Revolutionärer Austausch

26. Oktober 2011 15:20; Akt: 27.10.2011 14:45 Print

Arabische Parolen in der Wall Street

Zwei prominente Demokratie-Aktivisten aus Kairo haben Occupy Wall Street einen Besuch abgestattet. Die Unterschiede zwischen den beiden Bewegungen waren nicht zu übersehen.

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Asmaa Mahfouz von der ägyptischen Demokratiebewegung «6. April» marschiert am Montag mit Occupy Wall Street. (Bild: Mona El-Naggar)

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Die Besetzer der Wall Street hatten am Dienstag prominenten Besuch aus dem Ausland: Die beiden Aktivisten Asmaa Mahfouz and Ahmed Maher von der ägyptischen Jugendbewegung des 6. Aprils waren angereist, um mit ihren amerikanischen Kameraden revolutionäres Knowhow auszutauschen. Doch von Beginn weg zeigte sich, dass die Unterschiede zwischen Tahrir-Platz und Zuccotti-Park grösser sind als ihre Gemeinsamkeiten, wie das US-Magazin «The Atlantic» schreibt.

«Wo ist denn das Tränengas?», fragte der 30-jährige Maher lachend, als er das Camp im Zuccotti-Park betrat. Offenbar war er überrascht über das vergleichsweise herzliche Verhältnis zwischen den Demonstranten und der New Yorker Polizei. Auch die 26-jährige Mahfouz vermisste etwas: «Wo sind die Organisatoren? Es muss doch Organisatoren geben», sagte sie. Keiner wusste es.

«Es braucht eine Botschaft»

Doch auch die Gegenseite hatte Fragen. «Wie haltet ihr eure Bewegung am Leben?», wollte ein junger Mann wissen. «Ihr braucht eine Botschaft», antwortete Mahfouz. Am besten eine einfache, «die niemand verändern könne». In einem Interview mit der Organisation «Democracy Now» erwähnte sie später Barack Obamas Wahlkampfslogan «yes we can». Und weil immer noch keine Organisatoren aufgetaucht waren, empfahl sie den Wall-Street-Besetzern ausserdem, ihre eigenen Anführer zu wählen.

«Wie stürzt man ein System», fragte ein anderer. «Es ist einfacher, einen Diktator zu stürzen als ein ganzes System», antwortete Mahfouz höflich. Einige wollten wissen, wie die USA den Ägyptern helfen könnten. «Macht eure Revolution, das wäre die grösste Hilfe für uns», antwortete die ägyptische Aktivistin. Sie äusserte die Hoffnung, dass die USA dann vielleicht ihre jährlichen Milliardenzahlen an das ägyptische Militär einstellen würden.

Bange Sekunden am Broadway

Nach einer Stunde Frage-und-Antwort fand Mahfouz, es sei genug geredet worden und verkündete «lasst uns marschieren!». Einige hundert folgten ihr und der überschaubare Demonstrationszug setzte sich Richtung Wall Street in Bewegung. Weil den Amerikanern nicht nur Kernbotschaften sondern auch griffige Schlachtparolen fehlten, brachten ihnen die Ägypter kurzerhand den arabischen Klassiker «al shaab yurid isqat al nizam» (Das Volk fordert den Sturz des Regimes) bei. Daraus entwickelte sich schliesslich «al shaab yurid isqat wall street».

Die Polizei liess den binationalen Demonstrationszug gewähren. Dafür nahmen die amerikanischen Teilnehmer vorsorglich an jeder Ecke Rücksprache mit den Gesetzeshütern, welche Route sie nehmen sollten. An der Kreuzung von Wall Street und Broadway schliesslich platzte Mahfouz der Kragen: Anstatt auf ein Zeichen des Verkehrspolizisten zu warten, stoppte sie den Verkehr eigenhändig, hob die Faust und verlangte den Sturz der Wall Street. Nur Journalisten und einige Verwegene blieben bei ihr, der Rest ergriff die Flucht auf das Trottoir. Für einen Moment drohte die Situation zu eskalieren. Doch die Polizei hielt sich zurück. «Ich wollte ihnen zeigen, dass man hartnäckig sein muss, auch wenn man dabei eine Verhaftung riskiert», sagte sie später.

Mit einem Treffen mit den Organisatoren, die irgendwann doch noch auftauchten, endete der Kurzbesuch. Bereits am Mittwoch traten Asmaa Mahfouz and Ahmed Maher die Heimreise nach Kairo an. Bei den Wall-Street-Besetzern dürfte die Begegnung mit den ägyptischen Kollegen einen nachhaltigeren Eindruck hinterlassen haben als umgekehrt.

(kri)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Thomas am 27.10.2011 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist mit Oakland?

    Warum berichtet 20min nicht über die schweren Vorfälle gestern in Oakland, wo die Polizei mit Tränengas auf die Demonstranten losgegangen ist und sie verletzt haben? Überall wird darüber berichtet nur hier nicht?

  • S. B am 26.10.2011 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur lächerlich...

    Sorry, einfach nur lächerlich. Die beiden Aktivisten wären besser in Ägypten geblieben um was zu ändern, anstatt in den USA ein wenig Rebell zu spielen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas am 27.10.2011 07:38 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist mit Oakland?

    Warum berichtet 20min nicht über die schweren Vorfälle gestern in Oakland, wo die Polizei mit Tränengas auf die Demonstranten losgegangen ist und sie verletzt haben? Überall wird darüber berichtet nur hier nicht?

  • S. B am 26.10.2011 22:45 Report Diesen Beitrag melden

    Einfach nur lächerlich...

    Sorry, einfach nur lächerlich. Die beiden Aktivisten wären besser in Ägypten geblieben um was zu ändern, anstatt in den USA ein wenig Rebell zu spielen.