Chronik

07. April 2017 06:31; Akt: 07.04.2017 18:11 Print

Alles begann mit Graffiti gegen Assad

Seit sechs Jahren herrscht in Syrien Krieg. Nun haben die USA erstmals das Regime von Bashar al-Assad angegriffen. Eine Chronik.

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«Wir haben keine Chemiewaffen»: Bashar al-Assad während eines Interviews in Damaskus. (3. April 2017) Bombardiert aber offenbar immer noch in Betrieb: Der syrische Luftwaffenstützpunkt Al-Schairat. (7. April 2017) (DigitalGlobe/U.S. Department of Defense) US-Raketen treffen Ziel: Das Bild aus einem Drohnen-Video soll Überreste von Militärmaterial in einem Hangar auf der syrischen Luftwaffenbasis al-Shayrat zeigen. (Screenshot Rossija 24) Laut dem russischen Sender Rossija 24, der das Video ausstrahlt, haben die Amerikaner nach vorläufigen Informationen neun Miliärflugzeuge zerstört. (Screenshot Rossija 24) Als das russische Fernsehteam vor Ort war, brannten noch einzelne Trümmerteile. (Screenshot Rossija 24) Einschlaglöcher vor einem zerstörten Hangar. (Screenshot Rossija 24) In dem Fernsehbeitrag waren mindestens zwei intakte Flugzeuge in Beton-Hangars zu sehen. (Screenshot Rossija 24) Eines der Flugzeuge aus der Nähe. (Screenshot Rossija 24) Auch ausserhalb der Hangars haben einige syrische Maschinen das Bombardement offenbar unversehrt überstanden. (Screenshot Rossija 24) Auf den russischen Fernsehbildern ist auch die Startbahn weitgehend unbeschädigt. (Screenshot Rossija 24) Auch das syrische Fernsehen zeigte Bilder, allerdings aus einiger Distanz: Hangar der Luftwaffenbasis al-Shayrat. Das Büro des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad hat den Angriff als «dumm» und «verantwortungslos» bezeichnet: Luftwaffenbasis al-Shayrat nach dem Raketen-Beschuss. Trump greift Assad an: Eine Rakete des Typs Tomahawk wird vom US-Zerstörer USS Ross abgefeuert. (7. April 2017) Kritik an US-Angriff: Wladimir Putin an einem Meeting mit dem usbekischen Präsidenten Shavkat Mirziyoyev (nicht im Bild) in Moskau. (5. April 2017). Insgesamt 59 Präzisionsraketen werden aus dem Mittelmeer auf Syrien abgefeuert. (7. April 2017) Die Basis Shayrat liegt südöstlich der syrischen Stadt Homs im Westen des Landes. (7. April 2017) Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldet, die Raketen hätten grosse Zerstörung auf der Luftwaffenbasis angerichtet: Luftaufnahme der Basis vom letzten Herbst. (7. Oktober 2016) Die Raketen wurden von den Kriegsschiffen USS Porter und USS Ross aus abgefeuert: Start einer Tomahawk-Rakete. (7. April 2017) Der Lenkwaffen-Zerstörer USS Porter im Mittelmeer. (9. März 2017) Am Angriff auf die Luftwaffenbasis al-Shayrat war auch der Lenkwaffenzerstörer USS Ross beteiligt, hier im Marinestützpunkt Rota in Spanien. (3. März 2017) Die US-Zerstörer sind im östlichen Mittelmeer stationiert. (Archivbild) Von hier aus haben die USA mehrere Dutzend Raketen des Typs Tomahawk in Richtung Syrien abgeschossen. (Archivbild) Verteidigt den Luftschlag gegen Syrien mit eigenen Sicherheitsinteressen: US-Präsident Donald Trump spricht zu den Medien. (6. April 2017) Hören die Rede von US-Präsident Donald Trump in Florida: Ivanka Trump neben Handelsminister Wilbur Ross. (6. April 2017) Macht Assad für den Giftgas-Angriff in Syrien verantwortlich: US-Präsident Trump an einer Veranstaltung im Weissen Haus. (4. April 2017) Der US-Angriff ist eine Vergeltung für den mutmasslichen Giftgasangriff gegen syrische Zivilisten drei Tage zuvor: Ein Mann trägt ein verletztes Kind im Spital von Khan Sheikhoun. (4. April 2017) Die US-Regierung und europäische Politiker machen das Assad-Regime verantwortlich: Ein Arzt behandelt einen Knaben. Tragödie in Syrien: Ein Kind wird nach der Giftgasattacke in Khan Sheikhoun behandelt. Nach dem vermuteten Giftgasanschlag ist das Krankenhaus, in dem die Opfer behandelt werden, unter Beschuss geraten. Im Innern der Klinik kämpften Ärzte ums Überleben zahlreicher Opfer eines zuvor erfolgten Luftangriffs, bei dem nach Angaben von Aktivisten Giftgas eingesetzt wurde. Das Bild zeigt laut der Organisation Documenting Oppression Against Muslims (DOAM) vom Giftgasangriff betroffene Kinder in Khan Sheikhoun. (Screenshot Youtube) Angriffe, Kämpfe, Folter und Hinrichtungen: Ein zerstörtes Spital von Ärzte ohne Grenzen in Idlib, Syrien. (15. Februar 2016) Verheerende Folgen: Angriffe auf Spitäler und Schulen im Norden Syriens haben 50 Menschen das Leben gekostet. Unter den getroffenen Krankenhäusern befinden sich auch Kliniken, die von Ärzte ohne Grenzen sowie dem UNO-Kinderhilfswerk Unicef unterstützt werden. Es wird vermutet, dass auch russische Flugzeuge Krankenhäuser zerstört haben. Das Elend in Syrien – die Bevölkerung leidet unter den Bürgerkriegswirren.

