190 Mio. verschollen

15. Dezember 2019 15:39; Akt: 15.12.2019 15:39 Print

Anleger wollen die Leiche des Krypto-Chefs sehen

Ist der Chef der Krypto-Bank QuadrigaCX, der 190 Millionen ins Grab nahm, tatsächlich tot? Kunden fordern, dass seine Leiche exhumiert wird.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der plötzliche Tod des 30-jährigen Gerald Cotten gibt bis heute Rätsel auf. Der Firmengründer der kanadischen Krypto-Firma QuadrigaCX war während seiner Flitterwochen im Dezember vergangenen Jahres an einer Komplikation seiner Crohn-Krankheit in Indien gestorben. Das Unternehmen gab einige Wochen danach bekannt, dass sie ihren Kunden wohl 190 Millionen nicht auszahlen könne, da nur Cotten das Passwort zum Offline-Speicher des Kapitals kenne.

Die Anwälte der rund 80’000 Anleger fordern nun die kanadischen Behörden auf, die Leiche des Krypto-Chefs zu exhumieren, wie «BBC» berichtet. Cotten sei «unter fragwürdigen Umständen» gestorben, behaupten die Anwälte. Sollten die kanadischen Behörden den Forderungen der Bankkunden stattgeben, sollten die Überreste «wegen des Verwesungsprozesses» bis spätestens Frühling 2020 exhumiert werden.

Ist Cotten wirklich tot?

Die Anleger spekulieren schon lange darüber, dass der Tod des Krypto-Chefs möglicherweise nur vorgetäuscht sei und es sich um einen Betrug handle. So ist der Name Cottens auf der Sterbeurkunde, die nach seinem unerwarteten Tod in Jaipur ausgestellt wurde, falsch geschrieben. Und wenige Tage bevor er verstarb, machte er seine Frau Jennifer Robertson zur Alleinerbin.

Besonders seltsam ist auch die Rolle der Witwe. Vor einem kanadischen Gericht sagte Robertson aus, dass weder ihr noch den Tech-Experten der Firma möglich gewesen sei, auf den Laptop des Verstorbenen zuzugreifen. Ihr Mann habe als Einziger Zugriff auf das Offline-Kapital gehabt und sei auch die einzige Person gewesen, die die Verantwortung für die Bewegungen desselben getragen hatte.

Die Cottens führten einen luxuriösen Lebensstil

Nach Cottens Tod wurden die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young damit beauftragt, die Finanzen von QuadrigaCX genau zu prüfen. Und dabei gab es eine Überraschung: Von dem Kryptogeld im Wert von 190 Millionen Dollar fehlte jede Spur.

Ausserdem wurde bekannt, dass QuadrigaCX zusätzlich 14 verschiedene Nutzerkonten unter verschiedenen Pseudonymen angelegt hatte und darüber Transaktionen mit einem «signifikantem Volumen» ausgeführt hatte. Was genau mit dem Geld der Kunden passierte, ist bis jetzt noch nicht bekannt geworden.

Klar ist aber, dass eine beträchtliche Menge Geld verwendet wurde, um den verschwenderischen Lebensstil des Paares zu finanzieren. Die Cottens reisten regelmässig in Privatjets und Luxusfahrzeugen um die Welt. Wie «The Guardian» berichtet, konnte Ernst & Young inzwischen 24 Millionen Dollar Bargeld und 9 Millionen Dollar von Robertsons gehaltenen Vermögenswerten zurückgewinnen.

(kle)