Angst in Nigeria

06. November 2011 17:40; Akt: 06.11.2011 18:18 Print

Anschläge auf Luxushotels geplant?

Nach den Anschlägen mit über 100 Toten in Nigeria befürchtet die US-Botschaft des westafrikanischen Landes jetzt, dass die radikalislamische Sekte Boko Haram Anschläge auf Luxushotels verüben will.

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Nach den Anschlägen patrouillieren vermehrt Polizisten durch nigerianische Städte wie hier in der Hauptstadt Abuja. (Bild: Reuters)

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Die US-Botschaft in Nigeria hat dort lebende US-Bürger vor möglichen Bombenanschlägen auf Luxushotels in Abuja gewarnt. So könnte die radikalislamische Sekte Boko Haram während der kommenden nigerianischen Feiertagen das Sheraton, Hilton und die Luxushotels von Nicon ins Visier nehmen, hiess es in einer offiziellen Warnung. Diese Hotels werden vor allem von Ausländern und der nigerianischen Elite aufgesucht. Eine Anschlagsserie der radikalen muslimischen Sekte Boko Haram hat seit Freitag in Nigeria mehr als 100 Menschen das Leben gekostet.

Bei einer Serie von Anschlägen auf Kirchen und die Sicherheitsbehörden sind in Nigeria am Wochenende über einhundert Menschen getötet worden. Von diesen Zahlen geht zumindest das Rote Kreuz aus. Ein Vertreter der Rettungsdienste sprach gar von 150 Toten.

Der Sprecher des nigerianischen Roten Kreuzes erklärte am Sonntag, die Zahl der Toten werde womöglich steigen, da örtliche Kliniken noch keine komplette Übersicht geliefert hätten. Bei den Attacken wurden nach Angaben eines Regierungsvertreters ausserdem Hunderte Menschen verletzt. Das Spital in Damaturu sei überfüllt, sagte er.

Drohung in einem Zeitungsinterview

Zu den Anschlägen im Bundesstaat Yobe bekannte sich die radikalislamische Sekte Boko Haram. Ein Sprecher von Boko Haram drohte in einem Interview mit der Zeitung «Daily Trust» am Samstag mit neuen Angriffen.

Begonnen hatte die Anschlagsserie am Freitag im Bundesstaat Borno. In der dortigen Provinzhauptstadt Maiduguri zündeten Sektenmitglieder vier Bomben. Der Polizeichef erklärte, vier Menschen seien getötet worden.

Am Sonntag wurde in Maiduguri, dem spirituellen Sitz der Sekte, zudem ein Polizist erschossen. Bewaffnete Mitglieder von Boko Haram stoppten das Auto des Beamten, als dieser auf dem Weg zur Moschee war und erschossen ihn. Seiner Familie, die ebenfalls im Auto sass, erlaubten sie weiterzufahren, sagte Kommissar Simeon Midenda in Maiduguri.

Angst in der Stadt

Später begann dann die 90-minütige Anschlagserie in der Hauptstadt des angrenzenden nordöstlichen Bundesstaates Yobe, Damaturu. Neben Banken und Polizeistationen wurden vor allem katholische Kirchen und ein theologisches Seminar angegriffen.

Im mehrheitlich christlichen Stadtteil mit dem Namen Jerusalem wurden mehrere Gebäude zerstört, wie der Bewohner Edwin Silas berichtete. «Die gesamte Stadt ist traumatisiert», sagte er.

Ein katholischer Priester sagte «The Nation», seine Kirche sei niedergebrannt und acht andere Kirchen seien attackiert worden. Banden junger Männer seien durch die Strassen gezogen und hätten Brandbomben in die Kirchen geworfen.

Bewohner verlassen Quartiere fluchtartig

Während den Anschlägen gab es auch längere Schusswechsel, zahlreiche Bewohner hätten fluchtartig die betroffenen Quartiere verlassen. Auch am Sonntag herrschte unter den Bewohnern immer noch Angst. Viele Menschen fürchteten, dass Boko Haram noch einmal zuschlagen könnte.

