Colombo, Sri Lanka

27. November 2019 16:36; Akt: 27.11.2019 16:36 Print

Angestellte der Schweizer Botschaft entführt

Eine Mitarbeiterin der Schweizer Botschaft in Colombo wurde entführt und zu einem Ermittler der Kriminalpolizei befragt. Dieser soll Tage zuvor in die Schweiz geflohen sein.

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Eine lokale Angestellte der Schweizer Botschaft in Colombo ist von Unbekannten längere Zeit gegen ihren Willen festgehalten und bedroht worden. Sie sollte geschäftsrelevante Informationen preisgeben. Die Schweiz hat den sri-lankischen Botschafter ins EDA zitiert.

Die Schweiz erachte den Zwischenfall als «sehr gravierenden und nicht akzeptablen Angriff» auf eine ihrer diplomatischen Vertretungen und deren Angestellte, sagte Pierre-Alain Eltschinger, Sprecher des Aussendepartements EDA, auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA zu einer Meldung des Onlineportals lankanewsweb.net.

Alles dreht sich um Nishantha Silva

Die Plattform hatte berichtet, die Angestellte der Schweizer Botschaft sei am Montag in einem weissen Van entführt und nach rund zwei Stunden wieder freigelassen worden. Die Entführte soll während dieser Zeit über den sri-lankischen Spitzenbeamten Nishantha Silva befragt worden sein. Silva ist gemäss einem Bericht in der NZZ vom Mittwoch in die Schweiz geflüchtet.

Das EDA erwähnte in einer schriftlichen Stellungnahme auf Anfrage einen «schweren Sicherheitsvorfall» auf der Schweizer Botschaft in Colombo. Die Schweiz fordert von den sri-lankischen Behörden eine rasche und lückenlose Aufklärung der Hintergründe. Weiter verlangt sie, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden und die Sicherheit der Schweizer Vertretung in Colombo und ihrer Mitarbeitenden wieder vollumfänglich garantiert wird.

Protestnote an Premierminister

Diese Forderungen hat Hanspeter Mock, der Schweizer Botschafter in Sri Lanka, am Mittwoch Premierminister Mahinda Rajapakse und Aussenminister Dinesh Gunawardena zusammen mit einer Protestnote übermittelt. In Bern hat das EDA zudem den sri-lankischen Botschafter zitiert.

Ob die Entführung einen Zusammenhang hat mit der erwähnten angeblichen Flucht des hohen sri-lankischen Untersuchungsbeamten in die Schweiz, blieb unklar. Das Staatssekretariat für Migration (SEM) wollte auf Anfrage den Bericht der NZZ nicht bestätigen. Einzelfälle würden aus Rücksicht auf den Persönlichkeitsschutz nicht kommentiert.

Gemäss dem Zeitungsbericht soll Nishantha Silva Sri Lanka bereits am Sonntag verlassen haben und sich in der Schweiz um Asyl bemühen. Die sri-lankischen Behörden hätten die Leibwächter abgezogen, obwohl Silva Todesdrohungen erhalten habe.

Der Spitzenbeamte der lokalen Kriminalpolizei untersuchte Korruptionsfälle und Menschenrechtsverletzungen in seinem Land, namentlich während des ersten Rajapaksa-Regimes von 2005 bis 2015. Der Clan hat die Vorwürfe stets bestritten.

(kle/sda)