Präsidentschaftskandidat

05. Mai 2014 22:19; Akt: 05.05.2014 23:33 Print

Al-Sisi will «keine Muslimbrüder mehr»

Der Favorit der Präsidentschaftswahl in Ägypten profiliert sich im Wahlkampf als Retter der Nation. Das Land sei bedroht, da müsse er einfach kandidieren, sagte Ex-Armeechef Al-Sisi.

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Der ehemalige ägyptische Armeechef Abdel Fattah al-Sisi. (Bild: Keystone/Maxim Shemetov / Pool)

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Der ehemalige ägyptische Armeechef Abdel Fattah al-Sisi hat sein Antreten bei der Präsidentschaftswahl mit der unsicheren Lage in seinem Heimatland begründet. Ägypten stehe «Bedrohungen von innen und aussen» gegenüber, sagte Al-Sisi bei seinem ersten Fernsehinterview im Wahlkampf am Montag. Dass sei auch der Grund, warum er seine Meinung geändert habe und doch für das höchste Staatsamt kandidiere. Weiter kündigte er an, es werde keine Muslimbrüder mehr geben, wenn er gewählt sei. Das Volk habe die Organisation abgelehnt, sie werde niemals zurückkehren, sagte er.

Nachdem er im vergangenen Sommer den ersten demokratisch gewählten Präsidenten des Landes, Mohammed Mursi, abgesetzt hatte, hatte Al-Sisi noch betont, er habe keine Ambitionen auf ein politisches Amt. Das bekräftigte er noch einmal in dem Interview, das am Abend von zwei privaten Fernsehsendern ausgestrahlt wurde. «Ich könnte mich selbst nicht respektieren, wenn ich so denken würde - dass ich einen Plan fassen würde, um die Macht in Ägypten zu übernehmen», sagte er.

Das Chaos nach der gewaltsamen Auflösung von zwei Protestlagern der Mursi-Anhänger Mitte August und die Reaktionen aus dem Ausland hätten aber die Bedrohungen gezeigt, denen Ägypten gegenüberstehe. «Erinnern Sie sich wie Ägypten aussah, wie die Sicherheitslage war und die Furcht, wie weit sie reichte?», sagte er. «Sie sahen, wie die Aussenwelt mit uns umging.» Er fügte hinzu: «Es war unmöglich für mich, das Volk im Stich zu lassen.»

Wenig Auftritte wegen angespannter Lage

Angesichts der angespannten Sicherheitslage dürfte sich die Zahl der öffentlichen Auftritte des Ex-Armeechefs während des Wahlkampfs in Grenzen halten. In dem Interview sagte er, dass bereits zwei Attentatskomplotte gegen ihn aufgedeckt worden seien.

Trotz des fehlenden Strassenwahlkampfs wird der 59-jährige Al-Sisi bei der Präsidentschaftswahl am 26. und 27. Mai als klarer Favorit gesehen. Sein einziger Herausforderer ist der linksgerichtete Hamdin Sabahi, der bereits bei der Wahl 2012 gegen Mursi angetreten und Dritter geworden war. Die ägyptischen Medien hatten Al-Sisi nach der Absetzung des islamistischen Mursi als Retter der Nation gefeiert, um ihn entwickelte sich seitdem ein regelrechter Persönlichkeitskult.

Al-Sisi verliess die ägyptische Armee im Rang eines Feldmarschalls, um als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl anzutreten. Seit der Absetzung Mursis führt eine vom Militär gestützte Übergangsregierung die Amtsgeschäfte. Die Justiz des Landes geht seitdem mit harter Hand gegen die Anhänger Mursis vor. Mehr als 16 000 Mitglieder seiner Muslimbruderschaft und anderer islamistischer Gruppen wurden festgenommen und teilweise wegen Verbrechen wie Anstachelung zur Gewalt angeklagt.

(sda)