CNN-Umfrage

02. September 2009 12:00; Akt: 02.09.2009 12:35 Print

Amerikaner sagen Nein zum Afghanistan-Krieg

Kurz vor dem achten Jahrestag der 9/11-Terroranschläge ist erstmals eine Mehrheit der Amerikaner gegen den Krieg in Afghanistan. Dies nachdem die Monate Juli und August die verlustreichsten waren seit Kriegsbeginn.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Gemäss einer von CNN veröffentlichten Umfrage lehnen 57 Prozent der Amerikaner den US-Krieg in Afghanistan ab, 42 Prozent befürworten ihn. Die Zahl der Gegner hat seit der letzten Umfrage im April um elf Prozent zugenommen, womit erstmals seit Kriegsbeginn im Oktober 2001 eine Mehrheit der Amerikaner den Krieg ablehnt.

Besonders gross ist Opposition unter den Demokraten. 75 Prozent der Befragten, die sich als Anhänger der Partei von Präsident Obama bezeichnen, sagen Nein zum Einsatz am Hindukusch, wogegen sieben von zehn Republikanern ihn befürworten. Die Umfrage zeigt weiter, dass knapp 60 Prozent glauben, die USA könnten den Krieg gewinnen, aber nur 35 Prozent der Befragten zeigten sich überzeugt, dass dies derzeit der Fall ist.

Erinnerungen an Vietnam

«Die Öffentlichkeit beurteilt Afghanistan nicht als verloren», sagte CNN-Umfragedirektor Keating Holland, «aber viele Amerikaner fragen sich, ob ein Sieg die Kosten wert ist.» Zumal die US-Truppen die zwei tödlichsten Monate seit Ausbruch des bald achtjährigen Konflikts verkraften mussten. Im Juli starben 45 und im August sogar 48 Soldaten. Die Stimmung im Land erinnert Beobachter zunehmend an den Vienamkrieg. Selbst Konservative wie der prominente Publizist George Will denken inzwischen offen über einen Abzug nach.

Unbestritten ist, dass die aufständischen Taliban immer geschickter agieren und den westlichen Truppen schwere Verluste zufügen. General Stanley McChrystal, der Kommandant der NATO- und US-Truppen, räumte am Montag ein, dass ein Strategiewechsel nötig sei. «Die Lage in Afghanistan ist ernst, doch ein Erfolg ist zu schaffen», erklärte McChrystal. Ob er mehr Soldaten will, liess der General offen.

Präsident Obama, der den Krieg als «Notwendigkeit» bezeichnet hat, will bis Jahresende 21 000 zusätzliche Soldaten nach Afghanistan schicken. Eine weitere Aufstockung scheint offenbar nicht geplant, vielmehr sollen gemäss einem Bericht der «Los Angeles Times» bis zu 14 000 Mann aus den rückwärtigen Diensten durch Kampftruppen ersetzt werden. Aufgaben wie Nachschub sollen an private Sicherheitsfirmen delegiert werden.

Gefahr von Drogenkartellen

Unabhängig vom Ausgang der Präsidentschaftswahl dürfte zudem der Druck auf die als korrupt und ineffizient geltende Regierung steigen. Auch Gespräche mit gemässigten Taliban dürften zum Thema werden. Die Zeit drängt, denn auch der Drogenanbau wird zunehmend zum Problem. Zwar ist die Opiumproduktion gemäss dem neusten Bericht der UNO rückläufig, doch bestehe zunehmend die Gefahr, dass Drogenkartelle nach südamerikanischem Vorbild mit Verbindung zu den Taliban entstehen.

(pbl)