Afghanistan

15. Juli 2014 12:59; Akt: 15.07.2014 20:36 Print

90 Tote bei Selbstmordanschlag

Wenige Monate vor dem Abzug der internationalen Kampftruppen aus Afghanistan erschüttern zwei Anschläge das Land. Die Sicherheitslage ist äusserst instabil.

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Ein Selbstmordanschlag in Afghanistan fordert mindestens 89 Menschenleben. (Bild: AFP/Pajhwok News Agency)

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Beim schwersten Selbstmordanschlag in Afghanistan seit Jahresbeginn sind im Südosten des Landes am Dienstag Dutzende Menschen getötet worden, die meisten davon Zivilisten.

Die Taliban dementierten jede Beteiligung am Anschlag, der mitten im Fastenmonat Ramadan stattfand.

Der Sprecher des Verteidigungsministeriums in Kabul, Sahir Asimi, sagte, der Attentäter habe auf einem belebten Markt 89 Menschen mit in den Tod gerissen. Er berief sich dabei auf Truppen vor Ort, die die Rettungsarbeiten leiteten. Ein mit Sprengstoff beladenes Auto sei in die Menge gerast und zwischen den Ständen explodiert, erklärten die Behörden

Der Präsidentenpalast meldete dagegen 41 Tote beim Anschlag auf dem Basar in der Provinz Paktika. Die Mission der Vereinten Nationen in Afghanistan (Unama) berichtete von 43 getöteten Zivilisten, darunter 8 Kinder. Nach Angaben des Präsidentenpalastes wurden 28 Menschen verletzt, laut Verteidigungsministeriums waren es 42. Die Unama meldete dagegen 95 verletzte Zivilisten.

Taliban distanzieren sich von Tat

Die islamisch-fundamentalistischen Taliban verurteilten die Tat. Das steht Unama-Statistiken gegenüber, wonach die Aufständischen für rund drei Viertel der zivilen Opfer im Afghanistan-Konflikt verantwortlich sind.

Der Gouverneur des Distrikts Orgun, Mohammad Resa Kharoti, sagte, unter den Toten seien auch mindestens zwei Polizisten. Der Attentäter habe sich in der Distrikthauptstadt Orgun in einem Auto in die Luft gesprengt, als Polizisten ihn an einem Checkpoint am Basar gestoppt hätten.

Kharoti sagte, die Explosion habe die ganze Umgebung erschüttert. «Die Gegend ist voller Blut.» Teile des Basars seien zerstört worden. Das staatliche Spital sei angesichts der vielen Verletzten überfüllt. Das Verteidigungsministerium schickte zwei Helikopter und acht Krankenwagen, um Verletzte in Militärspitäler zu bringen.

Bombenanschlag auch in Kabul

Bei einem Bombenanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul wurden zwei Mitarbeiter der Pressestelle des Präsidentenpalastes getötet. Fünf weitere Mitarbeiter des Presseamtes seien verletzt worden, als ihr Fahrzeug in eine Sprengfalle geraten sei, teilte die Polizei mit. Aus dem Palast hiess es, bei den Toten habe es sich um einen Techniker und einen Kameramann gehandelt.

Die Taliban bekannten sich zu dieser Tat und teilten mit, Ziel seien Mitarbeiter der Pressestelle gewesen. Vor dem Auslaufen des Nato-Kampfeinsatzes Ende des Jahres hat die Gewalt in Afghanistan wieder deutlich zugenommen.

Anhaltende politische Ungewissheit

Zugleich sorgt für Unsicherheit im Land, dass immer noch kein Sieger der Präsidentenwahl feststeht, deren erste Runde vor mehr als drei Monaten stattfand. Am vergangenen Samstag einigten sich die beiden Kandidaten Abdullah Abdullah und Aschraf Ghani darauf, alle 8,1 Millionen Stimmen der Stichwahl vom 14. Juni erneut auszählen zu lassen.

Vermittelt hatte den Kompromiss in Kabul US-Aussenminister John Kerry. Damit war das befürchtete Scheitern der ersten demokratischen Machtübergabe in der Geschichte Afghanistans abgewendet worden. Die Neuauszählung wird nach Schätzung der Wahlkommission mindestens drei Wochen dauern.

(sda)