Einige der Mädchen sollen bei den Übergriffen erst 14 Jahre alt und «höchst anfällig für Ausbeutung» gewesen sein: Opfer-Anwalt David Boies spricht vor den Medien. Die Übergriffe fanden zwischen 2002 und 2005 in Epsteins Immobilien in New York (im Bild), Palm Beach und an anderen Orten statt. Bei der Durchsuchung eines Tresors in Epsteins Anwesen in Manhattan wurden mehrere Datenträger mit Nacktfotos von augenscheinlich minderjährigen Mädchen beschlagnahmt. Epstein war am 6. Juli 2019 mit seinem Privatjet aus Frankreich kommend nach der Landung in New Jersey festgenommen worden. Es ist nicht das erste Verfahren gegen Epstein. Eine Staatsanwaltschaft in Florida war 2008 einen umstrittenen Deal eingegangen. Epstein bekannte sich schuldig, Klienten mit minderjährigen Prostituierten versorgt zu haben, und sass eine Gefängnisstrafe von 13 Monaten ab. (27. Juli 2006) Im Gegenzug wurde ihm ein Verfahren vor einem Bundesgericht erspart. Mehrere Frauen hatten ihm Missbrauch vorgeworfen. (Archivbild) Epstein zählte früher unter anderem den heutigen US-Präsidenten Donald Trump, Ex-Präsident Bill Clinton und Prinz Andrew zu seinen Freunden. Vor dem Gerichtsgebäude in New York protestierten am 8. Juli 2019 zahlreiche Frauen gegen Jeffrey Epstein.

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Das Personal des Manhattan Correctional Center fand Jeffrey Epstein am Samstagmorgen bewusstlos in seiner Haftzelle. Er wurde mit der Ambulanz ins Spital gebracht, dort stellten die Ärzte seinen Tod fest. Der 66-Jährige, der Dutzende Mädchen missbraucht und zum Sex mit anderen Männern gezwungen haben soll, habe sich in seiner Zelle erhängt, erzählten anonyme Quellen der «Washington Post».

Keinesfalls! Es sei schlicht unmöglich, sich in diesen Zellen umzubringen, sagte ein ehemaliger Sträfling, der mehrere Monate in der Abteilung für prominente Gefangene der New Yorker Haftanstalt verbracht hatte. In einer solchen Zelle sass auch Epstein. Der Mann, der anonym bleiben wollte, schilderte gegenüber «The New York Post», unter welchen Bedingungen die Insassen dort gehalten werden.

Die Höhe der Decken

Der Abstand zwischen dem Boden und der Decke in der Zelle betrage etwa 2,4 bis 2,7 Meter, behauptet der Ex-Insasse. «Und es gibt keine Möglichkeit, sich an irgendetwas festzuhalten.»

Zu dünne Laken

Auf den Betten gebe es zwar Bettlaken, doch «die sind fast so dünn wie Papier». Der Stoff sei nicht stark genug, um einen Mann zu halten. «Epstein wog über 90 Kilo. Die Laken wären gerissen, hätte er sich damit erhängen wollen.»

Zwangsjacke gegen Verletzungen

Die Insassen, die wegen Suzidgefahr unter ständiger Beobachtung stehen, tragen einen weissen Kittel, eine Art Zwangsjacke. Damit stellten die Gefängnisbehörden sicher, dass sich diese Insassen keine Verletzungen selbst zuführen, so der Insider.

(Anmerkung der Redaktion: Der Ex-Gefangene geht davon aus, dass Epstein unter Beobachtung stand. Doch zahlreiche US-Medien, darunter die «New York Times», schreiben, dass die Gefängnisbehörden am 29. Juli den Befehl gaben, die besondere Bewachung für Epstein zu unterbrechen. Stattdessen besuchte der Chefpsychologe der Haftanstalt den inhaftierten Milliardär jeden Tag.)

Bett festgeschweisst

Auch das Stahlbett in der Zelle biete keine Möglichkeit, sich selbst zu verletzen. Es lässt sich nicht bewegen, hat keinen Rahmen und keine Balken.

Nur weiche Materialien

«Sie sehen zu, dass du nichts bekommst, mit dem du eine Waffe herstellen könntest», erzählt der Mann weiter. Möchte ein Insasse einen Brief schreiben, zum Beispiel, erhalte er einen Bleistift aus Gummi. «Und höchstens einmal pro Woche gibt es ein Stück Papier.» Nichts in der Zelle sei hart oder aus Metall.

Immer ein Wächter in der Nähe

Alle neun Minuten schaut ein Wächter bei der Zelle vorbei - egal ob man wegen Suizidgefahr beobachtet wird oder nicht. «Du bist wie ein Tier im Käfig», sagt der Insider. Die Wächter würden die Gebrechlichkeit der Häftlinge ausnützen, «um sie noch mehr zu brechen», sagt der Mann. Dennoch ist er der Meinung, dass sich Jeffrey Epstein nicht selbst das Leben genommen hat. «Das ist einfach unmöglich.»

(kle)