Ägypten

11. März 2011 16:16; Akt: 11.03.2011 16:32 Print

Armee lässt zwei Sadat-Attentäter frei

Ägypten hat zwei wegen des Attentats auf Präsident Anwar al-Sadat 1981 verurteilte Islamisten aus dem Gefängnis entlassen.

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Anwar el Sadat wurde 1918 in eine Familie mit 13 Kindern geboren und wuchs in Meit Abul Kom, 40km nördlich von Kairo auf. Ägypten war noch eine britische Kolonie und Sadat besuchte ab 1936 die britische Militärakademie in Ägypten. Auf einem Aussenposten lernte er den späteren Präsidenten Gamal Abdel Nasser kennen. Nasser, Sadat und weitere Offiziere gründeten eine revolutionäre Gruppe, um sich der britischen Kolonialmacht zu entledigen. Sadat landete deshalb zwei Mal im Gefängnis. Im Sechstagekrieg 1967 verlor Ägypten die gesamte Luftflotte. Am 29. September starb Nasser und Sadat wurde sein Nachfolger. Als Sadat die Präsidentschaft übernahm, lernte er schnell mit den Grossmächten umzugehen. In einer für ihn typischen Geste warf er nach erfolglosen Ersuchen um wirtschaftliche Hilfe die Sowiets aus dem Land. Am 6. Oktober 1973 drängte er mit einem präzisen militärischen Schlag die Israelis zurück über den Suez-Kanal in die Sinai-Wüste. Im Bild: Moammar Gadhafi von Lybien, Anwar el Sadat, Hafed Assad von Syrien (v.l.n.r) 1976 wurde Sadat als Präsident von Ägypten bestätigt. Im Bild: Bei einem Besuch in Jugoslawien mit dem damaligen Führer Tito. Überzeugt davon, dass ein Frieden mit Israel sich auch innenpolitisch auszahlen würde - Ägypten wurde von Krisen und Aufständen geschüttelt - sprach Sadat 1977 als erster ägyptischer Präsident vor dem Knesset in Israel. Im Bild: Die ehemalige israelische Ministerpräsidentin Golda Meir überreicht Sadat ein Geschenk. Die Friedensanstrengungen gipfelten 1979 im Friedensabkommen von Camp David. Für seine Bemühungen erhielt Sadat 1979 den Nobelpreis für Frieden. Im Bild: Anwar el Sadat, der amerikanische Präsident Jimmy Carter und der israelische Premierminister Menachem Begin (sitzend v.l.n.r). Sadats Bemühung um Frieden mit Israel führte zu einer starken innenpolitischen Opposition vor allem von fundamentalistischen islamischen Organisationen. Im Bild: Am 25. August 1981 bei einem Treffen mit dem damaligen israelischen Verteidigungsminister Ariel Sharon (links). Der innenpolitische Konflikt explodierte am 6. Oktober 1981 bei der militärischen Gedenkfeier an die '73er-Überquerung des Suezkanals: Um ein Uhr nachmittags wurde Anwar el Sadat auf der Tribüne im Kugelhagel und unter Granatenfeuer von islamistischen Fundamentalisten schwer verwundet. Trotz sofortiger Überführung ins Maadi-Militärspital verstarb er eine Stunde und vierzig Minuten nach dem Anschlag. Mit ihm verloren sieben weitere Gäste ihr Leben. Am 10. Oktober wurde Sadat beerdigt. Der Nachfolger von Sadat als ägyptischer Präsident wurde Hosni Mubarak, welcher am 6. Oktober ebenfalls Gast an der todbringenden Feier war und selbst verwundet wurde. Die Witwe von Anwar el Sadat, Dr. Jehan Sadat, führt das Erbe ihres Mannes weiter und setzt sich für Frieden und Gerechtigkeit ein. Im Bild: Bei einer Rede am Weltkongress für Familien, 1999 in Genf. Ein Mann des Kriegs und des Friedens: Anwar el Sadat auf einer der letzten Aufnahmen vor seiner Ermordung.

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Die ägyptische Armee habe die Freilassung der beiden Cousins Tarek und Abbud al-Somor angeordnet, berichtete am Freitag das Staatsfernsehen. Die beiden Mitglieder der islamistischen Untergrundgruppe Islamischer Dschihad hatten bereits 2003 und 2006 ihre Strafen abgesessen. Der frühere Innenminister Habib al-Adli nutzte jedoch die ihm im Zuge des Ausnahmezustands verliehenen Sondervollmachten, um die Freilassung der Männer zu verhindern.

Präsident Sadat war im Oktober 1981 während einer Militärparade von Islamisten erschossen worden, die den Abschluss eines Friedensvertrags mit Israel ablehnten.

Abbud al-Somor, ein früherer Offizier des Militärgeheimdienstes, gehörte zu der Gruppe, die den Anschlag ausführten. Sein Cousin Tarek war an der Vorbereitung beteiligt. Der Hauptattentäter Chaled Islambuli wurde 1982 hingerichtet.

Neben Tarek und Abbud al-Somor wurden am Freitag 67 weitere politische Gefangene vom Obersten Militärrat freigelassen, der seit dem Rücktritt vom Präsident Hosni Mubarak am 11. Februar das Land regiert.

(sda)