07. April 2005 13:33; Akt: 07.04.2005 13:39 Print

Anschlag auf Tempelberg befürchtet

Angesichts des Widerstands gegen den geplanten Abzug aus dem Gazastreifen haben die israelischen Sicherheitskräfte vor einem Anschlag jüdischer Extremisten auf den Tempelberg in Jerusalem gewarnt.

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Die Abzugsgegner kündigten für Sonntag eine Protestaktion am Tempelberg an. Zugleich riefen führende Vertreter der Muslime ihre Anhänger zu einer Gegendemonstration auf.

Die Polizei befürchtete Zusammenstösse zwischen den beiden Gruppen. Sie ordnete an, jüdischen Demonstranten den Zugang zu dem Gelände zu verwehren. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden verschärft. «Wir bereiten uns auf Hunderttausende vor, wie viele auch immer kommen mögen, wir sind vorbereitet», sagte Polizeisprecher Schmuel Ben Rubi am Donnerstag.

«Wir müssen alle Möglichkeiten nutzen, auch noch nie da gewesene, um einen Anschlag auf den Tempelberg zu verhindern», sagte Amos Gilad, ein ranghoher Mitarbeiter im Verteidigungsministerium, im Armeerundfunk. Möglicherweise könnten die jüdischen Extremisten versuchen, eine israelische Flagge auf den beiden Moscheen auf dem Tempelberg zu hissen. Eine solche Provokation könne weit reichende Konsequenzen haben und zu Unruhen in der gesamten Region führen. Der Tempelberg, auf dem auch die Al-Aksa-Moschee liegt, ist für Muslime wie Juden eine heilige Stätte.

Die israelische Regierung plant, im Sommer alle 21 jüdischen Siedlungen im Gazastreifen und vier weitere im Westjordanland zu räumen. Das Vorhaben stösst bei den Siedlern auf massiven Widerstand. Am Donnerstag besichtigte Ministerpräsident Ariel Scharon einen Küstenstreifen im südlichen Israel, an dem die betroffenen Familien möglicherweise angesiedelt werden sollen.

Die Europäische Union kritisierte unterdessen den israelischen Plan, in der Siedlung Maale Adumin im Westjordanland 3.500 neue Häuser zu bauen und zwei weitere Ortschaften in dem palästinensischen Autonomiegebiet zu erweitern. Derartige Schritte seien eine Verletzung internationalen Rechts, hiess es in der Erklärung vom Donnerstag. Israel müsse «seinen Verpflichtungen, jegliche Siedlungsaktivität einzustellen», nachkommen.

(ap)