Luxus-Probleme

14. Februar 2011 12:06; Akt: 14.02.2011 15:06 Print

Abramowitsch ist ärmer geworden

«Nur» um 100 Millionen Dollar konnte Roman Abramowitsch scheinbar sein Vermögen im letzten Jahr mehren. Damit rutscht er vom dritten auf den fünften Platz der reichsten Russen ab.

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Derzeit die Nummer 1 unter den schwerreichen Russen: Wladimir Lissin, Stahlbaron, verfügt gemäss der «Finans»-Liste über ein Vermögen von 28,3 Milliarden Dollar - fast 10 Milliarden mehr als noch 2009. Michail Prochorow, Onexim-Investmentgruppe, ist 22,7 Mrd. Dollar schwer: Platz 2. Neu auf Platz 3 ist Alisher Usmanow, Chef der Holding Metalloinvest und Mitbesitzer des Londoner Fussballclubs Arsenal. Im letzten Jahr war er mit 12,4 Milliarden noch auf Platz 7 geführt. Oleg Deripaska (Aluminiumwerke, Autofabriken und Baufirmen): 19 Mrd. Dollar und Platz 4 (Vorjahr Platz 6). Prominenter Absteiger vom 3. auf den 5. Rang ist 2011 Roman Abramowitsch, Waisenkind und Schulabbrecher aus der Provinz, stieg während der Jelzin-Zeit zu einem mächtigen Öl- und Metalltycoon auf. Er war zeitweise Gouverneur der fernöstlichen Provinz Tschukotka. Er bringt 17,1 Milliarden Dollar auf die Waage. Der 1966 geborene Fussballfan machte 2003 durch den Kauf des englischen Fussballvereins Chelsea Furore. Sein Vermögen wird auf rund 17 Mrd. Dollar geschätzt: Platz 3. Auf Platz 6 folgt Alexej Mordaschow (Stahlkonzern Severstal): 17,05 Mrd. Dollar. Platz 7 mit 16,9 Mrd. $: Suleiman Kerimov, Beteiligungsfirma Nafta Moskau. Michail Fridman, (Alfa-Gruppe: Banken, Ölproduzenten, Telekom-Firmen) folgt auf Rang 8: 16 Mrd. Dollar. Auf Platz 9 dann Wladimir Potanin. Der Chef der Finanzholding Interros verfügt über 14,3 Mrd. Dollar. Rang 10: Vagit Alekperow (Ölkonzern Lukoil) mit 10,9 Mrd. Dollar. Er musste zwei Plätze abgeben, obwohl er laut «Finans» 200 Millionen Dollar mehr in den Büchern hat. Weitere Oligarchen: Der 1957 in der Ukraine geborene Viktor Vexelberg stieg zu einem mächtigen Öl- und Aluminiummagnaten auf. 1991 gründete er die Renova Holding. Sein Vermögen laut Bilanz (2010): 9-10 Mrd. Franken. Der ehemalige Spitzensportler Andrej Melnitschenko (*1972) kam früh auf die Liste der einflussreichsten russischen Unternehmer. Der Durchbruch gelang seiner MDM-Bank in der Rubelkrise. Vermögen laut der russischen Zeitschrift Finanz (2007): 5,9 Mrd. Dollar. Der ehemalige KGB-Offizier Alexander Lebedew (*1959) kontrolliert mit Aeroflot die grösste Fluglinie Russlands. Der Multimilliardär (Forbes 2008: 3,1 Mrd. Dollar) besitzt auch das Château Gütsch in Luzern. Nicht mehr unter den Reichsten: Michail Chodorkowski (*1963), einer der Hauptprofiteure des Wildwest-Kapitalismus in den 90er-Jahren, wurde im Herbst 2003 verhaftet, sein Yukos-Konzern zerschlagen. Hinter seiner Verurteilung zu 14 Jahren Gefängnis vermutet man politische Gründe — er war Präsident Putin wohl zu pro-westlich. Das Wirtschaftsmagazin «Forbes» schätzte sein Vermögen 2004 auf 15,2 Mrd. Dollar. Boris Beresowski gilt als einer der zwielichtigsten Oligarchen. Er verfügte über gute Kontakte zu Jelzin und stieg schnell zum reichsten Mann Russlands auf. Putin, den er zu Beginn finanziert hatte, zwang ihn ins Exil. Das Vermögen des ehemaligen Medien-Tycoons schmolz laut Forbes von 3 Mrd. Dollar 1997 auf 1 Mrd. Dollar im Jahr 2009. Wladimir Gussinski (*1952) gründete 1989 die Most-Bank und baute ein Medienimperium auf. Als er Putin zu mächtig wurde, ging er ins Exil nach Israel. Vermögen laut Forbes (2004): 310 Mio. Dollar. Juri Luschkow (*1936), hier 1999 bei einer Papst-Audienz, ist seit 1992 der quasi-allmächtige Bürgermeister Moskaus. Er gehörte schon in der Sowjetunion als Generaldirektor eines Chemiekonzerns zur Elite. Anatoli Tschubais war einer der wichtigsten Reformer der Nachsowjetzeit; seine Privatisierungen führten zur Entstehung der Oligarchenkaste — zu der er mittlerweile als Präsident des grössten Stromversorgers ebenfalls zählt. Der 1955 geborene Tschubais stieg 1994 zum Finanzminister auf, doch Ende 1995 entliess ihn Jelzin, da seine Reformen sehr unpopulär waren. Der Oppositionspolitiker führt die liberale Partei «Union der Rechten Kräfte» (SPS). Sergei Bogdantschikow (*1957) gilt als einer der fähigsten Manager Russlands. 1998 wurde der Putin-Vertraute Chef des Rosneft-Konzerns, den er nach der Yukos-Zerschlagung zum drittgrössten russischen Ölkonzern aufbaute.

