«Mir geht es gut»

22. Juni 2011 16:33; Akt: 23.06.2011 09:31 Print

Ai Weiwei gegen Kaution auf freiem Fuss

Der chinesische Künstler und Regierungskritiker Ai Weiwei ist nach einem Geständnis wieder aus der Haft entlassen worden. Vor über zwei Monaten wurde er verhaftet.

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Nach zweieinhalb Monaten in Haft ist der chinesische Künstler und Regierungskritiker Ai Weiwei nach offiziellen Angaben gegen Kaution freigelassen worden. Ai sei freigekommen, nachdem er ein Geständnis wegen Steuerhinterziehung abgelegt habe, und weil er chronisch krank sei.

Ai Weiwei hat seine Freilassung in einem Gespräch mit der «Bild»-Zeitung bestätigt. «Mir geht es gut. Ich bin wieder zu Hause. Und ich bin frei. Ich kann aber nicht sprechen. Bitte verstehen sie das», sagte Ai laut einem Online-Bericht der Zeitung vom Mittwoch.
(Quelle: AP-Television)

Ai habe seine «Vergehen zugegeben» und damit eine «gute Haltung» bewiesen, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Mittwoch unter Berufung auf die Polizei. Die Freilassung auf Kaution sei auch erfolgt, weil der 54-Jährige wiederholt versprochen habe, seine ausstehenden Steuerschulden zu begleichen.

Ai kehrte am Mittwoch nach Hause zurück. Sein Gesundheitszustand sei gut, teilte er mit. Der Künstler bedankte sich bei Reportern, die vor seinem Studio warteten, für deren Unterstützung.

Der 54-Jährige war am 3. April am Pekinger Flughafen kurz vor seiner Abreise nach Hongkong und Europa festgenommen und worden. Der unter Diabetes leidende Künstler wurde seitdem an einem unbekannten Ort festgehalten. Nur seine Ehefrau Lu Qing durfte ihn Mitte Mai kurz besuchen.

Vorwurf zurückgewiesen

Ai waren zunächst «Wirtschaftsverbrechen» vorgeworfen worden, ohne dass dieser Vorwurf näher ausgeführt wurde. Die Regierung betonte, die Vorwürfe hätten «nichts mit Menschenrechten oder freier Meinungsäusserung zu tun».

Vor einem Monat warf die Polizei dann einer Firma des Künstlers Steuerbetrug vor. Xinhua berichtete damals unter Berufung auf die Polizei, die Firma Fake Cultural Development habe eine «riesige Summe» an Steuern hinterzogen.

Die Familie des Künstlers wies den Vorwurf zurück. Menschenrechtsgruppen wiesen darauf hin, dass chinesische Behörden auch schon in anderen Fällen den Vorwurf von Wirtschaftsverbrechen gegen Bürgerrechtler erhoben haben.

Ai gilt als einer der prominentesten Kritiker der kommunistischen Führung. Nach dem Erdbeben in Sichuan 2008 leitete er Untersuchungen zum Einsturz zahlreicher Schulen. Zudem initiierte er eine «Bürger- Ermittlung» zu einem Brand, bei dem im November 2010 in Shanghai 58 Menschen ums Leben kamen.

Landesweite Repressionswelle

Ai Weiwei wurde 1957 in Peking geboren. Er studierte an der Filmakademie in Peking und lebte mehrere Jahre in den USA. In unzähligen Dokumentarfilmen zeigt sich sein politischer Aktivismus, wo er Menschenrechte thematisiert. Zuletzt avancierte der Künstler auch zum Blogger und nutzte Twitter - wie andere chinesische Aktivisten -, um Missbräuche der Polizei und Behörden anzuprangern.

Ais Festnahme war international scharf kritisiert worden. Mehr als 100'000 Menschen unterzeichneten eine Petition für seine Freilassung, die vom New Yorker Guggenheim Museum initiiert worden war.

Die Inhaftierung des Künstlers war Teil einer landesweiten Repressionswelle gegen Dissidenten und kritische Intellektuelle, mit der die Behörden Proteste nach Art der Volksaufstände in Nordafrika zu verhindern suchen.

(sda/ap)