19. April 2005 15:01; Akt: 19.04.2005 15:05 Print

640 Jahre Haft für argentinischen Junta-Offizier

Wegen Menschenrechtsvergehen unter der Militärdiktatur in Argentinien (1976-83) ist der Ex-Offizier Adolfo Scilingo in Spanien zu 640 Jahren Haft verurteilt worden.

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Der Nationale Gerichtshof in Madrid sah es am Dienstag als erwiesen an, dass der ehemalige Marine-Offizier an den «Todesflügen» und anderen Vergehen gegen die Menschenrechte beteiligt gewesen war.

Scilingo erhielt je 21 Jahre Haft für 30 Morde an Oppositionellen, 5 Jahre für willkürliche Gefangennahmen und weitere 5 Jahre für Folterungen. Neben den 30 Morden waren ihm 255 «terroristische» Delikte und Folter in 283 Fällen vorgeworfen worden.

Dafür hatte die Staatsanwaltschaft insgesamt mehr als 6600 Jahre Gefängnis gefordert. Wegen Völkermords, Terrorismus und Verbrechen gegen die Menschlichkeit forderte die Anklage ferner mehr als 9100 Jahre Haft.

Das Urteil hat historische Bedeutung: Es handelt sich um den ersten Schuldspruch gegen ein Mitglied der Militärjunta ausserhalb Argentiniens.

Scilingo war 1997 nach Spanien gereist. Auf Betreiben von Untersuchungsrichter Balthasar Garzón wurde er unter Hausarrest gestellt; seit dem Jahr 2001 ist er in der Nähe von Madrid inhaftiert.

1990 war Scilingo in Abwesenheit in Frankreich wegen der Entführung zweier französischer Nonnen, die vermutlich getötet wurden, zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden in Argentinien zur Zeit der Militärjunta bis zu 30 000 Menschen verschleppt, gefoltert und ermordet.

(sda)