Präsident Goodluck Jonathan verurteilte die Anschläge. Er habe die Festnahme der Attentäter «dieser abscheulichen Taten» angeordnet, sagte sein Sprecher Reuben Abati. Auch UNO- Generalsekretär Ban Ki Moon und der Weltsicherheitsrat verurteilten die Anschläge scharf. Der Sicherheitsrat bezeichnete sie in einer Erklärung vom Samstag als «kriminell und nicht zu rechtfertigen».

Nigerianische Taliban

Nigeria ist zwischen dem mehrheitlich muslimischen Norden und dem überwiegend von Christen und Animisten besiedelten Süden gespalten. Zwischen den Religionsgruppen bestehen seit langem Spannungen, die immer wieder in Gewalt münden. Ein 2009 von Boko Haram in Maiduguri initiierter Aufstand wurde von der Armee blutig niedergeschlagen.

Die Sekte, die übersetzt in etwa «westliche Erziehung ist eine Sünde» heisst, verübt seit Jahren immer wieder Anschläge auf Polizeistationen, christliche Kirchen und andersdenkende Muslime. Auch werden immer wieder in Nigeria beliebte Bier-Kneipen angegriffen. Unter anderem ist Boko Haram strikt gegen Alkoholgenuss.

Boko Haram lehnt jeden westlichen Lebensstil ab und strebt die Errichtung eines islamischen Staates in Nordnigeria an, wo bereits heute die islamische Rechtslehre Scharia gilt. Die 2002 gegründete Gruppe bezeichnet sich selbst auch als «nigerianische Taliban».

Allein in diesem Jahr sollen über 360 Menschen bei von Boko Haram ausgehenden Gewalttaten getötet worden sein, so etwa im August, als bei einem Selbstmordanschlag auf UNO-Gebäude in der Hauptstadt Abuja über 20 Menschen starben.

(sda/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 06.11.2011 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Von innen heraus

    Egal wo auf der Welt, die fundamentalisisch radikale Islambewegung kann nur von innen heraus besiegt werden, wenn friedliche Moslems u andere gemässigte Islamisten diese Treiben weltweit dem ein Ende setzen. Von aussen können nur Schadensbegrenzungen geführt werden, welche nur punktuelle Lösungen bieten, aber diese an für sich friedliche Religion nicht befriedigen kann. Spinner, Fanatiker und andere extreme Sektierer gibt es leider in jeder Religion, doch keine ist so grausam zu Andersdenkenden wie auch zu Glaubensgenossen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • J. Meyer am 06.11.2011 18:00 Report Diesen Beitrag melden

    Von innen heraus

    Egal wo auf der Welt, die fundamentalisisch radikale Islambewegung kann nur von innen heraus besiegt werden, wenn friedliche Moslems u andere gemässigte Islamisten diese Treiben weltweit dem ein Ende setzen. Von aussen können nur Schadensbegrenzungen geführt werden, welche nur punktuelle Lösungen bieten, aber diese an für sich friedliche Religion nicht befriedigen kann. Spinner, Fanatiker und andere extreme Sektierer gibt es leider in jeder Religion, doch keine ist so grausam zu Andersdenkenden wie auch zu Glaubensgenossen.

    • Christian Stettler,Nidau. am 06.11.2011 18:41 Report Diesen Beitrag melden

      Fanatismus!

      Herr Meyer.Wie Recht Sie haben!Es fängt ja schon in den eigenen Familien an....

    • Dave Müller am 06.11.2011 19:23 Report Diesen Beitrag melden

      Religion des Friedens (Trademark)

      Bitte, Herr Meyer, erklären Sie mir die Unterschied ezwischen einem gemässigten Islamisten, einem Islamisten und einem gläubigen Moslem.

    • Abu Zubayr am 06.11.2011 21:46 Report Diesen Beitrag melden

      Es ist in der Tat so

      Das es sehr extreme Gruppen im Islam gibt. Ich meine selbst der 4te rechtgeleitete Khalif wird von einigen als Abtrünniger gesehen der es verdient hat ermordet zu werden. Ich finde es gut das du den Punkt angesprochen hast, dass die Muslime dies selber regeln sollen. Aber ich möchte auch das du (und alle anderen) darüber bescheid weisst, dass sich nicht jeder Muslim von jedem Sekterier oder Erneuerer distanzieren kann wenn er doch überhaupt nichts über die Situation in Nigeria weiss. Fortsetzung Folgt

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