Aufruhr

04. März 2011 17:51; Akt: 05.03.2011 17:11 Print

Arabische Demonstranten geben nicht auf

Nach dem traditionellen Freitagsgebet haben die Menschen in mehreren arabischen Ländern wieder protestiert. Zu Gewalt kam es im Irak und in Bahrain, während im Jemen gar Menschen starben.

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Im Norden des Jemen, im Distrikt Harf Sufian, beschoss das Militär nach Angaben schiitischer Rebellen friedlich demonstrierende Regierungsgegner. Mindestens vier Menschen seien getötet und sieben weitere verletzt worden, meldeten mehrere Nachrichtenagenturen.

Im ganzen Land gingen nach Oppositionsangaben mehr als eine halbe Million Menschen gegen die Regierung auf die Strasse. Allein in Sanaa waren es rund 100'000 Menschen. Der Demonstrationszug erstreckte sich über mehr als zwei Kilometer Länge. Auch rund 100'000 Anhänger von Präsident Ali Abdullah Saleh versammelten sich in der Hauptstadt.

Dieser lehnte einen Vorschlag der Opposition ab, bereits Ende Jahr sein Amt abzugeben. Stattdessen hält er an seinem Vorhaben fest, erst 2013 mit Ablauf der Amtszeit abzutreten. Saleh regiert das verarmte Land seit 32 Jahren autoritär.

Gewalt im Irak und in Bahrain

Auch im Irak gingen die Sicherheitskräfte zum Teil mit Gewalt gegen Proteste vor. Tausende Menschen demonstrierten im ganzen Land gegen Korruption, Misswirtschaft und die unzureichende Strom- und Wasserversorgung. In der Hauptstadt Bagdad verlief die Kundgebung friedlich. In Mossul und Basra lösten die Sicherheitskräfte die Kundgebungen mit Gewalt auf.

In Königreich Bahrain kam es erstmals seit Beginn der Proteste vor über zwei Wochen zu Auseinandersetzungen zwischen Sunniten und Schiiten. Einwohnern der Stadt Hamad zufolge gingen in der Nacht sunnitische und schiitische Muslime aufeinander los. Etwa 100 Menschen seien beteiligt gewesen.

Nach Angaben des Innenministeriums dauerte es rund zwei Stunden, bis die Polizei die Lage unter Kontrolle hatte. Die schiitische Bevölkerungsmehrheit fühlt sich von der sunnitischen Königsfamilie benachteiligt. Mehrfach haben sich Demonstranten versammelt und Reformen verlangt.

Friedlich verlief eine Kundgebung in der jordanischen Hauptstadt Amman. Dort gingen rund 3000 Menschen für politische Reformen auf die Strasse.

Feiern in Kairo

In der ägyptischen Hauptstadt Kairo liess sich der designierte Regierungschef Essam Scharaf auf dem Tahrir-Platz von zehntausenden Menschen feiern. «Ich habe meine Legitimität von euch!», rief Scharaf ins Mikrofon. «Es gibt keinen anderen Ort, aus dem man diese Entschlossenheit und Willenskraft schöpfen kann.»

Die Menge unterbrach den Politiker immer wieder während der Ansprache, teils um ihn hochleben zu lassen, teils um ihre Forderungen zu skandieren. Der Tahrir-Platz im Herzen von Kairo war das Zentrum der 18-tägigen Massenproteste, die zur Entmachtung von von Hosni Mubarak geführt hatten.

Das Kabinett bestätigte unterdessen, dass die Ägypter am 19. März über Verfassungsänderungen abstimmen sollten. Insgesamt geht es um Artikel, die bisher freie Wahlen verhindert hatten. Weiter trat der Leiter der ägyptischen Altertumsverwaltung, Sali Hawass, aus dem Kabinett zurück. Hawass war noch von Mubarak ernannt worden.

Neues Kabinett in Tunesien

In Tunesien, wo im Januar Machthaber Zine al-Abidine Ben Ali gestürzt worden war, sagte der Chef der Übergangsregierung, Beji Caid Sebsi, binnen zweier Tage die Bildung eines neuen Kabinetts zu - dem dritten seit dem Sturz Ben Alis Mitte Januar.

Hauptziele seien, die Würde des Staates wiederherzustellen und die Sicherheit im Land zu gewährleisten. Am 24. Juli sollen die Tunesier eine verfassunggebende Versammlung wählen.

Demonstrationen in Saudi-Arabien

Bereits am Donnerstag waren in Saudi-Arabien dutzende Schiiten auf die Strasse gegangen. Zu den Demonstrationen kam es in den beiden saudischen Küstenstädten Awwamya und Katif in der ölreichen Ostprovinz. Dort werden nach Angaben der Demonstranten Häftlinge teilweise seit mehr als zehn Jahren ohne Urteil festgehalten.

Nach Demonstrationen in Awwamya hatten die Behörden im vergangenen Monat drei Gefängnisinsassen freigelassen. Die Demonstranten forderten die Freilassung weiterer Häftlinge, sagte ein Kundgebungsteilnehmer in Katif. «Aber wir haben auch eine andere Forderung: Wir wollen Gleichheit.»

Die Schiiten beklagen, dass sich ihre Situation unter König Abdallah zwar dank Reformen verbessert hat, die höheren Posten in öffentlichen Institutionen aber weiterhin der wahabitischen Elite vorbehalten sind. Das saudische Regime weist diese Vorwürfe zurück.

Die Wahabiten sind Sunniten und stellen in Saudi-Arabien die Mehrheit der Bevölkerung. Sie befolgen eine besonders strenge Auslegung des Islams. Die Minderheit der saudischen Schiiten lebt vor allem im Osten des Landes in der Nähe des Königreichs Bahrain.

(sda/ap)