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Erstmals greifen die USA direkt einen Luftwaffenstützpunkt der syrischen Regierung an. Eine Chronik zum seit sechs Jahren andauernden Krieg in Syrien:

März 2011: In der Stadt Daraa beginnen Proteste, nachdem Sicherheitskräfte eine Gruppe von Jungen festgenommen hatten, die gegen die Regierung gerichtete Graffiti an eine Wand ihrer Schule gemalt haben sollen. Die Demonstrationen weiten sich auf die Hauptstadt Damaskus aus. Am 18. März erschiessen Sicherheitskräfte bei einem Protest in Daraa vier Menschen – was Aktivisten als die ersten Toten des Aufstands bezeichnen. Die landesweiten Demonstrationen gehen weiter, ebenso die Massregelungen seitens der Regierung von Präsident Bashar al-Assad.

April 2011: Soldaten gehen gegen eine Sit-In-Demonstration in Syriens drittgrösster Stadt Homs vor.

18. August 2011: US-Präsident Barack Obama fordert den Rücktritt Assads und verlangt, dass die Regierungsfinanzen eingefroren werden sollen.

Sommer 2012: Die Kämpfe weiten sich auf Aleppo aus – Syriens grösster Stadt und Wirtschaftsmetropole.

20. August 2012: US-Präsident Barack Obama sagt, mit einem Einsatz von Chemiewaffen in Syrien wäre für ihn eine «rote Linie» überschritten. Ein solcher würde seine Einschätzung des Bürgerkrieges ändern und «enorme Konsequenzen» nach sich ziehen.

19. März 2013: Die syrische Regierung und die Opposition beschuldigen sich gegenseitig eines Giftgasangriffs, bei dem 26 Menschen in der nordsyrischen Stadt Khan al-Assal ums Leben kamen. Eine Untersuchungen der Vereinten Nationen ergibt später, dass Giftgas eingesetzt wurde – nicht aber, von wem.

