Druck aus China

10. Oktober 2019 07:46; Akt: 10.10.2019 08:40 Print

Apple löscht Hongkonger Protest-App

Mit einer App konnten Demonstranten die Aufenthaltsorte der Polizei ausmachen. Diese musste nun auf Druck aus China aus den Apple-Store entfernt werden.

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«hkmap.live» wurde nach Kritik aus China aus dem Apple-Store entfernt. Mit der App konnten Demonstranten in Hongkong bei ihren Protesten sehen, wo sich die Polizei aufhielt. «Frau Bundeskanzlerin Merkel, Sie sind in der DDR aufgewachsen. Sie haben Erfahrungen aus erster Hand über den Schrecken einer diktatorischen Regierung gemacht»: Aktivist Joshua Wong. (3. September 2019) Nach den schweren Zusammenstössen bei Massenprotesten in Hongkong haben sich wieder hunderte Demonstranten zu Protestaktionen am Flughafen der chinesischen Sonderverwaltungszone versammelt. (1. September 2019) Schwarzgekleidete Aktivisten, die sich mit Regenschirmen gegen Überwachungskameras abschirmten, errichteten Barrikaden am Busbahnhof des Flughafens und versuchten die grösste Zufahrtsstrasse zum Terminal zu blockieren. Im Flugverkehr gab es zunächst keine Einschränkungen. In den Terminals waren Polizisten im Einsatz In Hongkong haben Demonstranten am Samstag, 31. August 2019, versucht, das Parlament zu stürmen. Vor dem Parlamentsgebäude versuchten die Demonstrationsteilnehmer, Polizeisperren zu durchbrechen. Trotz eines Verbots waren erneut zehntausende Menschen auf die Strasse gegangen, um mehr Demokratie zu fordern. Die Polizei setzte Wasserwerfer und Tränengas gegen Demonstranten ein. Mit Schweizer Ausrüstung? Ein Hongkonger Polizist verhaftet einen Demonstranten. (24. August 2019) Tausende Demonstranten versammelten sich am Sonntag, 18 August, im Victoria Park. Tausende chinesische Truppen haben am Donnerstag an einer Übung in einem Sportstadion in der Stadt Shenzhen an der Grenze zu Hongkong teilgenommen. Auch gepanzerte Fahrzeuge und Truppentransporter fuhren ins Shenzhen-Bay-Stadion in der südchinesischen Metropole, viele weitere standen davor. Das Satellitenbild zeigt Dutzende Armeefahrzeuge im Fussballstadion von Shenzen. Gemäss chinesischen Medien sind die Truppenfahrzeuge an der Grenze zu Hongkong einzig für eine «grosse militärische Übung» dort. US-Geheimdienste haben US-Präsident Trump über den Truppenaufmarsch in Shenzen informiert. Auf Twitter schrieb Trump: «Ich hoffe, dass niemand getötet wird». Die Proteste am Flughafen Hongkong waren teilweise heftig. Dieser verletzte Mann wurde von den Demonstranten als Polizei-Spitzel verdächtigt. Erst nach dem Einsatz von Tränengas konnten Sanitäter den Verletzten bergen. Sicherheitskräfte gingen zum Teil massiv gegen Demonstranten vor. Doch auch diese setzen Gewalt ein. Polizisten verhaften einen Demonstranten bei den Protesten, die den Flughafen Hongkong am zweiten Tag in Folge lahm legten. Einzelne Demonstranten wurde am Flughafen verhaftet. Tausende Demonstranten blockierten die Abflughalle des Flughafens Hongkong. Am Mittwochmorgen harrten nur noch eine Handvoll Demonstranten auf dem Grossflughafen aus Schon am 6. August zeigten sich chinesische Polizisten bei einer grossen Übung in Shenzen.

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Nach scharfer Kritik aus China hat Apple eine App aus seinem Angebot entfernt, die Demonstranten in Hongkong bei ihren Protesten die Standorte der Polizeieinheiten anzeigte. Die Macher von «hkmap.live» teilten am Donnerstag auf Twitter mit, dass Apple das Programm aus dem App-Store gelöscht habe.

