Syrien

16. November 2019 19:20; Akt: 17.11.2019 11:37 Print

Aargauer Jihadi befahl Beauty-OP für IS-Kämpfer

Der Aargauer Jihadist Thomas C. bildete drei Teams für Anschläge in Deutschland aus. Zwei IS-Kämpfern befahl er einen kosmetischen Eingriff.

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Der Aargauer Thomas C. arbeitete an der Planung eines Anschlags in Deutschland. Dafür bildete er drei Hit-Team in Raqqa aus. Zum ersten Team gehörten Adnan Sutkovic aus Bremen (im Bild) und Zulhajrat Seadini aus Hamburg. Sutkovics Gesicht war in einem Propaganda-Video des IS aus 2015 erschienen. Auch Seadinis Aussehen war den Behörden bekannt. Darum wies der Schweizer Jihadist die beiden deutschen IS-Kämpfer an, ihr Äusseres zu verändern. Die beiden Norddeutschen reisten im Oktober 2016 in die Türkei und unterzogen sich einer Haartransplantation. Sei wurden von den Behörden dennoch erkannt und verhaftet. Der in Nussbaumen AG geborene Thomas C. bildete ausserdem die IS-Attentäter von Paris und Brüssel an den Waffen aus. Ausserdem leitete er ein Foltergefängnis der Terrormiliz in Manbij. Die Grenzstadt in Nordsyrien stand ab 2014 zwei Jahre unter der Herrschaft des IS. Im Innenhof des Gefängnisses von Manbij, das vor dem IS ein Hotel war, fanden sich bis letztes Jahr noch zahlreiche Folterinstrumente der Jihadisten. Dank seiner guten Kontakte zum höchsten Chef im IS-Geheimdienst Amniyat und seiner exzellenten Sprachkenntnisse ist der Schweizer zunehmend involviert in die Planung von IS-Attacken im Ausland: In Raqqa ... ... bildet er mindestens Brahim Abdeslam aus, einen der Attentäter von Paris (im Bild). Am 13. November 2015 setzt der IS seinen Plan in die Tat um. Insgesamt 130 Menschen sterben in Paris. Ein halbes Jahr später schlagen IS-Terroristen in Brüssel zu. Zwei von ihnen dürften «Bild» zufolge ebenfalls von Thomas C. in Syrien trainiert worden sein. 32 Menschen sterben an jenem 22. März 2016.

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Der Schweizer Jihadist Thomas C. bildete in Raqqa die späteren Attentäter von Paris (November 2015 - 130 Tote) und Brüssel (März 2016 - 32 Tote) aus. Der Aargauer arbeitete zudem an der Planung eines Anschlags in Deutschland.

Wie die «Bild»-Zeitung berichtet, sollten dafür drei von Thomas C. trainierte Terror-Gruppen getarnt nach Deutschland einreisen und vermutlich zeitgleich an verschiedenen Orten zuschlagen.

C. befahl einen kosmetischen Eingriff

Zu den Ersten dieser Gruppe gehörten Adnan Sutkovic aus Bremen und Zulhajrat Seadini aus Hamburg. Der Schweizer Jihadist wies die beiden deutschen IS-Kämpfer an, ihr Äusseres zu verändern. Sutkovics Gesicht war in einem Propaganda-Video des IS aus 2015 erschienen und auch Seadinis Aussehen war den Behörden bekannt.

Die beiden Norddeutschen reisten im Oktober 2016 in die Türkei ein und unterzogen sich einer Haartransplantation. Anti-Terror-Einheiten erkannten Sutkovic und Seadini trotzdem und verhafteten sie. Damit war das erste der drei Hit-Teams abgefangen worden.

Alle drei Teams scheiterten

Wie «Bild» weiter schreibt, trainierte C. weitere Attentäter in Raqqa. Im zweiten Hit-Team waren Dominik W. aus Hildesheim und Mohammed A., der eine Zeit lang in Hamburg gelebt hatte. Aber auch diese Gruppe scheiterte: Dominik W. wurde 2017 in Syrien getötet, Mohammed A. von Kämpfern der kurdischen YPG-Miliz gefangen genommen.

Eine dritte Terrorzelle, die laut «Bild» C. zusammenstellte, wurde nie identifiziert. Es ist unklar, wer ihre Mitglieder sind und ob diese versprengt, verhaftet, tot oder lebendig sind.

Wo ist Thomas C.?

Thomas C. wuchs in Nussbaumen im Kanton Aargau auf. Er zählte zu den frühen westlichen Jihadreisenden, als er 2013 zum IS nach Syrien kam. Rasch stieg C. die «Karriereleiter» hoch, wie 20 Minuten berichtete. Als «Emir» leitet der Aargauer den IS-Geheimdienst in Manbij.

Ab Frühsommer 2014 war Thomas C. zunehmend involviert in die Planung von IS-Attacken im Ausland. Als das IS-Kalifat 2019 zusammenbrach, war der Schweizer spurlos verschwunden.

Da sein Aufenthaltsort nicht bekannt ist, wird in der Schweiz ein Verfahren gegen ihn eingestellt. Offiziell gilt der Aargauer als tot. Doch Beobachter der Jihad-Szene, die sich eng mit dem Schweizer befassen, haben Zweifel. Sie bestätigen gegenüber 20 Minuten: «Wir gehen davon aus, dass Thomas C. noch lebt.»

(kle)