21. August 2013: Hunderte Menschen sterben in einem von Rebellen besetzten Vorort der syrischen Hauptstadt. Viele von ihnen zeigen Symptome, die auf Giftgas hinweisen: Schaum vor dem Mund, verengte Pupillen und Krämpfe. UNO-Ermittler finden heraus, dass Raketen gefüllt mit Saringas in das Gebiet geschossen wurden, als die Bewohner schliefen. Die USA und andere beschuldigten die syrische Regierung, die einzige Kriegspartei, die im Besitz von Saringas gewesen sei.

31. August 2013: Obama kündigt an, den Kongress um eine Autorisierung für Strafangriffe gegen die syrische Regierung zu ersuchen. Die Anfrage scheint jedoch nicht genügend Unterstützung im Parlament zu haben.

27. September 2013: Der UNO-Sicherheitsrat fordert Syrien auf, seinen Vorrat an chemischen Waffen zu zerstören. Washington und Moskau hatten sich zuvor überraschend darauf geeinigt, dass die USA zunächst keine Luftangriffe ausführen. Der Sicherheitsrat droht an, bei Nicht-Beachtung der Forderung, den Einsatz von Streitkräften zu autorisieren.

14. Oktober 2013: Syrien unterschreibt ein Abkommen gegen die Herstellung, die Lagerung und den Gebrauch von chemischen Waffen.

23. Juni 2014: Die Organisation gegen ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) sagt, sie habe die letzten chemischen Waffen der syrischen Regierung vernichtet. Die Opposition kritisiert jedoch, die Regierung habe ihre Chemiewaffenbestände nie vollständig angegeben und habe noch Lager davon.

7. August 2015: Der UNO-Sicherheitsrat erlaubt der OPCW und UNO-Ermittlern, Berichten über den wiederholten Einsatz von Chlorgas vonseiten der Regierungstruppen gegen Zivilisten nachzugehen. Chlorgas ist weniger giftig als Nervengas und kann auch als Chemiewaffe eingestuft werden.

24. August 2016: Der Zusammenschluss aus OPCW und UNO-Ermittlern erklärt, die syrische Regierung habe 2014 und 2015 zweimal Helikopter mit Chlorgas gegen Gegner eingesetzt – in von Zivilisten bewohnten Gegenden in der Provinz Idlib im Norden Syriens. In einem weiteren Bericht werfen die Ermittler der Regierung Assads eine dritte Giftgas-Attacke vor. Ausserdem benutzte die Terrormiliz Islamischer Staat laut dem Gremium Senfgas.

28. Februar 2017: Russland, ein enger Verbündeter Assads, und China legen ein Veto gegen eine UNO-Resolution ein, die Sanktionen gegen die syrische Regierung wegen des Gebrauchs chemischer Waffen erlauben würde.

4. April 2017: Mehr als 80 Menschen sterben bei einem mutmasslichen Giftgasangriff in der Stadt Khan Sheikhoun. Die Opfer zeigen Symptome wie Krämpfe, Schaum vor dem Mund und verengte Pupillen. Augenzeugen sagen, die Attacke wurde entweder von russischen oder syrischen Flugzeugen ausgeführt. Moskau und Damaskus weisen jegliche Verantwortung zurück.

Später bestätigt Russland einen Vorfall mit Giftgas – dieses sei bei einem syrischen Angriff auf eine von Rebellen benutzte Fabrik für Chemiewaffen ausgetreten. Die USA sehen die Verantwortung bei der syrischen Regierung. US-Präsident Donald Trump nennt die mutmassliche Attacke in einer Mitteilung «abscheulich». Sie sei eine direkte Folge der «Schwäche und Unentschlossenheit» der Obama-Regierung.

5. April 2017: Trump sagt, die Regierung Assads habe mit der mutmasslichen Giftgasattacke «viele, viele Linien überschritten».

6. April 2017: Die USA feuern rund 60 Tomahawk-Raketen auf einen Stützpunkt der syrischen Luftwaffe. Der Angriff war nach Angaben von US-Vertretern eine Reaktion auf den Vorfall in Khan Sheikhoun. Trump sagt, der Angriff sei im Interesse der Sicherheit der USA. Es ist der erste direkte Angriff der Vereinigten Staaten auf die syrische Regierung.

(chk/ap)