Demnach begründete der Konzern seine Entscheidung damit, dass die mobile Verkehrsanwendung die Strafverfolgung behindert und Bewohner Hongkongs gefährdet habe.

Zuvor hatte China dem iPhone-Konzern vorgeworfen, die Demonstranten in Hongkong zu unterstützen. Die App mache es Demonstranten leichter, sich an gewalttätigen Aktionen zu beteiligen, kritisierte am Mittwoch das Parteiorgan «Volkszeitung». «Apples Zustimmung zu der App hilft natürlich den Randalierern. Was ist die tatsächliche Absicht?», schrieb das Blatt.

Offenbar wurde auch die News-App «Quartz» aus dem Apple-Store entfernt, wie «TheVerge» berichtet. Das Unternehmen teilt mit, dass dies aufgrund der Berichterstattung über die Proteste in Hongkong geschah und dass auch der Webseiten-Zugang in ganz China blockiert wurde. Einer Notiz von Apple zufolge hiess es, dass die Publikation Inhalte verbreitet, «welche in China illegal sind.»

«Ein Land, zwei Systeme»

Apple hat sich in der Vergangenheit mehrfach dem Druck Pekings gebeugt. So löschte es vor zwei Jahren zahlreiche sogenannte VPN-Programme aus seinem chinesischen App-Store, mit denen die strengen Internet-Sperren des Landes umgangen werden konnte. Davor hatte Apple auf Wunsch Pekings die Nachrichten-App der «New York Times» aus seinem Angebot in China gelöschte. Für den US-Konzern ist die Volksrepublik nach den USA der wichtigste Markt.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird Hongkong nach dem Grundsatz «ein Land, zwei Systeme» autonom regiert. Die sieben Millionen Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, geniessen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten. Seit fünf Monaten demonstrieren sie gegen ihre Regierung und den wachsenden Einfluss der kommunistischen Führung in Peking.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hongkonger am 10.10.2019 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Anti Apfel

    Zeigt uns deutlich was für eine Art Unternehmen Apple (und Blizzard) sein will. Und das im "Land of the free", schätze das gilt nur solange China einverstanden ist. Ziemlich erbärmlich, aber trotzdem interessant endlich zu sehen, wie sehr China den Rest der Welt kontrollieren kann.

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  • Tamedia Mundpflaster am 10.10.2019 10:31 Report Diesen Beitrag melden

    Schöne Welt

    Wenn eine kommunistische Partei in China einem kapitalistischem Unternehmen in den USA vorschreibt was für apps im Appstore zu finden sind... Was kommt als nächstes? Apple - ist es das Geld dort drüben wirklich wert?

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  • Jochum am 10.10.2019 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die macht chinas

    Umwelt mit hochgiftigen stoffen verunreinigen. Afrika ausbeuten. Die eigene Bevölkerung terrorisieren. Fremde gebiete anektieren. Spielhersteller welche user löschen die sich für hongkong aussprechen(blizzard). Apple welches auf druck der chinesischen regierung sofort nachgibt und nicht wie in Amerika tamtam macht. Irgendwie macht mir das sorgen. China ist schon die grösste weltmacht, es kann machen was es will...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Freier Mensch am 10.10.2019 18:32 Report Diesen Beitrag melden

    OffT.

    Ich finde es amüsant wie es eine App gibt, die die Positionen der Polizei angeben. (Habe selber kein Smartphone).

  • Dabi am 10.10.2019 18:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch Apple ist käuflich

    China verspricht auch mehr Profit als Demonstranten

  • Realität ist nicht schön am 10.10.2019 15:20 Report Diesen Beitrag melden

    Alles ok, was USA und Europa dürfen

    Können auch andere machen, also alles ok! Doppelmoral oder Bildungferne, was ist der Grund für diese verzerrte Sicht vieler Kommentatoren?

  • Anna Liese des Tages am 10.10.2019 14:41 Report Diesen Beitrag melden

    Obwohl das Materielle...

    ...fast unbedeutend ist! :-) Was die wohl erst tun würden, wenn es anders wäre... :-)

  • Windows phone user am 10.10.2019 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    unterstüzer

    Jeder der ein iPhone besitzt unterstütz das kriminelle Vorhaben von Apple.