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Laut der am Montag veröffentlichten Liste der russischen Zeitschrift «Finans» rutschte Roman Abramowitsch, der Besitzer des Londoner Fussballclubs Chelsea, in diesem Jahr vom dritten auf den fünften Platz. Sein Vermögen wuchs binnen eines Jahres nur um 100 Millionen Dollar auf 17,1 Milliarden Dollar an. Seinen ersten Platz verteidigen konnte hingegen Wladimir Lissin, der öffentlichkeitsscheue Besitzer des Stahlgiganten Novolipetsk. Nach Schätzung von «Finans» wuchs das Vermögen des 55-Jährigen binnen zwölf Monaten von 18,8 Milliarden auf 28,3 Milliarden Dollar.

Den zweiten Platz belegte wie schon im Vorjahr auch Michail Prochorow, der Besitzer des Investmentfonds Onexim. Sein Vermögen wird auf 22,7 Milliarden Dollar geschätzt.

Neues Mitglied der Troika mit 19,9 Milliarden Dollar wurde demnach der Chef der Holding Metalloinvest und Mitbesitzer des Londoner Fussballclubs Arsenal, Alischer Usmanow. Auf dem vierten Platz landete der Stahlmagnat Oleg Deripaska mit 19 Milliarden Dollar.

Insgesamt umfasst die «Finans»-Liste 500 Namen von Unternehmern mit einem Vermögen von mehr als 160 Millionen Dollar. Die Zahl der Dollar-Milliardäre stieg von 77 im Jahr 2009 auf 114 ein Jahr später.

Verpflichtungen gegenüber Putin-Vertrauten

Dass Abramowitsch nicht mehr der Dreier-Spitze angehört, hat laut «Finans» vor allem zwei Gründe: Zum einen erhole sich der Immobilienmarkt in Europa nur langsam, an dem der Besitzer der Investmentgesellschaft Millhouse LLC erhebliche Anteile habe.

Zum anderen habe Abramowitsch «zahlreiche 'soziale' Verpflichtungen gegenüber Vertrauten von Ministerpräsident Wladimir Putin und der Regierung allgemein», schreibt das Blatt. Unter anderem unterstützte er auf Bitten Moskaus zahlreiche russische Bauprojekte.

Zudem verkaufte er laut «Finans» kürzlich seinen 25-prozentigen Anteil an Russland grösstem Fernsehsender zu einem Schleuderpreis an einen Verbündeten Putins.

(sda)