Kosovo-Organhandel

31. März 2011 13:05; Akt: 31.03.2011 13:20 Print

Albanische Familie klagt gegen Dick Marty

Die Besitzer des gelben Hauses in Albanien, in dem während des Kosovo-Kriegs illegal Organe entnommen worden sein sollen, haben Dick Marty wegen Verleumdung verklagt.

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Wie die Belgrader Tageszeitung «Vecernje novosti» am Donnerstag gemäss einer Meldung der österreichischen Nachrichtenagentur APA berichtete, verklagte die albanische Besitzerfamilie Marty wegen Verleumdung. Sie verlangt von Marty eine Entschädigung in Höhe von rund 260 000 Franken.

Die Klage sei bei einem Gericht in der albanischen Hauptstadt Tirana eingereicht worden, hiess es in der Zeitung unter Berufung auf den Anwalt der Familie Brama, Roland Islami.

Marty: unseriöser Vorstoss

Marty selbst erklärte auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA, er habe bislang keine Kenntnis von einer Klage. Falls es stimme, sei dieser Vorstoss «nicht seriös», schrieb Marty in einer Stellungnahme.

Den Namen der Familie (Brama) habe er weder in seinem Bericht erwähnt noch habe er diesen je in Interviews genannt, betonte der Europaratsabgeordnete. Allerdings sei er mehrmals in der Presse aufgetaucht.

In der Berichterstattung rund um Martys Bericht zum Organhandel taucht noch ein anderer Familienname als Besitzer des gelben Hauses auf: Katuci. Die kosovarische Befreiungsarmee UCK soll das Haus im albanischen Dorf Rribe an der Grenze zum Kosovo während des Krieges (1998/99) als Gefangenenlager benutzt haben, nachdem diese Familie das Haus verlassen hatte.

Gemäss dem Europaratsbericht sollen im gelben Haus gekidnappte Serben gefangen gehalten worden sein. Sie seien dann getötet worden, und ihre Organe entnommen worden.

Im Bericht wies Marty auf den illegalen Organhandel nach dem Kosovo-Krieg hin. Laut seinem Bericht war dafür eine kriminelle Gruppe aus Zentralkosovo verantwortlich, deren Chef der derzeitige kosovarische Premier Hashim Thaci war.

400 Menschen verschwunden

In den Monaten nach dem Krieg wurden im Kosovo rund 400 Personen, mehrheitlich Serben sowie nicht-loyale Albaner gekidnappt. Ihr Schicksal blieb unbekannt. Den Opfern sollen die Organe im Norden Albaniens entnommen worden sein. Die Täter sollen das Machtvakuum nach dem Abzug der serbischen Truppen und vor dem Einmarsch der NATO- Truppen im Kosovo 1999 ausgenützt haben.

Gemäss Marty gibt es zahlreiche Zeugen für den verbrecherischen Organhandel. Er bezweifelt jedoch, dass die EULEX diese Zeugen schützen kann. Er verwies mehrfach auf die Probleme, welche das UNO-Tribunal in Den Haag in einigen Prozessen gegen Kosovo-Albaner hatte: mehrere Zeugen waren ermordet worden.

(sda)