Touristen in Kamerun

06. April 2018 19:25; Akt: 06.04.2018 19:47 Print

Wurden die 7 Schweizer doch nicht entführt?

von Mareike Rehberg - Ein Exil-Kameruner übt scharfe Kritik an der Regierung: Sie habe eine simple Personenkontrolle zur Geiselnahme hochstilisiert.

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Der Vorfall mit europäischen Touristen, darunter sieben Schweizern, im Südwesten von Kamerun sei keine Geiselnahme gewesen, behaupten Unterstützer der Separatisten im englischsprachigen Teil des Landes.

Francis Awudu von der Ambazonian International Policy Commission (AIPC), der sich von der Schweiz aus für die Belange der Separatisten einsetzt, hat mit 20 Minuten gesprochen. «Die Regierung Kameruns hat absichtlich Falschinformationen verbreitet, das war ein Akt der Sabotage», sagt der 43-Jährige.

Aktivist: Regierung brandmarkt uns als Terroristen

Die Menschen in Süd-West-Kamerun setzten sich seit sechs Jahrzehnten für einen eigenen Staat namens Ambazonia (siehe Box) ein und die Regierung wolle die Separatisten und ihre Unterstützer international als Terroristen darstellen, betont Awudu, der in Lausanne wohnt und seit 23 Jahren in der Schweiz lebt.

In einem Communiqué wirft die AIPC der Kameruner Regierung Propaganda vor und beschuldigt sie, in den vergangenen Wochen Entführungen inszeniert und Morde begangen zu haben und die Verantwortung dafür den «Ambazonianern» zu geben. Das Statement hat die AIPC an den Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis sowie an zahlreiche seiner Amtskollegen und an internationale Organisationen geschickt.

Auf die Frage, warum die Touristen denn mehrere Stunden festgehalten wurden, hat Awudu ebenfalls eine Antwort: «Wir müssen wissen, wer in unser Territorium kommt», sagt er. Die Minderheit sei im Krieg mit Kamerun und wolle, dass Kameruns Armee das Gebiet verlasse. Die Leute müssten deshalb sicher sein, dass nicht jemand kommt, der sie töten will. Deshalb dauere so eine Kontrolle eben nicht ein paar Minuten, sondern etwas länger. Gleichzeitig betont er: «Wir sind ein friedliches und gastfreundliches Volk.»

Menschen fliehen nach Nigeria

Awudu spricht von einem Genozid an der englischsprachigen Minderheit in Kamerun. Immer wieder würden in der Region Menschen getötet und Dörfer in Brand gesetzt. Die Armee der Regierung gehe mit Maschinengewehren gegen die Minderheit vor.

Aufgrund von schlechten Erfahrungen mit Franzosen seien die Bewohner Fremden gegenüber misstrauisch eingestellt. Die frankophone Mehrheit wolle, so Awudus Befürchtung, die anglophone Minderheit auslöschen. Über 100'000 Menschen seien bereits nach Nigeria geflohen. Einige registrierte Flüchtlinge, die nach Kamerun zurückgeführt werden sollten, seien spurlos verschwunden.

Reiseveranstalter spricht von Kontrolle

Athos Ghringhelli vom Reiseveranstalter African Adventures sagte zu 20 Minuti, bei dem Vorfall am 2. April habe es sich weniger um eine Geiselnahme als vielmehr um eine Kontrolle gehandelt. Die Darstellung der Regierung als Geiselnahme sei übertrieben.

Die bewaffneten Personen hätten die Reisegruppe angehalten und dann die Dokumente und Fahrzeuge überprüft, gab der Reiseveranstalter auf seiner Website bekannt. Nach Verhandlungen hätte die Reisegruppe gehen dürfen. Die kamerunische Spezialeinheit sei erst nach dieser Einigung eingetroffen.

20 Minuten hat die Kameruner Botschaft in Bern mit den Vorwürfen der AIPC konfrontiert und um eine Stellungnahme gebeten – bisher ohne Erfolg.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dänu vo hiä am 06.04.2018 19:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mir kann ja nichts passieren....

    Warum immer in Krisenländer reisen?!?!

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  • Frau Meier am 06.04.2018 19:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum?

    Wer geht in ein solches Gebiet in die Ferien? Was ist der Reiz daran? Interessiert mich wirklich - ich würde nie in ein Kriegsgebiet fahren zum Vergnügen.

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  • B.M am 06.04.2018 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schlimm

    Das Schlimme ist,man weis nicht mehr,wem man überhaupt noch trauen kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 06.04.2018 22:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich möchte noch am Leben bleiben...

    Wer macht schon Ferien in Kamerun? Touristische Entwicklung gleich null. Ausser Süd Afrika ist es nirgends auf diesem Kontinent sicher und geniessbar!

    • Laimigs am 06.04.2018 23:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martial2

      Ich war schon in Botswana und Simbabwe. Wunderschöne Länder. Man muss den Menschen dort auf Augenhöhe begegnen und sich nicht als Kolonialherr aufführen. Mit der Gewissheit, dass wir Europäer nichts Besseres sind, ist es unbeschwert in Afrika.

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  • Davey am 06.04.2018 21:22 Report Diesen Beitrag melden

    Helvetica

    Wer in Hochrisikoländern reist spielt mit dem Feuer. Geniesst lieber unsere Berge und Städte da gibts friedlichere Leute

    • Cholera am 06.04.2018 21:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Davey

      Kamerun ist kein Hochrisikoland. Eher eine Tour in den Walliser Bergen, wenn Sie auf dem Wanderweg von einer Meute bissiger Herdenhunde angefallen werden. Dorthin bringen mich keine zehn Pferde mehr. Danke.

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  • Mücki am 06.04.2018 21:11 Report Diesen Beitrag melden

    ohne Gesichterscanner

    im Ostblock dauerten die Kontrollen früher auch stundenlang. (Es hat gebessert.)

    • Martial2 am 06.04.2018 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Mücki

      Also lieber in Kroatien, Ungarn, auch Albanien Ferien verbringen, als in solchen unzivilisierten Länder!

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  • Sonnenblume am 06.04.2018 20:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer schön lächeln...

    tja wenn man sogar trotz der Verpixelung erkennen kann dass gelächelt wird........

  • Patrick am 06.04.2018 20:41 Report Diesen Beitrag melden

    Asyl vs politische Aktivität

    Da habe ich wohl etwas ganz falsch verstanden mit dem Asyl. War bis jetzt der Meinung, dass Asyl in einem neutralen Land und politische Aktivität im Heimatland unvereinbar sind. Na ja, schon wieder was gelernt!

    • Peter Baumann am 06.04.2018 20:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick

      Und wer sollte hier Asylant sein und sich politisch betätigen? Dieser Vertreter hat doch den Schweizer Pass, oder nicht?

    • Ueli am 06.04.2018 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick, zwei Paar Schuhe

      Asylrecht und Neutralität sind ganz verschiedene Dinge. Das hat nichts miteinander zu tun. Oder wird in Russland, Frankreich oder den USA kein Asyl gewährt?

    • Innerschweizer NW am 06.04.2018 21:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Patrick

      Nein, das ist sogar ziemlich normal, denn um sich politisch gegen eine Diktatur zu wehren, hat man oft keine andere Wahl als vom Ausland aus zu agieren. Beispiel Russland: Nemzov engagierte sich gegen die Diktatur in Russland und wurde zufällig in Moskau ermordet, das gleiche mit der Korruptionsjournalistin Politkovskaja, die wurde ebenfalls zufällig ermordet. Schliesslich ist es ja gerade ein Kennzeichen von Diktaturen, dass man sich im Inland nicht engagieren kann.

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