Marode Infrastruktur

07. September 2010 17:46; Akt: 07.09.2010 17:50 Print

Amerika zerfällt

von Kian Ramezani - US-Präsident Barack Obama hat milliardenschwere Investitionen in die nationale Infrastruktur angekündigt. Angesichts ihres desolaten Zustands nur ein Tropfen auf den heissen Stein.

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Die Arbeitslosenquote verharrt, um die zehn Prozent, bei den kommenden Wahlen droht seiner Demokratischen Partei der Verlust ihrer Mehrheit im Kongress und Senat. Nun hat US-Präsident Obama die Flucht nach vorn angetreten und ein neues, milliardenschweres Konjunkturprogramm angekündigt. Konkret will er in den nächsten sechs Jahren 50 Milliarden Dollar in die Verkehrsinfrastruktur investieren.

So sollen Arbeitsplätze und die Grundlage für mehr Wirtschaftswachstum geschaffen werden. An der Wirksamkeit von Konjunkturprogrammen scheiden sich bekanntlich die Geister. Unbestritten ist indes, dass weite Teile der amerikanischen Infrastruktur auch aus Sicherheitsgründen dringend saniert werden müssen.

Der amerikanische Bauingenieurverband stellt der Nation jedes Jahr ein «Infrastrukturzeugnis» aus. Besonders schlecht schnitten 2009 die Bereiche Strassen, Dämme, Inlandwasserwege, Trinkwasser und Abwasser ab. Die Missstände äussern sich in einer schleichenden Erodierung der Lebensqualität, etwa durch schlechtes Trinkwasser oder lange Staus. Oder aber äusserst spektakulär und brutal: 2000 und 2001 kam es zu wiederholten Stromausfällen in Kalifornien, 2003 im Nordosten der USA. 2005 brachen die Dämme um New Orleans, nachdem Wirbelsturm «Katrina» in der Stadt gewütet hatte. 2007 stürzte in Minneapolis während der Hauptverkehrszeit eine Autobrücke ein.

Wie ein Drittweltland

Im eben erschienenen Buch «Third World America» wird in einem Kapitel die Bedeutung der Infrastruktur für den Wohlstand der USA - und ihr Niedergang - thematisiert. «Amerika ist wie ein Mann mittleren Alters, der sich immer noch für 23 hält. Er ignoriert die Falten und den Haarausfall im Spiegel. Und die Knieschmerzen. Und die verstopften Arterien, die jeden Moment zu einem Herzstillstand führen könnten», schreibt die Autorin Arianna Huffington, Gründerin der Website «Huffington Post». Die Amerikaner müssten erwachsen werden und der Realität ins Auge blicken, sonst komme eine Menge Ärger auf sie zu.

Die amerikanischen Bauingenieure verteilen nicht nur Noten. Sie haben auch berechnet, wie viel Geld nötig ist, um die Infrastruktur in Ordnung zu bringen: 2,2 Billionen Dollar über die nächsten fünf Jahre. Budgetiert sind laut Huffington 975 Milliarden. Dazu noch einmal 50 Milliarden aus Barack Obamas jüngster Initiative. Bei weitem nicht genug.